Manafonistas

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Archives: Montag, 7. November 2016

2016 7 Nov.

Why I Am Not A Painter

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I am not a painter, I am a poet.
Why? I think I would rather be
a painter, but I am not. Well,

for instance, Mike Goldberg
is starting a painting. I drop in.
„Sit down and have a drink“ he
says. I drink; we drink. I look
up. „You have SARDINES in it.“
„Yes, it needed something there.“
„Oh.“ I go and the days go by
and I drop in again. The painting
is going on, and I go, and the days
go by. I drop in. The painting is
finished. „Where’s SARDINES?“
All that’s left is just
letters, „It was too much,“ Mike says.

But me? One day I am thinking of
a color: orange. I write a line
about orange. Pretty soon it is a
whole page of words, not lines.
Then another page. There should be
so much more, not of orange, of
words, of how terrible orange is
and life. Days go by. It is even in
prose, I am a real poet. My poem
is finished and I haven’t mentioned
orange yet. It’s twelve poems, I call
it ORANGES. And one day in a gallery
I see Mike’s painting, called SARDINES.

 

(written by Frank O’Hara)

2016 7 Nov.

Am Hafen

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Ich kannte das Restaurant aus der Erinnerung. St. Pauli, Hafengegend. Will man die „Segelspitzen“ sehen, muss man den Hals wie in der ersten Reihe des Kinos weit nach oben recken. Jeder Bug ragte mächtig aus dem Wasser – die nautische Sprache war mir stets fremd, auch in „Moby Dick“. Ich sagte Brian, hier gebe es keinerlei Hintergrundbeschallung, „only people’s noises“. Es war sehr laut („a wall of sound!“), der Fisch einfach, aber frisch gefangen. Wir gingen später an den grossen Schiffen entlang. Wir kennen uns nun ein gutes Vierteljahrhundert, das Gespräch war persönlich wie selten. Die Begegnungen waren stets von beidseitiger Sympathie getragen, aber hier war der Ton privat, unerzählbar. Diskret. Und manchmal  weiss man, „after a last hug“: ein schönes Kapitel ist vor bester Kulisse zuende gegangen.

 

„Dieser Film ist international in Musikerkreisen heftig angegriffen worden. Ich kenne keine einzige Stimme aus diesem Bereich, die den Film verteidigt oder gar gelobt hätte.“

(Henning Bolte, März 2015)

 

1

 

Andrew is an ambitious young jazz drummer, single-minded in his pursuit to rise to the top of his elite east coast music conservatory. A nightmare starts. When the jazz police had seen the movie, the right-wing academics of all colors saw their hour coming with furious responses that revealed a quite low degree of emotional intelligence. Lobbyists are lobbyists and thus a bit limited in their perception. The film was just telling a story, and a really good and complex one. And it would equally have succeeded in every other scenery, in an opera house, a sports agency, in a barber shop or a psychiatric clinic. Now comes the good news. Not all jazz guys felt insulted. Exclusive to the Blu-ray is a 42-minute documentary featuring famous drummers who share stories and discuss their passion for the craft including Chad Smith and Peter Erskine.

 

2

 

Völlig ungeachtet, was hier kulturell korrekt ist oder nicht: ein ganz fesselnder faszinierender Streifen, ohne ein Gramm Fett. „The most immersive film experience since Gravity“, bemerkte die schlaue Filmkritikerin Catherine Shroud im Guardian. WHIPLASH verwandelte Zeit in einen Flug, und die Kritik, die es hier und da hagelte, war klein und kariert. Sehr klein, sehr kariert. Lobbyisten und die Jazzpolizei. „Wütende Debatte“: da nehmen sich ein paar Geschulte wichtig. Zornig durfte man werden, als Ken Burns mit Wynton Marsalis in ihrer perfekt inszenierten Dokumentation nur elaborierten Triefsinn von sich gaben, was Free Jazz, Sun Ra und den elektrischen Miles betraf. So holte man den Jazz ins rechte Lager. Gegenüber diesen Geschichtsfälschungen ist WHIPLASH Fiktion, Film pur, grosses Spannungskino, perfekt performt. Great drumming, by the way!

Die Frauen meines Lebens habe ich nicht allzu selten in Fahrstühlen entdeckt. Eine wurde meine Verlobte (sowas gab es in der alten BRD), eine sah aus wie 5000 DM pro Nacht, und kostete ungefähr auch so viel. Ich bekam die Nacht geschenkt, weil ich sie in Erziehungsfragen beriet. Man spricht Frauen besser nicht in vollbesetzten Fahrstühlen an, sondern, kurz nachdem sie den geschlossenen Raum verlassen haben, und die Frage nach einer Tasse Kaffee nicht als Bedrängnis wahrgenommen werden kann. Sex in Fahrstühlen hatte ich nur zweimal, aber auch in Wolkenkratzern ist ein Quickie in normaler Rauschefahrt kaum machbar, es sei denn, man liebt des Thrill des Entdecktwerdens. Andrea und ich hatten uns darauf geeinigt, in einem Kölner Hotel leicht gehobener Klasse, um Mitternacht, nach einem Laurie Anderson-Konzert, den Fahrstuhl zwischen dem vierten und fünften Stock anzuhalten, und es voll durchzuziehen. Ich finde das Vögeln im Stehen an sich nicht besonders prickelnd (trotz einschlägiger Filmszenen, in denen besonders gerne Küchenmobiliar ins Blickfeld rückt), aber Andrea war leicht erregbar und kam schnell, ich musste dennoch das Kopfkino einschalten (dieses Surren der Elektrik, der blinkende Notknopf!), und so schlief ich virtuell mit zwei Frauen. Aber ich wollte etwas anderes erzählen. Meine liebste Fahrstuhlerinnerung (unter den apollonischen) hat überhaupt nichts mit Sex zu tun, sondern mit Lyrik. Eines Tages stand der ehemalige Chef der Hörspielabteilung des Senders mit mir im Fahrstuhl, nur er, und ich, sein treuer Leser. Es war Jürgen Becker, und in der Zeit, als ich noch mehr Gedichte las, und weniger Thriller, kaufte ich mir jeden seiner schmalen Gedichtbände. Jürgen Becker war ein Chronist der alten Bundesrepublik, seine im Grunde stocknüchterne Sprache hatte, verkappt, verborgen, jenen leisen Swing, der aus einer kahlen Baumgruppe etwas anderes machte als eine kahle Baumgruppe (aber eben nichts Symbolisches). Es war ein Sinne schärfender Hyperrealismus, bei dem pro Gedicht eine Zeile ins Irreale verrutschte, aber nahezu unmerklich, nicht als Pointe. Seine Gedichte waren pointenfrei. Jetzt macht dieser Text langsam doch Sinn, handelt er doch vom Schärfen der Sinne.


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