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Archives: Donnerstag, 13. September 2012

ONE – Suddenly we were all hearing a mobile phone ringing that sounded like an old telephone, in the middle of a live-remix of Owen Pallett’s fantastic perfomance, and what happened? A smile hushed over Jan Bang’s face, Eivind Aarset and Erik Honore kept their senses focussed, and Arve Henriksen picked up an imaginary phone, and whispered: „Owen, hallo, Owen? Owen!“ and he did it in a very musical, cinematic way. Live-Remixing at Punkt has a lot to do with shadows – and ghosts.

TWO – „Live-Remixing is not about replacement, it’s about transformation“, Jon Wozencroft said, during his highly entertaining lecture about the music of stones in the last wilderness of Great Britain. I was so thrilled that I spontaneously decided to travel to the bluestones of Preseli Hills in South West Wales. Later Jon warned me, and showed me how to behave when confronted with the toxic snakes that are still active there, high in number, waiting for lonesome travellers in summertime.

THREE – When all is played and done, when the last sound has finally gone … then it is time for the K35-party. Owen Pallett and I continued our talking about great records we stopped about five ago, backstage, in a small church in Dortmund. This time he was full of praise for Brian Eno’s „Another Day On Earth“, this quite underrated masterpiece of 2005. Everybody was there. Even Brian. After hours … small talk with an edge, full of personal insights. There, outside and inside K35, along with the beer and the music and the well-known faces, it was easy to talk about personal matters, easy even to shake hands with the dark side. And feel good.

…eine der ungewöhnlichsten Platten in der langen und stolzen Geschichte des Trompeters und eine außerordentliche Platte im Katalog von ECM: Auf dem Livealbum „On The Dance Floor“, aufgenommen im vergangenen Herbst in Rom, spielen Enrico Rava und sein Ensemble (Rockband mit allen Bläsern in doppelter Besetzung) hauptsächlich Kompositionen von Michael Jackson, einschließlich “Thriller” und “Smooth Criminal”. Und sie tun es mit einer solchen Vehemenz und Spielfreude, dass keine Genregrenze mehr stehenbleibt […] Seltsam und unwiderstehlich ist dieses Album. (Thomas Steinfeld, Süddeutsche Zeitung)

Einspruch! Zuweilen fressen Jazzmusiker einen Narren an Genres und Künstlern, die sich vollkommen konträr zur eigenen Ästhetik bewegen. Der Jazz ist nun mal ein saugfreudiges Medium: so hat der italienische Trompeter Enrico Rava seine Liebe zur Musik und Tanzkunst von Michael Jackson entdeckt; nach dessen Tod befasste er sich intensiv mit seinem Werk, fand das für viele dekadente Spätwerk gar noch interessanter als Klassiker wie „Off The Wall“ und den von Quincy Jones produzierten Mega-Seller „Thriller“. Es folgte eine besessene Zeit des Hörens von Michael Jackson-Alben: Rava sah in Jackson einen – Zitat – „50 jahre alten Peter Pan, der auf der Bühne zur absoluten Autorität mutierte.“ Nun liegt die CD „On The Dance Floor“ vor, Konzertmitschnitte aus Rom aus dem Jahre 2011. Das Ergebnis: so extravertiert hat man Rava, einen Ästheten der Jazz-Kammermusik, nur in lang vergangener Free Jazz-Zeiten gehört; mit der 11-köpfigen Formation „Parco della Musica Jazz Lab“ gelingt ihm eine durchaus mal Spielwitz versprühende, aber leider mit viel zu vielen Rock-Klischee garnierte Ehrung seines Lieblings-Pop-Artisten. Absolute Vorsicht empfehle ich beim Goutieren der Keyboard- und E-Gitarren-Klänge! Wer Enrico Ravas Faszination für Michael Jackson nicht teilt, kann sich immerhin erfreuen an dem wohl nie erkaltenden Enthusiasmus eines 1937 geborenen Veteranen des europäischen Jazz: manche Liebe beruht auf einem grossen Missverständnis und kann doch zu ganz interessanten Erfahrungen führen, zumal Rava einige alte italienische Bandaklänge in Jacksons Musikwelt hinein schmuggelt: grosses Volksspektakel ist also angesagt – in einer angenehm altmodischen Veranstaltung, die bestimmt öfter und unfreiwilliger zum Schmunzeln animiert als es dem Ernst von Enrico Ravas Begeisterung angemessen sein dürfte! Mit Wohlwollen drei Sterne.


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