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Archives: Sonntag, 5. Februar 2023

2023 5 Feb.

Das fängt ja gut an …

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Auch wenn es der dunkelste Januar seit mehr als 40 Jahren sein soll, die letzte Generation den grünen Kometen, als er der Erde zu nahe kam aus Protest mit Kartoffelbrei beworfen hat und die Chinesen ihre jahrtausendealte Tradition des Ballonsteigenlassens in der auslaufenden Hurrikansaison über Amerika fortgesetzt haben, gab es im vergangenen Monat doch erfrischend viele erhellende Klangmomente, allesamt inspirierende Hörempfehlungen in der Spanne zwischen ungewöhnlichen perkussiven und tiefgründigen Ambientalben:

 
 

    1. Ryuichi Sakamoto – 12
    2. Sebastian Rochford & Kit Downes – A Short Diary
    3. Kali Malone, Stephen O’Malley, Lucy Railton – Does Spring Hide Its Joy
    4. John Cale – Mercy
    5. Martina Bertoni – Hypnagogia
    6. Ekin Fil – Rosewood Untitled
    7. Ami Dang – The Living World’s Demands
    8. Le Millipede –  Legs and Birds
    9. Catherine Graindorge & Iggy Pop – Dictator
    10. Marius Gjersø – Yûgen
    11. Harmonious Thelonious – Cheapo Sounds
    12. Rian Treanor & Ocen James – Saccades
    13. Burnt Friedman – Hexenschuss (Extended Versions)
    14. Suss – Suss

 
 
 
   
 
 

 

Tout a commencé le troisième jour, tôt, la pluie, quelques chats errants, et le bruit des vagues. En parcourant les routes de l’arrière-pays, j’ai pensé à la chanson „Roads“ de Robert Forster, que je peux presque chanter avec lui. Quelle charge émotionnelle cette route tout sauf plate a pour les autochtones, leur bonheur, leur tristesse. Des choses se passent.  Enfin, arrivée au parking du Cap d’Erqui. Sur les panneaux, je lis et relis „Les plages sauvages“, comme si ce nom voulait évoquer avec force l’époque d’avant le tourisme omniprésent. Ou ces heures matinales où les chats et les chiens sont encore plus nombreux.  Les lacs sont d’anciennes carrières de grès rose. Vient ensuite une zone où la bruyère se mêle aux genêts et aux ajoncs – un paysage aux nuances de gris éclatantes. J’aperçois le port. Et puis j’entre dans les plages sauvages, „Lourtuais“ et „Portuais“. En été, l’eau doit être d’un bleu turquoise. Je suis dans le flow de la marche, et j’atterris au café Karma, sur le port, l’odeur des toilettes me vient de l’autre côté – le plus drôle dans cet endroit, c’est le nom du café. De retour dans la voiture, la musique de „Marquee Moon“. „I spoke to a man / Down at the tracks / And I ask him / How he don’t go mad / He said, „look here, junior, don’t you be so happy / And for heaven’s sake, don’t you be so sad“. Tout a commencé le troisième jour, tôt, la pluie, quelques chats errants, et le bruit des vagues.

 

2023 5 Feb.

A visceral search for identity

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Früher habe ich eine Zeitlang jeden Film des koreanischen Starregisseurs Park Chan-Wook (hier bei EPD Film aktuell ein Portrait seines Schaffens und Überblick über sein Œuvre) im Kino angesehen. Spätestens ab seinem Durchbruch Joint Security Area waren die alle sehenswert, trotz oder vielleicht auch gerade wegen ihrer gewissen sterilen Regiekunst, die eine gewisse philosophische Note nicht scheute. Irgendwann allerdings überwiegte dann die leere, artifizielle Seite (I’m a Cyborg, but that’s okay), die Langeweile zog ein, und mich zogen die Filme nicht mehr an. Irgendwann muss ich da wohl mal etwas nachholen.

