Manafonistas

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Archives: Freitag, 7. Oktober 2011

2011 7 Okt.

John Cale in der Lichtburg

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Stolperte gestern Abend, fast wie der Protagonist im letzten Woody Allen-Film, in ein altes Paris. Meinem neuen zweitbesten Freund, Bratt Pitt II, hatte ich ein Ticket für seinen liebsten Sänger auf dem Planeten besorgt, und jetzt hatte die Lady vom Pressebüro doch zwei zur Hand, und wider Erwarten war ich nicht weit von der Essener Lichtburg entfernt, und landete im Paris des Jahres 1919. Ich begegnete Pablo Picasso, Graham Greene und anderen Parisverrückten. „Paris 1919“ gilt als eines der Meisterwerke des John Cale aus den frühen 70ern.Er beschwört eine alte Welt, macht auch schon mal Halt bei einem Weihnachtsfest in seiner Heimat Wales und lässt einen romantischen Liederreigen vorbeifliegen, der uns sanft in die Kissen des alten Lichtspieltheaters in der Kettwiger Strasse drückt. Die Streicher waren schon damals dabei, und unangestrengt, liebevoll und ohne zuviel Patina trugen Mitglieder des WDR-Symphonieorchesters dazu bei, Cales Stimme (die eine natürliche Autorität ausstrahlt und doch das Bardenhafte mit feiner Eleganz meistert) durch surreale Räume zu navigieren. Lowell George, der Sessionmann von Little Feat, ist schon lange tot, sein Nachfolger offerierte manch altbackenes Gewimmer, auch Ewigkeitswerke brauchen ein paar hübsch veraltete Sounds. Nichts zu meckern. Später, nach der Pause spielte der Mann von Velvet Underground auch neuere Lieder, kehrte aber zum alsbald zum feierlichen Ohrwurm „Hedda Gabler“ zurück. Wir waren leicht entrückt. War die Farbe des Vorhangs lila? „She makes me so unsure of  myself. Standing there but  never talking sense. Just a  visitor you see. So much  wanting to be seen. She’d open up the  door and vaguely carry us away“ (Paris 1919)

 

2011 7 Okt.

This stuff undone

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„It’s the narrative that must go on
Until the end of time.“
(David Sylvian)

„Der Fehler fängt schon an, wenn einer sich anschickt,
Pinsel und Leinwand zu kaufen.“
(Joseph Beuys)

 

Wikipedia-Einträge oder Bücher über Kreatives Schreiben helfen wenig weiter, wenn der Kreativfluss ins Stocken gerät. Denn fürs Schreiben gilt das Gleiche wie für Schwimmen, Malen, Sex und Fahrradfahren: man muss es einfach nur tun. Don´t think twice, ma.

Erinnert sei an Stanley Kubrick´s Shining: um endlich ungestört seinen Roman zu beginnen, mietet ein Schriftsteller (Jack Nicholson) ausserhalb der Saison ein Ferienhotel, abgelegen in den Bergen, riesig groß – so groß wie der Horror, der dann daraus entsteht.

Schreibblockade und Prokrastination – hängt das irgendwie zusammen? Der Philosoph Jiddu Krishnamurti bemerkte, dass es zwei Arten von Zeit gibt: die physikalische und die psychologische Zeit. Erstere ist die natürlich ablaufende, Zweitere die Differenz zwischen Idee und Handlung. Sobald ich ein Vorhaben in die Zukunft projiziere (Projekt), entsteht Zeit – und somit quälender Aufschub.

Journalist Gerd Scobel, Schriftstellerin Siri Hustvedt und Neurowissenschaftler Antonio Damasio erörterten die hochinteressante Frage, wann und warum ein Autor (ein Künstler) mit seiner Arbeit zufrieden sei. Sie waren sich schnell einig: das Ich will Geschichten von sich erzählen. Träume spielen eine große Rolle. Emotionen, Intuition und das Unterbewußte müssen im Narrativ zufriedenstellend und aktuell repräsentiert sein, ansonsten wird das Resultat wieder verworfen.

Worauf der Künstler Joseph Beuys in obigem Zitat warnend hinwies: die ursprüngliche, konzeptionelle Idee dient nur als Untermalung, zur Vorbereitung. Sie ist der Köder, um den Zufall ins Spiel zu locken und den Flow. Dann fällt einem das Wesentliche zu: als Geschenk, als Gabe. Ist das Werk vollbracht oder ein zumindest vielversprechender Anfang gemacht, dann steht man wieder unter dem freiem Himmel der Gegenwart – the stuff is done.


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