Sidsel Endresen & Stian Westerhus
Sidsel Endresen, Gesang
Stian Westerhus, Gitarre, Elektronik
Aufnahme vom 12.12.14 aus dem Kulturhuset in Stockholm
Am Mikrofon: Michael Engelbrecht
on life, music etc beyond mainstream
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2015 23 Mai
Manafonistas | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 1 Comment
Sidsel Endresen & Stian Westerhus
Sidsel Endresen, Gesang
Stian Westerhus, Gitarre, Elektronik
Aufnahme vom 12.12.14 aus dem Kulturhuset in Stockholm
Am Mikrofon: Michael Engelbrecht
2015 23 Mai
Michael Engelbrecht | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags: Book Of Ways, Diva, Erdbeeren, film noir, Keith Jarrett, Neil Gaiman, Samsara, Sanddorn, Schaumbad, Wolfgang Sandner, Zen | Comments off
Ich lag in der Badewanne und begann mit der Lektüre von Wolfgang Sandners Keith Jarrett-Biographie. Schon auf der ersten Seite merkte ich, dass das Wasser etwas zu kühl war, und ich liess Heisses nachlaufen. Dabei vergass ich, dass die Regulierung des Wasserstrahls defekt war, ein heisser Strahl schoss auf die Kniescheiben, die aus dem Schaumbad herausragten. ein kurzer Schrei, das Buch flog durch die Luft, platschte ins Wasser, ich drehte den Hahn ab, fischte das Buch aus dem Wasser, und erholte mich von dem Schreck. Später liess ich das Buch in der Abendsonne trocknen, und bald klebten die ersten sechzig Seiten nicht mehr aneinander. Ich fliege durch das Buch, das einem falschen akademischen Ton widersteht, und doch sehr sachkundig ist. Anders als der Titel dieses kleinen Eintrags vermuten lässt, zähle ich den Pianisten nicht zu den „Amerikanischen Göttern“, weil mir die Verklärung des Genius von Artisten, auch solchen auf dem Hochseil, völlig fremd ist. Nach Heinrich Steinfests Das grüne Rollo lese ich schon wieder – parallel zu Sandner, der manchmal schon zu barocker Bilderflut neigt – ein Mystery-Buch, allerdings eins mit Thrillerelementen, Neil Gaimans vielgerühmten 600-Seiten-Schmöker American Gods. Und die ersten 65 Seiten haben mich regelrecht gefesselt. Vorhin aber, in der plötzlich hereinbrechenden Mittagssonne – ich liege im Garten auf der Wiese, links Gaiman, rechts Sandner – da meldet sich der kleine Hunger. Es ist Erdbeerzeit – Gregs, Jochen und Wolfram stecken heute im finalen Abstiegskampf – und ich bin ganz allein zuhaus. Von Büchern allein kann sich der Mensch nicht ernähren, der Sylter Rooibusch No. 23 (Sanddorn/Orange) scheint ein unerwartetes High im Hirn zu produzieren, ich schwitze, dusche kalt, und hole aus dem Keller einen Biskuitboden. Ich habe noch genügend frische Erdbeeren für mein sehr einfaches Tortenrezept. Ich schneide die Erdbeeren so, dass sie auf dem Tortenboden leicht aufliegen können. Ich mag überhaupt nicht dieses Gelierzeug, mit denen man die frische Fruchtmasse bindet. Deshalb verteile ich die Erdbeeren, konzentriert, doch mit entspannter Hand, etwa so, wie Zen-Inspirierte Brot schneiden (siehe dazu den Film DIVA von Jean Jacques B.), über den Biskuitboden, nachdem ich sie mit Rohrzucker gesüsst habe. So kommt diese Exzellenz-Torte dann auf den Tisch. Beim Schneiden in Portionen fallen dann etliche Erdbeeren über den Rand, ein munteres Gepurzel, und auch beim Essen bleiben die Beeren störrische Widersacher, aber das ist der Preis, den ich gerne zahle. Dazu dann nach Belieben frische Sahne. Ein Hochgenuss. Am Abend dann höre ich BOOK OF WAYS, Keith Jarrett solo auf einem Clavichord, anno 1987. Tolles Doppelalbum, viel besser als diese Orgeleien aus Ottobeuren auf HYMNS & SPHERES. Bin gespannt, was Herr Sandner zu diesen Platten schreiben wird. Der Roman AMERICAN GODS ist gerade bei Eichborn als Director’s Cut erschienen.
