Manafonistas

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Archives: Montag, 14. Juni 2021

 

Viele von euch haben Platten oder CDs von Jan Garbarek. Lieblingsalben. Interessant ist, sich mal allein die Arbeiten in Erinnerung zu rufen, bei denen Gitarristen an seiner Seite waren. Anfangs Terje Rypdal, später Bill Connors, David Torn und Bill Frisell. Ich bin nun beim Vorbereiten meiner Radionacht über It‘s OK to listen to the gray voice (1985) gestolpert, die ich so lange nicht gehört hatte. Eine echte Wiederentdeckung, Klasseplatte! Places mit Bill Connors zählt sowieso zu meinen Lieblingswerken des Norwegers. Wayfarer fand ich damals etwas enttäuschend, trotz des tollen Covers. Sart mit Terje Rypdal wurde ein  lifer, in frühen Jahren, eine meiner ersten ECM-Platten überhaupt. Aber wie steht es um Paths, Prints (1982)? Hat das Album bei jemandem, der diese Zeilen liest, Spuren hinterlassen? Wird es eine so interessante Neubegegnung wie bei It‘s OK to listen to the gray voice, die mir auf ähnliche Weise entfallen war? Dann wäre es ein weiterer „slow grower“. Jedenfalls habe ich mir das Album gerade bestellt, und warte darauf voller Neugier, obwohl ich alle Beteiligten gut kenne und auch die Schallplatte einmal besass.*

 

* the old album arrived in the morning. I let Paths, Prints stream between trees. Actually i fixed it between branches of a cherry tree.  I knew the album once, I nearly forgot it’s stuff dreams are made of. The heat will increase, thus early hours are great for letting sounds wash over you, outdoors. Thank you for sending thoughts about it. The two albums of this double take will frame those imaginary coastal jukebox songs from Coral‘s fantastic new album – set in another era (before the morning comes on June 19). A propos another time and place: anyone knowing where that road is, the road on the cover? I know such roads from Lanzarote, this is probably somewhere else.

2021 14 Juni

Tradiertes aus dem unbestimmten Leben

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Sie liegen hoch über dem Atlantik und trotzen mit Musik gegen das harte Leben. Diese Dörfer sind geprägt durch ihre einsame Randlage, durch die „Last Exit“ Position zum Leuchtturm, von wo aus die Emigrantenboote ins Meer stachen und durch die schlichte Bauweise ihrer Häuser im Ort. Von den jeweils knapp über 200 Bewohnern sieht man wenig an normalen Tagen. Folgt man am Abend, nach Sonnenuntergang, dem unbekannten Rattenfängerklang gelangt man in die Häuser mit den größten Räumen. Dort spielt die Musik. Die Alten sitzen an ihren Fiddels, an ihren Flautas, Pitos und Tramboren. Sie singen hier zu Ehren der Jungfrau religiöse Lieder, oder, wie in Donegal, zu ihrem Heiligen Columban. Wir sind in Glencolumbkille / Irland. Dieser Ort ähnelt dem hiesigen Musikdorf Sabinosa in vieler Hinsicht. In Glenkolumbkille bedurfte es drei Generationen, um aus der Arbeitslosigkeit herauszukommen und die abgewanderten Emigranten zu ersetzen. Erst spät in den 60er Jahren aktivierte ein musikalisch orientiertes Gemeindeprojekt die Dorfbewohner zu singen. Heute befindet sich in jedem Haus eine Fiddel. Die Alten erzählen singend ihre Geschichten in Gaelic.

 

Hier, auf El Hierro, liegt Sabinosa buchstäblich am Ende der Welt. In dem stillen Dorf hängen stolz die Namen ihrer Musiker an den Hauswänden: Don Benigno, Don José, Don Juan, Doña Eulalia, Doña Mercedes … Sie alle lebten hier konzentriert im 19./20.Jhdt. Bis heute feiern sie ihre folkloristischen Traditionen entweder in dem größten Raum Vorort oder auf den beiden ebenerdigen Plätzen in dem steilen Dorf. Es waren die Frauen, die mit ihren geschlossenen Fäusten die Trommeln schlugen und es waren die Hirten, die sie mit ihren Flöten begleiteten. Zu diesen Melodien tanzen die Bewohner bis heute den „ Baile del Tango“.

 

Ich habe auf Reisen immer meine irische Flöte dabei. Zu meiner Freude kann ich darauf die hiesigen Melodien spielen.

 
 

 

2021 14 Juni

Nachrichten von Joan

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Ihr Label A&M war damals nicht so glücklich darüber, dass ihre Songs weder gängigen Trends folgten, und viel zu selten „consumer friendly“ herüberkamen – es waren Lieder, die eher den doppelten Boden eines Verses mit rhythmischer Vetracktheit ausspielten, statt ihm  schlicht und einladend seine Schärfe zu nehmen. Ein Star wurde sie trotzdem. Sie hat so viele gute Alben gemacht (all die, die sie nach To The Limit machte, kenne ich nicht), und zu den herausragenden zählte sicher „Joan Armatrading“, das mit „Love and Affection“ sogar einen Hit hatte. Und vor Jahren als Vinyledition ein fantastisches „Remastering“ erhielt: aus einem ohnehin toll klingenden Album ein wurde ein audiophiles Juwel. Unvergessen die geniale Eröffnung: „I am not in love, but I‘m open to persuasion“. Sie konnte Emotionen ausleuchten, ohne sie ins Tageslicht zu zerren, mit raumgreifender Akustikgitarre, einer Phrasierung des Gesangs, der sich keinen Moment lang hinter Joni Mitchell verstecken musste – und stets handverlesenen Studiomusikern. 1976 kürte das britische Magazin „Sounds“ das Werk gar zum Album des Jahres, noch vor Bob Dylans „Desire“ und Joni Mitchells „Hejira“ – und genau in diese  einsame Klasse gehört es noch heute. Jetzt erscheint am Freitag ein neues Album von ihr, das überraschend in meiner Post lag. Aus der Karibik stammt sie, in England fand sie ihre zweite Heimat. Früh lernte sie Lektionen bei Otis Redding. beim jungen Van Morrison – und das erste Hören dieser Lieder unter Bäumen in tropischer Hitze ist einfach nur eine Freude: still alive and kicking, and brimming with life. Das ist in diesen Zeiten immer eine gute Nachricht. Übrigens wieder eine astreine Studioproduktion, und was zeichnet eine astreine Studioproduktion aus. A) klinische Perfektion? B) natürliches Klangbild? C) fetter Sound? D) Dezente Kompression? Sie überlegen kurz. Sie brauchen keinen Joker? Gut. Es gibt „Consequences“ natürlich auch auf Vinyl. Und, nebenbei noch dies: auf ihren grossen Alben drehte sich vieles um Liebe, Begehren, Verlust, Trauer, Freude. Sie ist stets eine Meisterin der Zwischentöne. Und auch wenn die lyrics auf diesem neuen Album nichts Wagemutiges haben, und beharrlich um die alten Themen kreisen, nehme ich ihr jedes Wort ab, und es ist ihr Vortrag (und wie sie das alles auch “instrumentaltechnisch“ abliefert), was  dieses Spätwerk so überzeugend macht.


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