Manafonistas

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Archives: Montag, 10. Oktober 2011

2011 10 Okt.

Email aus Shanghai

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Hallo Michael,

kannst Du Dir vorstellen ich stehe morgens auf, dusche und schalte zum Frühstück das Radio an, um deutsche Nachrichten und Musik zu hören. Die Musik, die ich dann höre, lässt mich darüber nachdenken, ob mir gestern Abend jemand etwas ins Essen getan hat oder ob mein leichter grippaler Infekt doch schlimmer ist als vermutet, da mich sofort ein traumähnliches Gefühl erfasst. Ich schaue raus aus dem Fenster: Die Hochhäuser sehen ganz normal aus. Dann hört die Musik auf und eine Stimme, die mir bekannt vorkommt ertönt. Und da erkenne ich es: Ich höre die Klanghorizonte im Deutschlandfunk mit Dir als Moderator. Und das zum Frühstück, welche schöne Überraschung.

Beste Grüße aus einer richtigen Großstadt

Ludger

Gestern gabs einen sehr kurzweiligen Reisebericht auf N3. Ein Ehepaar aus Norddeutschland bereiste Cornwall im Wohnmobil. Sie stritten sich die ganze Zeit und trotzdem hatte man den Eindruck, sie seien ein harmonisches Paar. Es ging hauptsächlich um die Frage, ob es ein Fehler war, die Fahrräder mitzunehmen. („Aber nächstes Mal lassen wir die Räder zuhause, es ist hier viel zu hügelig!“)

Remembering Falmouth/Cornwall and also Torquay/Devon (best fish&chips ever) and our Folk-Club Tour in Good Old England anno 78. This morning had the idea of a song, a reminiscence: „Little Folky“ (first take, 1 overdub). Hope you like it.

2011 10 Okt.

Love me in Stoke Gabriel

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Devon, Stoke Gabriel Church

„Here i will make love to you in 2011,

Said the poet to the heaven,

In 2012 or 2013, it´ll be an evergreen“

(graffiti)

2011 10 Okt.

Latin Lover

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Zu den erfreulichen Ereignissen meiner Schulzeit gehört der Erwerb des Großen Latinums – vielmehr die Art und Weise, wie ich es erhielt. Monatelang bis zum Abitur der immer wiederkehrende Traum: ich sitze in der allesentscheidenden Lateinklausur und scheitere kläglich. Kein Wunder, wenn man gefühlte 30 Jahre lang die Hausaufgaben von denen übernimmt (dt. abschreiben), die es besser können. Also fasste ich den Entschluß – einige Wochen vor dem Abi: Selbst ist der Mann! Es folgte nacktes Entsetzen, denn nicht einen einzigen Satz war ich mittlerweile in der Lage, noch eigenständig zu übersetzen. Das Projekt wurde so schnell gecancelt (revidiert), wie es begonnen wurde, nämlich ad hoc.

Aber es geschehen Wunder, immer wieder und immer noch. Als aus den vorhergehenden, nicht endenden Albträumen Realität wurde und der unvermeidliche Tag X  kam, fand ich mich in besagter Klausur. Wir bekamen einen Text von Cäsar. Ich las ihn durch und dachte: „Das soll Abiprüfung sein? Das ist doch viel zu leicht!“ Mit leichtem Frohlocken im Bauch übersetzte ich den Text und gab ihn ab. Ich hatte es geschafft, das erste Mal in meinem Leben eine 2 in Latein zu schreiben und so leicht schien der Text nicht gewesen zu sein, denn einige rasselten durch. So auch mein jetziger Schwager und damaliger Klassen-Kamerad. Er ist heute allerdings in der Lage, Shakespeare lupenrein rückwärts zu übersetzen (reine Kompensation) oder Rick Holland Gedichte von Eno-CDs, wie er jüngst bei den Manafonistas eindrucksvoll bewies.

Wie komme ich darauf, diese Geschichte zu erzählen? Angeberei? Nicht nur, denn gestern wies mich ein hilfreicher Lektor, der nicht Hannibal hieß sondern Michael, darauf hin, dass das Wort Prokrastination, dessen Bedeutung er gar nicht kenne, wohl ausser den Lesern mit Großem Latinum sonst nur Wenigen Freude bereite. Ich hab´s rausgenommen aus dem Text und durch Aufschieben ersetzt – auch mit Rücksicht auf Lateintraumatisierte.

Das Buch „Latein ist tot, es lebe Latein!“ wünschte ich mir letztes Jahr zu Weihnachten von meiner Schwester, der Frau besagten Schwagers. „Sowas schenke ich Dir nicht!“, giftete sie mich an. Deren Ehe scheint zu stimmen (lat. solidare – dicht machen, befestigen, verstärken). Ich werde es mir heimlich besorgen und fernab aller Neider im Stillen geniessen. Um hernach nochmehr Worte dieser geliebten und so lebendigen Sprache in meine Texte einfliessen zu lassen – auch wenn mich andere dafür hassen werden. Denn Neid muss man sich mühsam erkämpfen.


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