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Archives: Donnerstag, 27. Oktober 2011

2011 27 Okt.

Daniel Richter – 10001 Nacht

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Man sieht auf den zumeist großformatigen Bildern zb mit Elektrogitarren bewaffnete Taliban – und das erinnert unsereinen an die Geburt des Rock´n´Roll aus dem Geiste der Wildheit. Natürlich haben Richters wilde Werke Bezug zur Kunstgeschichte (cause we´re living in postmodern times and everything´s kinda remix of history), Edvard Munch lässt grüßen, es finden sich Anklänge an den deutschen Expressionismus.

Seine Bilder gehören in den Kontext einer poetischen und narrativen Malerei. Vielleicht nicht zufällig hält Richter derzeitig eine Professur an der Wiener Kunsthochschule, in dessen Umfeld die großen Geschichtenerzähler der Wiener Schule des Phantastischen Realismus, namentlich Rudolf Haussner, Friedensreich Hundertwasser, Arik Brauer und Ernst Fuchs hervorgegangen sind – und in Wien zuvor auch Gustav Klimt und Egon Schiele.

Mit ähnlicher Farbenfreude wie Friedensreich Hundertwasser gesegnet (mit allen Hundertwassern gewaschen) ist dem Hamburger aber verniedlichende Ornamentik fremd. Nicht von ungefähr war er ein engagierter Sponti der Hafenstrasse und ein Sympathisant des Punk und er ist mittlerweile sogar stolzer Besitzer eines Plattenlabels („Mir gehört Jan Delay“ – grins, Ironie). Nein, in solchen Bildern steckt eine Wucht und ein überschwenglicher, ungehemmter Schaffensdrang, den man auch bei seinem Freund und Ateliernachbarn Jonathan Meese sieht und spürt. Hier wird gemalt, nicht konzipiert.

Angenehm auch, den Maler reden zu hören, denn er ist nicht auf den Mund gefallen. Schweigsame Geheimniskrämerei ist seine Sache nicht.  „Die meisten Maler sind doof“, sagt Daniel Richter. Er nicht, soviel ist klar, denn eloquent erklärt er seine Arbeiten und seine Sicht der Dinge.

Ob sein derzeitiger grandioser Erfolg ein Hype ist – schwer zu sagen. Denn alle Zeit will Weile haben. Erinnert sei hier an die Jungen Wilden, deren Bilder stehn heut´ im Depot. Richter hingegen sieht seine Bilder nach Ausstellungen selten wieder. Derzeitiger Kurswert pro Bild: eine Eigentumswohnung in Berlin Mitte. Aber die braucht ein Nomade ja nicht.

 

2011 27 Okt.

Brian Eno Artistic Director of Punkt 2012

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(Email von Thomas Weber, Kammerflimmer Kollektief)
 
Meine 10 allerliebsten Jazzalben gibts vielleicht garnicht, zumindest fällt mir keine ewige Liste ein, alles ist immer in transition. Dazu höre ich viel zu viel. Hier aber sind 10 Platten, die ich in letzter Zeit oft und gerne gehört habe, und die vlt. irgendwas mit Jazz (prozessuale Gruppensituationen, Improvisation u.a.) zu tun haben könnten: 

JOHN COLTRANE Infinty
Späte Coltrane-Aufnahmen, erweitert & überschrieben nach seinem Tod von seiner Frau Alice. Kann ich immer hören. „Peace on earth“ ist mir die liebste Musik überhaupt.

DR JOHN Babylon
Wer „Treme“ gesehen hat, weil, dass New Orleans die Wiege der amerikanischen Musik ist. Und das grösste Geschenk der Amerikaner an die Menschheit vielleicht. Und Dr. John weiss das auch und noch viel mehr, vielleicht sogar alles, qua Voodoo gar?

ANDREW HILL Smokestack
Alles dichtestens verwebt hier. Wahnsinnsbesetzung mit 2 Bassisten. Richard Davis, der später auch auf Astral Weeks dabei war, spielt sich hier um Kopf und Kragen. 

ALLMAN BROTHERS Eat A Peach
Besonders schön: Mountain Jam. Ein Soul-Jazz Boogie made in heaven. Die Allman Bros extemporieren über ein Motiv aus einem Donovan Song und spielen sich in schwindelerregende Höhen, nach ca. 24 Minuten geht dann Duane, der Himmelshund, auf die Überholspur. So klingt Glück!

SONNY SHARROCK Ask The Ages
Einer meiner liebsten Gitarristen neben Robert Quine, Tom Verlaine und Richard Thompson mit einem monumental rockenden Spätwerk mit Pharaoh Sanders, Elvin Jones und Charnett Moffett.

CARLA BLEY Tropic Appetites
Besonders toll „Caucasian Bird Riffles“! Mit Julie Tippetts (aka Julie Driscoll), die Texte von Paul Haines singt. Mit Carla Bley, Michael Mantler & Dave Holland et al: „Bywords of mouth/ Knowledge is what/ Shakes its fears/ In Lacking/ All experience/ Of them.“

TELEVISION The Blow-up
Was Tom Verlaine hier live spielt im grossen Solo bei Litte Johnny Jewel ist an Coltrane geschulter Jazz, nix anderes. Leider nur ein bootleg. Aber es brennt…
 
JIM DICKINSON Fishing with Charlie and Other Selected Readings
Jim Dickinson als Schamane. Hat mit den Stones UND Sonic Boom gespielt. Das hier ist eine spoken word Aufnahme mit einigen seiner Lieblingstexte. Muss man gehört haben: poetry in motion! „Whirl ye the deadly voo-doo rattle/ Harry the uplands/ Steal all the cattle/ Rattle-rattle, rattle-rattle/ Bing/ Boomlay, boomlay, boomlay, Boom…“

ELLINGTON/MINGUS/ROACH Money Jungle
Joe Henry (dessen neues Album ganz gross ist) meint zum Money Jungle: „the trio play a game of catch with love, fire and brimstone, becoming a single runaway train on its way to crashing a prom dance.“)

RAFAEL TORAL Space 
Die Zukunft des Jazz, das ist nicht jazz with electronics, sondern jazz on electronics. Far out!


Jim Dickinson weiss: „The fleeting nature of the present creates in man the desire to capture the moment. The movement of time compels us to record. The record becomes a totem, a pageant with a potential for recurring cultural impact, a sacrament between artist and audience, an unique event preserved and repeatable.“ 

Amen! Get your Mojo workin‘!

yours

t
 

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