Es ist wie ein Märchen, aber Märchen, die aus Detroit kommen, sind selten lustig. Auch Helden leben dort als Geister. Der wunderbare Dokumentarfilm über Rodriguez erzählt die Geschichte eines Spät-Entdeckten. Und die Geschichte mit ihren nach Südafrika führenden Spuren wirkte so unglaublich, dass sie einen Preis für das schönste Rock’n’Roll-Märchen aller Zeiten verdient gehabt hätte. Wäre sie nicht so wahr gewesen! Cold Fact. In einem Interview wurde Rodriguez, Jahre nach seinem Gänsehautcomeback (viele wussten gar nicht, dass es ihn je gab, andere dachten, er habe sich auf der Bühne verbrannt) folgende Frage gestellt: And what has been your greatest extravagance? „I enjoy room service“, he said after a pause. „Two o’clock in the morning. You know. It´s just the very nice little things.“
Als Leningradcowgirl aus dem Bahnhof in Westerland trat, spuerte es, dass etwas nicht mit dem Wind stimmte. Es drehte sich um und lief rueckwaerts zum ZOB. Lustig summte es : „We’re hoping we know what we do“ und nahm den Bus nach Keitum. Unterwegs sah es aus dem Fenster auf gelbe Blumen. Aha, alles klar: „Hundeblumen beissen nicht“ – diesen Tueroeffner durfte es nicht vergessen, sonst wuerde es niemals die Vier anderen treffen.
In Keitum stieg es aus und wunderte sich ueber den kleinen Grabstein. Da stand: „Verstoerende -letzte Tage- hier: Maerchenwetter, wie ich mir’s schoener und fuer mich idealer nicht ausdenken koennte – strahlende hohe Maisonne, kuehler Wind..“ Da war es wieder , das second nature Gefuehl, der Wind war kuehl, aber die Maisonne, wo war sie? Wo waren die anderen?
Es hoerte, wie hinter ihm jemand sagte: „Guck mal der Apfelbaum, der steht ja verkehrt rum.“ Leningradcowgirl drehte sich langsam um. Das koennten zwei aus meiner Gruppe sein. Es folgte den Beiden unauffaellig, um zu sehen, wohin sie gehen wuerden. Verabredet war man ja am Seepferdchen. Die Gestalten gingen tatsaechlich in Richtung Strand. Wieso war der Sand an einer Stelle so rot? Was war da passiert?
Leider schwiegen die Verdaechtigen und setzten ihren Weg fort. Einer sagte ploetzlich: „We create, but lose control.“ Sie setzten sich zu einer Torte, nein zwei, nein halt: da stimmte schon wieder etwas nicht.
„Hundeblumen beissen nicht“, sagte das Leningradcowgirl laut. Wie von einer Tarantel gestochen sprang der eine der Beiden auf und fort. Seltsam – „Life began a Mystery“ hiess es in einem seiner Songs. Es setzte sich zu dem Verbliebenen und fragte freundlich: „Haben Sie heute schon das Extrablatt gelesen? Da steht, dass eine Jukebox im Hoernumer Hafen aufgestellt wuerde.“ “ Ach ja? Da gehe ich bestimmt hin.“ Um 5 o’clock Friesentee sah man dann die Fuenf in Hoernum zusammenstehen. Welche Musik sie hoerten, weiss nur allein der Wind.