Wer sich auf die Lektüre unseres Philosophie-Buches des Januars einlässt, oder auch nur das Cover auf sich wirken lässt, weiss, dass es sich hier um einen Nachfahren eines Kult-Philosophie-Thrillers aus den wilden Siebzigern handelt, Robert Prirsigs „Zen und die Kunst, ein Motorrad zu warten“. Michael Harveys „Thriller des Monats“ beweist, dass auch so ein Page-Turner, der uns vollkommen in die Geschichte hineinzieht, Luft zum Atemholen lässt: das Lesetempo verringert sich ganz und gar freiwillig, wenn in den Dialogen der drei Protagonisten eine äusserst feine Figurenzeichnung des Autors durscheint. Dass Cliff Martinez zu den wichtigsten neuen Soundtrack-Komponisten zählt, dürfte sich rumgesprochen haben. Hatte er bei „Driver“ noch die alten Synthi-Künste eines John Carpenter angezapft, so beschreitet er in Filmen wie „Only God Forgives“ und dem Sci-Fi-Kammerspiel „Solaris“ ganz eigene Wege, im Falle von Solaris verleiht die Musik dem Film zusätzliche Tiefe, bedeutsamer als jede 3-D-Simulation. Und dass im Jahr 2014 der alte Bass-Haudegen Arild Andersen ein herrlich spannungsreiches Bass-Saxofon-Schlagzeug-Werk veröffentlicht, eine kleine Sternstunde seiner langen Karriere, ist genauso erfreulich wie das fantastische Trioalbum „Trios“, mit dem Carla Bley uns im letzten Herbst erfreute. Bei beiden Werken war Manfred Eicher der Produzent. Es wird noch einiges passieren in diesem Jahr. Im Frühjahr dann bitte erstmal das nächst Daniel Lanois-Soloalbum, das „You Are Wonder“ heissen soll.
Archives: Montag, 30. Dezember 2013
2013 30 Dez.
Unsere Januarpreisungen
Michael Engelbrecht | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 3 Comments
Sieh, diese Stadt
und sieh, sie ist kalt.
Erinnere Dich,
wie lieblich sie war.
Jetzt betrachte sie nicht
mit Deinem Herzen, sondern kalt
und sage, sie ist alt.
Komm mit mir nach Georgia,
dort bauen wir halt eine neue Stadt.
Wenn diese Stadt zu viele Steine hat,
dann bleiben wir nicht mehr da.
Sieh diese Frau,
doch sieh, sie ist kalt.
Erinnere Dich,
wie gut sie einst war.
Jetzt betrachte sie nicht
mit Deinem Herzen, sondern kalt,
und sage, sie ist alt.
Komm mit mir nach Georgia,
dort lass uns schauen nach neuen Frauen.
Wenn diese Frauen wieder kalt ausschauen,
dann bleiben wir nicht mehr da.
Und sieh Deine Ansichten,
doch sieh, sie sind alt.
Erinnere Dich,
wie gut sie einst waren.
Jetzt betrachte sie nicht
mit Deinem Herzen, sondern kalt
und sage, sie sind alt.
Komm mit mir nach Georgia,
dort wirst Du sehen, gibt es neue Ideen.
Und wenn die Ideen wieder alt aussehen,
dann bleiben wir nicht mehr,
dann, dann bleiben wir nicht mehr da.
Bert Brecht, „Georgia“