Manafonistas

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Archives: Donnerstag, 9. Februar 2023

2023 9 Feb.

Post für Robert Wyatt (mana classics #25)

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2016. Natürlich bereite ich mich auf das Leben auf der Strasse vor, und muss dafür noch ein „survival camp“ abschliessen. Die Rede ist vom nächsten Road Movie durch die North Western Highlands, natürlich im vollklimatisierten Land Rover, aber schliesst das Abenteuer, Schrecken und wilde Romantik aus? Nein. Netterweise hat Brian Eno mich nach Notting Hill eingeladen, in der Zeit nach den Orkney-Inseln. „The Jana Winderen piece is interesting“, heisst es in der Mail weiter, und – man leite daraus besser nichts Konkretes ab – „Everyone is ‚going ambient‘ these days. You’re probably right – it’s time for my hair-metal album …“ Der Kreis schliesst sich sowieso erst (und hier kommt ein verkappter, poetisch verschlüsselter Kalenderspruch), wenn das ganze Territorium erkundet ist, und dazu zählen Abstürze, Wolkenritte und die Allgegenwart von Windmühlen. Windmühlen? Windmühlen! Die einen haben die Bibel zur Hand, in welcher, in langen Passagen, unfassbarer Unsinn enthalten ist, die andern Don Quixote. Situationskomik ist eine Stärke dieses in geglücktem Alleinsein geschaffenen Werkes (die vor Jahren erfolgte Neuübersetzung empfehle ich sehr!), und sicher auch ein Element der kleinen Paketlieferung, die vor ein paar Tagen Stirnrunzeln und Verwunderung auf die Gesichtszüge von Robert Wyatt gezaubert haben dürfte. Ich hatte ja schon vor  Monaten Aby Vulliamy gesagt, sie solle ihr allerfeinstes Album „Spin Cycle“ Robert Wyatt senden, und auch Bill Wells ermutigte sie dazu. Gesagt, getan, und aus der Antwort Robert Wyatts (ein Mann des zwanzigsten Jahrhunderts schickt noch Postkarten) ging klar hervor, wie sehr er dieses Album aus dem Hause Karaoke Kalk schätzt. Nun schickte ich, sagen wir, als Weihnachtsgeschenk, Robert Wyatt Julio Cortazars „Rayuela – Himmel und Hölle“ zu. Wollte ich schon lange. Robert wird nicht oft Post von Amazon bekommen, er hat da eine klare kritische Position. Aber was soll’s? Schliesslich  fält ihm ein gnadenlos fantasievolles, existenzielles, politisches, musikalisch berauschendes Erzählwerk in die Hände, unter andere, aus einem alten Paris, das er selbst dereinst besungen hat, und unter Einbeziehung all meiner verfügbaren Empathiewerte wird er das Buch wohl zu den unvergesslichen Leseerlebnissen seines Lebens zählen, wenn er die Musse und Ruhe dafür hat, und nicht andere Dinge des Lebens ihn in Beschlag nehmen. Ich sehe es geradezu vor mir (aller Ahnung ist eine Spur Halluzination beigemischt), wie er die erste Seite liest, dabei schon in einen sanften Sog gerät, und abends eine alte Blue Note-Platte von Sidney Bechet auflegt. (Alles weitere, und garantiert zeitlos, nebenan, in der allmonatlichen Kolumne „Erzählwerk“.)

2023 9 Feb.

Die Inszenierung eines Klassikers

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Es gab schon etliche Projekte, bei denen Künstler klassische Alben – von Sgt. Pepper bis Dark Side Of The Moon, von Kind Of Blue bis OK Computer – originalgetreu gecovert haben, wobei sie die vorhandenen Melodien und Akkorde respektvoll umsetzten. Bitches Brew, das bahnbrechende Doppelalbum von Miles Davis aus dem Jahr 1970, das regelmäßig in Umfragen zu den besten Alben aller Zeiten auftaucht, ist eine kanonische Veröffentlichung, die sich einer solchen Behandlung widersetzt. Bislang. Es ist keine Platte, die man transkribieren und auf Punkte auf einer Seite reduzieren kann. In der Tat wäre es schwierig, irgendetwas davon zu summen. Ihr Wesen liegt in der unorthodoxen Wahl der Klänge – effektbeladene Fender-Rhodes-Pianos, Bennie Maupins grollende Bassklarinette, das schockierende, nicht tonale Heulen von John McLaughlins dissonanter Gitarre. Bitches Brew ist auch das Ergebnis einer ganz besonderen Methodik: Musiker improvisieren frei über einem dichten, dissonanten „Gebräu“. Die Akkorde ändern sich kaum. Melodien oder Riffs werden selten wiederholt. London Brew ist eine „Neuinterpretation“ des Bitches Brew-Albums, die vom Produzenten Martin Terefe zusammengestellt wurde. Der alte Schwede versammelte mehrere britische Spitzenjazzer, um das 50-jährige Bestehen von Bitches Brew zu feiern. Diese Musiker sind zwar mit amerikanischem Jazz aufgewachsen, haben sich aber oft von diesem abgesetzt und Anleihen bei karibischer, westafrikanischer, südafrikanischer und indischer Musik sowie bei der britischen Clubkultur gemacht. Das ist der Grund, warum diese Version von Bitches Brew einen deutlichen Londoner Akzent hat. Interessanterweise fehlen einige der wichtigsten Stimmen des Originalalbums. Zum Beispiel gibt es keine Trompete (eine kluge Entscheidung, keine Frage!). Die Hauptinstrumente sind die beiden Tenorsaxophone von Nubya Garcia und Shabaka Hutchings, während die Tuba von Theon Cross Maupins Bassklarinette ersetzt. In der Rolle von McLaughlin spielt der Gitarrist Dave Okumu schwere, verzerrte Riffs, während wir anstelle von Joe Zawinul, Chick Corea und Larry Young Nick Ramm und Nikolaj Torp Larsen haben, die beide Rhodes und andere Keyboards spielen. So weit, so gut, die spannende Frage ist, wie aussergewöhnlich ist letztlich diese Inszenierung eines Klassikers? Werden neue Räume erschlossen, wird das ganze bloss virtuos und geschmackssicher auf die Bühne gebracht, will man das wieder und wieder hören, oder doch lieber baldmöglichst zum Original zurückkehren? VÖ: 31. März 

2023 9 Feb.

(Heart) Breaking News

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Wenn jemand mit 94 geht, kann das nicht mehr wirklich überraschen. Trotzdem …

Bye bye, Burt Bacharach.

 


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