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Archives: Sonntag, 6. November 2016

1 Donald Ray Pollock: The Heavenly Table

(in deutscher Übersetzung jüngst erschienen bei Liebeskind)

 

Yes, The Heavenly Table is an old-fashioned yarn with a pretty predictable plot – but that’s the point, and as with The Adventures of Huckleberry Finn (an obvious influence), it is also a riotous satire that takes on our hopeless faith in modernity, along with our endless capacity for cruelty and absurd pretension … As much as we’d like to take comfort in the thought that all of this happened far away and a century ago, the fact is that Pollock’s funny, damning novel belongs, more than ever, to the country we live in now.

 

2 Duane Swierczynski: Revolver

 

Impressive, intricately constructed … Well sequenced to maximize suspense … A twist-filled saga of family loyalties and civic corruption … Mr. Swierczynski’s innovative, life-affirming novel also affords the traditional pleasures of a police procedural, including humor.

 

3 Bill Beverly: Dodgers

 

I try not to read thrillers because they tend to keep me up to all hours of the night, and I don’t have the time. Bill Beverly’s Dodgers broke through my wall of self-denial and, yes, I did stay up late for two nights to finish it. Four black boys in a gang from Los Angeles are given a job: drive across the country to carry out a hit on a black judge. What can go wrong? Everything, of course. The prose is tight, the dialogue rhythmic, the pacing fast, the violence measured, and the ending unexpected. So what if I lost some sleep?

 

4 Stephen Dobyns: Is Fat Bob Dead Yet?

 

A thriller that evokes Elmore Leonard and Donald E. Westlake but adds several layers of absurdity and a narrative voice that suggests metafiction meets a Greek chorus meets Jane Austen … Yes, it’s absurd; yes, it’soutrageous; but here’s the thing: somehow, amid all the craziness, there’s a beating heart, too.”

 

5 Edward A. Dreyfus: The Midnight Shrink

 

The Midnight Shrink by Edward Dreyfus is a compelling, engaging novel. The storyline focuses on a psychologist who has decided that he can best serve the people who need the most help by meeting them on their territory, the streets of Los Angeles. He makes himself available during the dark hours of the night out of his van. Growing up on the streets of New York himself, he has a soft spot for these often overlooked people of the night.

 

6 Barry Eisler: Livia Lone

 

Readers may be reminded of Stieg Larsson’s beloved Lisbeth Salander when they meet Livia Lone, and will be totally riveted by the story of this woman on a mission to right the wrongs in her past.”

 

7 Lisa Lutz: The Passenger

 

In a stunning departure from her comic Spellman Files series, Lutz offers a dark psychological thriller. Tanya Dubois finds her husband dead and knows she can’t afford the police scrutiny that is soon to follow. So she hits the road—and not for the first time. Lutz develops riveting suspense by slowly revealing Tanya’s past while white-knuckling the reader with her gritty heroine’s increasingly tenuous bids at survival.

 

8 Lisa Sandlin: The Do-Right

 

Ex-con Delpha Wade takes a secretarial job with PI Tom Phelan, but quickly the two are working side by side. Sandlin vividly evokes the bayou country of 1973 Beaumont, Texas, while introducing a terrific character in Delpha, who is soaking up her freedom as she gets used to “wearing sky over her head.”

Als ich mir nun meine Jahresliste der aufregendsten Musikproduktionen 2016 vornahm (und sie in strenge Reihenfolge brachte – ist es nicht seltsam, dass man bei soviel grossartiger Musik immer noch differenzieren kann, wieso X auf Platz 7 und Y auf Platz 8 landet?), fiel mir auf, wie wenig Electronica da vertreten sind, also Platten, deren Klänge überwiegend elektronisch erzeugt werden. Was kamen da für Werke in die Post: dark ambient, black ambient, doom ambient, ultra modern dancefloor vibes: was beschworen Rezensenten da alles für ferne Welten, „cathedrals from outer space“ – nur, die Musik zündete nicht, blieb altertümlich avantgardistisch, special effects-lastig. Dagegen begeisterten mich nur zwei Platten aus diesem weiten Feld: eine heisst CHEETAH von Aphex Twin (von dem ich überhaupt nur drei Platten mag, seinen Klassiker „Selected Ambient Works 2“ finde ich schlecht geklaut und langweilig). Leider eine E.P., also nichts für eine Liste der Alben. Aber was für springlebendige, zauberhaft wirbelnde elektronische Musik! Und die andere sprang auf Platz 3 meiner Jahresliste, 20 satte Punkte. Auch wenn ich damit wohl allein auf weiter Flur stehe. Nur wenige kennen das Teil. Dieses Album zu hören, hatte auf mich die gleiche rauschhafte Wirkung, wie einst in Teenagerjahren, als neben dem Tannebaum eines Freundes, der Plattenspieler „Halleluwah“ von Can spielte, aus der damals brandneuen Platte TAGO MAGO. Ich war ganz aus dem Häuschen. Völlig anderes Feld, und wenig elektronisch, aber was diese beiden Platten verbindet, über Jahrzehnte hinweg, ist der euphorisierende Drehschwindel, tiefe Trance, zugleich hellwache Gebanntheit für jede Vibration, jeden Basis- und Randgroove. Und wie die Musik auch bereit war, jene Zonen anzusteuern, in der sie vor dem reinen Nichts stand, um dann wieder, mit einem TING, und noch einem TING, in die Welt zurückzukehren, full volume. Damals wackelte der Weihnachtsbaum. Jetzt heisst es nur „Warten bis Nikolaus“, um meine unglaubliche „Numero 3“ zu registrieren. Wer es aber gar nicht aushält, dem empfehle ich, aus seinem Leben ein Gesamtkunstwerk zu machen, in dem Alltag und Magie eins werden. Besorgen Sie sich, am besten noch heute, es gibt immer einen Weg, eine neue alte Waschmaschine, die „Ultimate Care II“ heisst – vielleicht müssen Sie dafür in ein Museum einbrechen, oder schlicht den Markt sondieren!

