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Archives: Mittwoch, 4. Dezember 2013

2013 4 Dez.

Für den Tannenbaum: der Hobbit auf Vinyl!

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„Wow – das erste Vinylhörbuch seit Jahrzehnten! Ein Klassiker ist es, J. R. R. Tolkiens 1937 erschienener Hobbit in einer legendären Hörspielfassung des WDR von 1980. Kalkulierte man zunächst mit 500 LP-Kassetten, luxuriös ausgestattet und streng limitiert, liegen jetzt unglaubliche 7.000 Bestellungen vor.

Dieses Hörspiel ist ein Retro-Genuss für jeden Freund des akustischen Wortes, das von Schauspielerlegenden gesprochen wird. Die spannende Geschichte des kleinen Hobbit Mr. Bilbo Beutlin, der mit den Zwergen den Schatz vom Drachen Smaug zurückerobern will, wird von Martin Benrath mit schönem Ernst erzählt, Bilbo selbst wird von einem vorsichtigen, witzig-zähen, immer selbstbewusster klingenden Horst Bollmann gesprochen; der schreckliche Gollum, das Monster, von einem phänomenalen Jürgen von Manger, der herrlich lispelnd so komisch wie grauslig Bilbo bedroht; der Zauberer Gandalf von Bernhard Minetti und der furchterregende Smaug vom ebensolchen Benno Kusche.

Natürlich werden Hörspiele heute anders inszeniert: Aber die Konzentration auf das Werk, die Textnähe, der Wille zum Ausdruck aus dem Geist der Buchstaben, die gewissenhafte Annäherung an dieses Abenteuer der Weltliteratur passt ideal zur Patina, die der Klang von der Schallplatte mit sich bringt. Die Seele der Worte wird hörbar. Es ist daher ein großes Vergnügen, sich diese Geschichte aus uralter Zeit von schwarzen Scheiben erzählen zu lassen. Und wer dabei die Platten wendet und wechselt, genießt das konzentrierte Ritual – auf mehr Vinylbucherlebnisse hoffend.“ (Text Alexander Cammann, gekürzt und mit einem „Wow“ versehen von m.e.)

2013 4 Dez.

Henry Miller reloaded

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Ein Interview ist kein Abfragespielchen, sondern im gelungen Fall ein locker geführtes Gespräch, und ich finde Interviews vor allem dann interessant, wenn Themen angesprochen werden, mit denen ich ursprünglich überhaupt nicht gerechnet hätte und die mich berühren. Das Leben findet an der Peripherie statt. Vielleicht dreihundert Meter von hier steht einer dieser öffentlichen Bücherschränke, die zu einer Art Bücheraustauschprojekt geworden sind. Ich habe im vergangenen Jahr einen kompletten für mich unbrauchbaren Nachlass an Büchern dort eingestellt und vor einer Weile habe ich ein Buch von Henry Miller herausgeholt: „Meine Jugend hat spät begonnen.“ Vergilbtes Papier, vorn ein Name drin und die Angabe „November 1973“. Voilà:
 
 
 

 
 
 
Es handelt sich um ein 124 Seiten starkes Gespräch, das Henry Miller mit seinem Freund und Übersetzer Georges Belmont im September 1969 führte und das für die französische Rundfunk- und Fernsehgesellschaft aufgenommen wurde.

Henry Miller zeigt sich hier von einer Seite, die mich völlig verblüffte. Angesprochen auf sein Lebensalter, ob es nun 78 oder 77 Jahre wären, sagte Henry Miller, er sei erst 77 Jahre alt, und dann: „Ich glaube, erst nach fünfundvierzig habe ich mich wirklich jung gefühlt. Und ich habe das Gefühl, damals ein Stadium erreicht zu haben, das sich nicht mehr verändert hat.“

Und ein paar Absätze später: „Aber wenn man offen bleibt, wenn man keine festgefahrenen Vorstellungen, keine Pläne, keinen Ehrgeiz hat, wenn man es versteht, immer verwundbar zu bleiben …
Je verletzter man ist, desto offener wird man; darauf kommt es an.“

Natürlich geht es auch um die Bedeutung von Okkultismus und Erotik, und dass beides, so Miller, in uns etwas berühre, wonach wir hungerten. Henry Miller spricht von dem besten Rat, dem ihm je ein Arzt gegeben hat (nämlich keine Angst vor etwas zu haben als das beste Mittel, um von etwas geheilt zu werden), von seiner Mutter, die gekränkt war, als er beschloss, Schriftsteller zu werden, von seinem Kampf gegen die Intellektuellen, die nie irgend eine Sicherheit besäßen, denn die Intelligenz allein führe zu gar nichts.

Das erste, was Henry Miller bei einem männlichen Unbekannten ansieht, sind die Augen. „Ich glaube, alle Weisen, alle Heiligen des Orients, deren Portrait ich gesehen habe, hatten ausnahmslos vollkommene Augen. (…) Es ist die Art von Blick, die die ganze Welt, das gesamte Universum in völliger Gleichheit umfaßt. Der Blick von Menschen, die nicht suchen. (…) Sie sind „angelangt“, verstehen Sie?“


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