Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

You are currently browsing the blog archives for the day Sonntag, 3. August 2014.

Archives: Sonntag, 3. August 2014

2014 3 Aug.

Slow down feeding

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags:  | 2 Comments

Eins der frühen erstaunlichen Albums von Rune Grammofon mit zersaustem Country u.ä. war COMMUTER ANTHEM von OPSVIK&JENNINGS, damals ein Ohröffner.
 
 
 

 
 
 
OPSVIK&JENNINGS gibt’s noch. Sie bringen ihr neues Album häppchenweise raus. Der Hörer kann mitwachsen. De Pause zwischen den Tracks ist nicht 4 Sekunden, nicht 4 Minuten, sondern 4 Wochen. Auf Vinyl ginge das nicht, aber digital lässt sich das machen.
 
 
 

 

Es war einmal, in den Siebzigern, da trat die Band von Gary Burton im Sauerland auf, in der Balver Höhle, im Rahmen des dortigen Jazzfestivals. Für ihn muss es ein sehr ungewöhnliches Erlebnis gewesen sein, denn er wusste erstmal nicht, dass dieses Event in einer Höhle stattfand. Das ist ja irgendwie etwas Anderes, Seltsames, Archaisches. Man denkt an Höhlenmalerei, an Steinzeitmenschen und Affen (versäumen Sie nicht, jetzt auch in hiesigen Kinos, den neuen Affenfilm „Dawn of the Planet of the Apes“, der das Prädikat „hintersinnig“ verdient, wertvoll ist er sowieso, aber ich schweife ab.) Da landete also der filigrane Vibraphonist (der meiner Meinung nach einige der besten Alben seiner Karriere bei ECM veröffentlichte, die meisten in den frühen Jahren, und das ist auch eine Story, die in jenem alten Jahrzehnt begann) an einem solchen Kristallisationspunkt der Menschheitsgeschichte. Gary Burton spielte am Ende des Tages, das Publikum war enthusiastisch, teilweise betrunken, teilweise bekifft, und teilweise bei klarem Verstand. Die Band gab mehrere Zugaben. Nach der ungefähr fünften Zugabe war man der Meinung, das sei nun genug und zog sich zurück, obwohl das Publikum mittlerweile in ein rhythmisches Klatschen verfallen war. Man ging auf die Bühne, packte die Instrumente zusammen, doch das Publikum hörte nicht mehr auf mit dem Klatschen, schien sich selbst in eine Klatschtrance versetzt zu haben – das Echo des Klatschens wurde durch die Höhle getragen, sprang von den Wänden zurück. Der Höhlenraum war sehr eng, und so musste die Band etliche Male von der Bühne, an den Klatschenden vorbei, zum Bühneneingang, zum Tourwagen, und zurück. Nachdem alles verstaut war, setzte sich Gary Burton noch mit dem Veranstalter zusammen, regelte den Papierverkehr und nahm das Honorar entegegen. Und selbst dann noch, als man sich anschickte loszufahren, war das kollektive Klatschen aus der Höhle zu vernehmen.

Der schwedische Saxophonist Mats Gustafsson und der amerikanische Zeichner und (ab und zu) Musiker Robert Crumb sind beide leidenschaftliche Vinylos mit einer eindrucksvollen Sammlung. Gustafsson schickte Crumb Musik zu. Darunter auch die Musik seines neuesten Album, das kurz vor der Fertigstellung für den Vertrieb stand. Gustafsson erhielt von Crumb nach einer Weile folgende Reaktion (Gustafsson hat die übrigens selbst öffentlich zugänglich gemacht).
 
 
I finally gave a listen to those LPs and the CD you sent me, of your own saxophone playing and some Swedish modern jazz. I gotta tell you, on the cover of the CD of your sax playing, which is black and has no text on it, I wrote in large block letters, in silver ink „Torturing The saxophone—Mats Gustafsson.“ I just totally fail to find anything enjoyable about this, or to see what this has to do with music as I understand it, or what in God´s name is going on in your head that you want to make such noises on a musical instrument. Quite frankly, I was kind of shocked at what a negative, unpleasant experience it was, listening to it. I had to take it off long before it reached the end. I just don´t get it. I don’t understand what it is about.

You actually go on TOUR with that stuff. WOW. People actually … sit … and … LISTEN … to that. I mean, they voluntarily go to the place, maybe even PAY … PAY to hear that stuff. And then they sit there, quietly, politely … and LISTEN. Unbelievable. I should go myself sometime and see this. Witness it with my own eyes.

I don´t say these things with the intention to insult you. You seem to be a perfectly nice, civilized guy with a good sense of humor. I am speaking the plain truth of my reaction to the records and CD you sent. That this noise could give anyone any aesthetic pleasure is beyond my comprehension, truly. Is this the logical end of improvisational music? Is this where it ends up? Where does it go from this point? Is there any audience for this „free jazz“ besides other guys who play it and maybe their wives who must patiently endure it?

I just don´t get it. Am I too un-hip? Am I a square from Delaware? A thick Battle Crick? A shmuck from Keokuck?


Manafonistas | Impressum | Kontakt | Datenschutz