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Archives: Samstag, 8. Oktober 2011

2011 8 Okt.

Herbstgedicht

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Vor ein paar Tagen nahm ich einmal wieder das SEPTEMBERBUCH von Robert Gernhardt zur Hand und zwar die Ausgabe mit „Zwanzig Zeichnungen zu zehn Gedichten“. Wenigstens an eines dieser wunderbaren September-Gedichte dieses viel zu früh verstorbenen Dichters möchte ich erinnern:

 
 

Schneiden und Scheiden

 

Ein guter Abend, um Pflaumen zu schneiden,
vorausgesetzt, es stimmt mit euch beiden.
Man kann beim Entkernen Gefühle erleben,
die schlichtweg erheben.

Zum Beispiel das, nicht allein zu sein.
Dann das Gefühl, zu zwein zu sein.
Sowie die Gewißheit: Was immer ihr tut –
Es wird gut.

Ich rede jetzt nicht von der Marmelade.
Wenn die danebengeht, ist es kein Schade.
Auch meine ich keineswegs euer Verschränken.
Daß das in Ordnung geht, will ich gern denken.

Nein:

Ich stell mir nur vor, wie ihr Pflaumen schneidet,
wie ihr sorgsam die Kerne vom Fruchtfleisch scheidet
und wie sich zwei Schalen nach und nach füllen
mit Kernen und Hüllen.

Solch Scheiden paarweis und stetig betrieben,
steigert das Leben und fördert das Lieben,
hindert das Meiden und mindert das Leiden
vorausgesetzt, es stimmt mit euch beiden.

 

 
www.runegrammofon.com
 
„Ich müsste lange darüber nachdenken, wer (unter den lebenden Vertretern ihres Faches) derzeit mein Lieblingssaxofonist ist, meine Lieblingsgssängerin fällt mir auf Anhieb ein: Sidsel Endresen“ (Michael Engelbrecht, Deutschlandfunk)
 
Sidsel solo in Japan, December 2010:  https://www.youtube.com/watch?v=b6-0duLTzEc&feature=related
 

In Düsseldorf, Aachen, München und gewiss auch anderen Städten gibt es edle Currywurst-Restaurants. Dort wird die alte Currywurst, von der Uwe Timm in einem seiner schönsten Romane einiges zu erzählen weiß („Die Entdeckung der Currywurst“), neu aufbereitet, mit Spezialrezepten von Gourmetköchen und findigen Amateuren. Und in einem dieser Läden schrieb ich in mein IPad die komplette Rezension der CD „ha!“ von Humcrush w/ Sidsel Endresen, die Sie seit gestern in der neuen Ausgabe der ZEIT nachlesen können. In einem Rutsch sozusagen, First take, zwischen Mineralwasser, fruchtig-scharfer Wurst und Small Talk mit der Bedienung. Ich glaube, ohne die gerösteten Zwiebeln wäre die Besprechung nur halb so gut geworden, wurde ich doch einigermaßen scharfzüngig in meinem Ausdruck, nicht ohne eine Seitenhieb auf die Bewunderer dieser Schmalzjazztante Diana Krall. Schreibt man für die ZEIT, was ich vor Jahren öfter tat, als Konrad Heidkamp noch lebte, ist ein elaborierter Sprachcode Pflicht, die Sprache muss sinnlich sein und informationshaltig. Man kann da nicht kleine Insidergeschichten von den Manfonistas einstreuen, und hat dem Thema eng verbunden zu sein. Ganz sicher ist, dass „Ha!“ jetzt einige neue Hörer gewinnt, dass der Diana Krall-Fanclub mich auf die schwarze Liste setzen wird. Das Schlimmste wäre ein böser Brief von Clint Eastwood, der einen Song dieser Edellangweilerin in einem seiner Filme unterbrachte, und natürlich auch ein Fan ist. So wie ich ein Fan von Clint Eastwood bin. Eastwood liebt den old school Jazz. In seinen Filmen läuft immer wieder mal Miles Davis, oder „Misty“ von Erroll Garner. Als er noch bei Don Siegel in die Lehre ging, transportierte Lalo Schifrin dutzendweise nervöse, fiebrige Jazzrhythmen in die Soundtracks der 70er Jahre. Vielleicht war Clint dem kunstvollen Jazzgesang der als etwas zickig geltenden Blondine deshalb so zugetan, weil sie die Rezepte einer alten Zeit benutzt. Eines aller permanenten Betrüblichkeit zum Trotz goldenen Zeitalters, in dem der Jazz und die Currywurst erfunden wurden.        


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