2016 6 Nov.

Geschichte gesucht …

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Das Märchen von Dornröschen kennt ein jeder. Man stelle sich vor, das Märchen würde genau zu dem Zeitpunkt sein Ende finden, an dem die Königstochter, nachdem sie sich an der Spindel gestochen hatte, auf das Bett des alten Mütterchens gefallen und sofort in einen tiefen Schlaf versunken war, wie auch der König, die Königin und der ganze Hofstaat; zu dem Zeitpunkt, an dem die Pferde im Stall, die Hunde im Hof, die Tauben auf dem Dach, die Fliegen an der Wand, ja, das Feuer auf dem Herd fest eingeschlafen war und der Braten aufgehört hatte zu brutzeln und der Koch, der dem Küchenjungen, weil er etwas versehen hatte, gerade an den Haaren ziehen wollte, eingeschlafen war …. dann HALT, STOPP, nichts mehr. Die Zeit wäre für das Schloss für immer angehalten worden. Ein solches Haus, dem genau das widerfahren ist, kenne ich seit weit über zehn Jahren, also echt jetzt, kein Scherz, keine Fiktion. Die Fakten: Als ich das Haus das erste Mal am Rand eines winzigen Dorfes irgendwo in Deutschland wahrgenommen hatte, sah ich zunächst einen fachmännisch richtig gut instandgesetzten Altbau, neue Fenster und Türen einschließlich neuer Dachgauben, ein vollkommen erneuertes Dach, auch Dachrinnen montiert, allein, es fehlten die jeweiligen Abgänge der Dachrinnen. Daneben entstand ein Anbau, ein Neubau, an dem alles fertig gebaut war, bis fast hinauf zur Dachschräge, das Ganze zudem komplett eingerüstet. Auf dem Boden des Obergeschosses dieses Anbaus sah man einen Betonmischer, Stapel mit Zementsäcken, Türme von Backsteinen, die darauf warteten verbaut zu werden, Leitern, Wasserwannen und diverse Werkzeuge. In einem halben Jahr, so dachte ich, könnte dieses schmucke Haus samt Anbau bezugsfertig sein. Der Altbau wäre, so nahm ich an, wenn die Fußböden verlegt, die sanitären Anlagen eingebaut, die Badezimmer gefliest, die Malerarbeiten abgeschlossen sein würden, vielleicht schon eher bewohnbar. Das ganze Ensemble sah aus, als hätten die Bauarbeiter gerade eine Arbeitspause, eine Brotzeit eingelegt und würden umgehend ihre Arbeit fortsetzen.

 
 
 

 
 
 

Und nun das Erstaunliche: ein Jahr später führte mich mein Weg wieder an diesem Gebäude vorbei: das gleiche Bild, zwei, drei, vier, zehn, ja, zwölf Jahre später immer noch das unveränderte Bild. Nichts, aber auch gar nichts hatte sich verändert, kein Zementsack war weggetragen worden, keine Leiter entfernt, die Wasserwannen standen immer noch an ihrem Platz, das Gerüst unberührt, die Backsteinvorräte unangetastet. Die einzige Veränderung im Laufe der Jahre: an allen Gegenständen hatte sich Moos angesetzt, außerdem hatte der eine oder andere Baumsamen irgendwelche Erdreste zu nutzen gewusst und war nun zu zarten Bäumchen herangewachsen …

Seit Jahren versuche ich herauszubekommen, was hier passiert war, ich habe Menschen aus der Gegend befragt, mich in Kneipen umgehört, niemand scheint etwas zu wissen. Welche Katastrophe hatte die Hausbesitzer heimgesucht: Krankheit, Arbeitslosigkeit, Scheidung, ein Verbrechen (???), Tod? Niemand konnte mir die Geschichte erzählen.

Kennen Sie sie?

 

Wer die Geschichte erzählen kann, möge dies unter „Kommentare“ tun. Unter allen Einsendern (Einsendeschluss ist der 05.12.2016) wird zur Belohnung am 06.12.2016 eine CD verlost: Johann Ludwig Trepulka / Nobert von Hannenheim: Klavierstücke und Sonaten, eingespielt von Herbert Henck (ECM New Series).


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