Aktuell in deutschen Kinos gestartet: seine unverhohlene Film-Noir- / Neo-Noir-Hommage-Lovestory Die Frau im Nebel, und mir fällt auf, wie unglaublich viel Zeit vergangen ist, seit Park ein angesagter Regisseur unter Filmliebhaber(inn)en war. Da dieser neue Film als recht intelligente und schillernde Krimi-Unterhaltung vermarktet wird, begaben wir uns am Wochenende in Berlins schönstes und wohl größtes Kino, unweit unserer Wohnung gelegen, und schauten Die Frau im Nebel – seltenerweise in deutscher Synchronfassung; ein bisschen eigenartig finde ich es immer, wenn asiatischen Menschen in fernen Kleinstädten und Dörfern astreines Theaterhochdeutsch sprechen, und skurril auch, wenn immer wieder die Originalstimmen der Schauspieler/innen auftauchen, wenn die Figuren dann nicht mehr koreanisch, sondern chinesisch sprechen. Es ist wie gesagt eine halbe Ewigkeit her, seit ich einen Film von Park Chan-Wook gesehen habe; dieser war ein wenig anders als erwartet – doch nicht ganz so eingängiges Unterhaltungskino, auch wenn man in der ersten Viertelstunde noch meinen könnte, dass die Handlung, auch so ähnlich in einem „Tatort“ stattfinden könnte … aber dann erinnerte ich mich, dass die Filme von Park sich ja schon immer durch diese gewisse artifizielle Unnahbarkeit ausgezeichnet haben und konnte mich da gut mit anfreunden, und so störte auch das Theaterdeutsch kaum mehr.

Hat mir alles in allem sehr gut gefallen, ich muss aber auch zugeben, dass es wohl ein Film für intellektuelle Film-Nerds (bevorzugt Ü40, bevorzugt männlich) ist, was an der jüngeren Frau neben uns (ca. Mitte 20) deutlich zu merken war, die während des Film ständig durch lautes Aufstöhnen ihr Missfallen zum Ausdruck brachte. Inszenierung, Kamera, Schauspiel (soweit eingedeutscht beurteilbar) und Montage allesamt top. Zu empfehlen mit den den genannten Einschränkungen (not everyone’s cup of tea) – kein realistischer Krimi, sondern eher etwas überhöhtes Erzählen in Vertigo-Tradition. Man konnte unschwer den alten Hitchcock jeder zweiten Ecke dem Regisseur über die Schulter blicken sehen …

 

 

 

 

Dann, einen Tag später gleich noch einmal einen Kinobesuch in einem anderen in Korea spielenden Film, der ebenfalls 2022 im Programm in Cannes hochgelobt wurde: Return to Seoul – großartiger Film. Sehr berührend und keine Minute langatmig, immer wieder reizvolle, authentische Wendungen. Toll, wie der über zwei Stunden die Spannung hält, bei diesen Stimmungswechseln. Chapeau an Drehbuch und Regie. Und natürlich an die Hauptdarstellerin. Souverän, ohne die Warnung „Achtung Große Kunst“ wie bei Park Chan-Wook, und doch eigentlich viel kunstvoller, da nicht ausgestellt., sondern mit feiner (Regie-)Hand geführt. Ein Film, bei dem es vielleicht besonders schön ist, wenn man vorab so wenig wie möglich darüber weiß. Auch „Trailer“ finde ich oft problematisch, weil die so oft viele der schönen Wendungen oder gar Entwicklungen der Charaktere und der Handlungswege verraten.

Auf kluge Weise setzt der Film seine Irritationsmomente ein — visuell wie dramaturgisch. Ein Film auch, der, anders als Die Frau im Nebel seine gewisse Distanziertheit nicht zum Auf-Distanz-Halten des Publikums nutzt, sondern dies produktiv immer wieder auflöst, geschickt bricht und in Frage stellt. Überhaupt: Dass Retour à Seoul, eine koreanisch-französische Co-Produktion (und auch deutsches Geld war irgendwo dabei) Fragen aufwirft, diese aber nicht – oder sagen wir besser: nicht konventionell – auflöst, ist ein nicht unwichtiger Aspekt seiner faszinierenden Kunst. Ich war von Anfang bis Ende gefesselt und hätte auch noch eine Stunde weiter schauen können. Fast war ich traurig, dass wir diese Hauptfigur nach zwei Stunden und dieser schillernden Zeit im Saal verlassen mussten.

 

 

2023 5 Feb.

From my interview with Sebastian Rochford

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Das Piano ist ein ganz spezielles Instrument für mich. Es ist das erste Instrument, das ich lernte, und mein Vater und meine Mutter waren verliebt in den Klang. Die Lieblingsmusik meines Vaters waren Glenn Goulds Bach-Interpretationen, und für meine Mutter überwiegend Bill Evans, Keith Jarrett und Nina Simone. Ich wuchs auf mit dem Klang des Pianos, meine Eltern spielten darauf, und obwohl ich bislang nie Musik für ein Klavier geschrieben hatte, war mir dieser Sound des „Zuhause-Seins“ unheimlich vertraut.

Was das „Drumming betrifft, gab ich mir die Freiheit zu spielen oder nicht zu spielen, je nachdem was das jeweilige Stück verlangte. Im wesentlichen sollte es eine Art Solo-Piano-Album sein, mit unserem alten Hausklavier, und ein paar Spuren des Schlagwerks. Eines meiner Lieblingsalben – auch da spielt der Raum eine besondere Rolle – ist Thelonious Monks „Alone In San Francisco“. Mich störte die Idee nicht im geringsten, für diese Arbeit nur wenige eigene Klänge aktiv beizusteuern. Mit Kit Downes sprach ich lange über den Umgang mit den Pedalen, und dass die Musik nie über eine bestimmte Dynamik hinausgehen sollte, um idealerweise  in einer besonderen Schwingungszone zu verweilen. 

Das Stück „This Tune Your Ears Will Never Hear“ war das letzte Stück, das ich schrieb, aber es sollte den Anfang des Albums markieren. Ich sehe das Stück als eine Art Torweg, fast wie eine Begleitung meines Vaters auf seiner nächsten Etappe. Zugleich spielte diese andere Empfindung hinein: wenn du ein Elternteil verlierst, kann es sich anfühlen, als wäre man ein kleines Kind, das in den Abgrund ruft … so there are some lines in the tune that represent that to me.

Obwohl wir geplant hatten, das Album gemeinsam abzumischen, entwickelte es sich so, dass Manfred Eicher die Aufnahmen allein mischte, und im Grunde war es wohl genau das, was ich wollte. Ich war so nah dran an der Musik, und fühlte, dass er sich ihr auf eine Weise annehmen konnte, zu der ich nicht fähig war. Nicht nur technisch, auch aufgrund der fehlenden Aussenansicht. Als ich mir seine Abmischungen anhörte, war es fast so, als würde ich das Album zum ersten Mal hören. Als hätte ich bis dahin gar nicht realisiert, was ich wirklich gemacht hatte. Er brachte alles auf den Punkt und steigerte die Intensität vieler Details. Es erschien mir wie die stärkste Version der Musik.

Was die Raumcharakteristik des Klanges angeht, nun, wir hatten bei den Aufnahmen auch einige Raummikrofone benutzt. Zum Beispiel platzierten wir ein altes ACR-Mikrofon im Kamin, um etwas von der Resonanz des Steins hinter dem Feuerplatz einzufangen. Und das ist ein anderer Aspekt der nachträglichen Bearbeitung von Manfred, dass er dem Sound des Raumes treu blieb, ohne je darin gewesen zu sein

Und, ja, das Stück „Silver Light“ kam mir in den Sinn, als ich im Hausflur stand … ich erinnere mich daran, wie ich nach meinem Phone greife, und die Treppe hinauf gehe Richtung Schlafzimmer … ich singe in das Phone hinein, die ganze Zeit über, während ich die Treppe hinaufgehe, und die Melodie nimmt im Nu ihre fertige Gestalt an. Ich habe die Aufnahme gespeichert, und wenn ich sie mir anhöre, klingt sie genauso wie auf dem Album. „Silver Light“ repräsentiert für mich den Moment, in dem ich mit meinem Vater zusammen war, als er starb.


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