Manafonistas

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Archives: Montag, 23. September 2013

2013 23 Sep.

Synchronizitäten

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Ein Album aus den Jahre 1983 gehört zu den Eckpunkten musikbiografischer Erinnerung und seinerzeit rotierte es mehrmals täglich auf dem Plattenteller, synchron zur Lektüre des Werks von C.G Jung. Synchronicity fand sich damals in meiner kleinen Plattensammlung neben einer Pressung des Joachim Kühn Quartets: eine fast verschollene Scheibe mit Christof Lauer, Detlef Beier und Gerry Brown – ein Titel darauf hiess „Cold Germany“. Paul Brady war auch in der Nähe, jener irische Edelbarde, der nach Planxty mit fantastischem feeling die Sphäre der rockigen Klanggefilde betrat – ebenso wie Christie Moore mit seinen Moving Hearts. Zurück zur Gegenwart: gestern, am Tag der Wahl, hörte ich ein Konzert von Sting. Auch einem Manafonista sei es gegönnt, dergleichen zuweilen ansprechend zu finden – das Spiel des Gitarristen Dominic Miller beispielsweise, dies allerdings nur als Sideman. „King of Pain“ nahm ich mir vor, schaltete dann via TV in die FDP-Parteizentrale, rechtzeitig zum Wahlausgang – und hörte: auch dort wurde der Song gespielt. „There´s a little black spot on the sun today … mmh … it´s my soul up there!“

Magic Arm: Is History

 

Hey Marc, what a fantastic job! Our dad would be so happy to see what you have done with his old ciné film footage. It looks amazing. I love the whole album but this is definitely one of my most favourite tracks. (Great the way you’ve repeated the cheerleaders on the ‚Pledge Hard‘ beat.) Set to your wonderful music, the footage gives me goose-bumps each time I watch: seeingour Mum, my sister, Uncle Jack, myself, and all the others having so much fun. You have done our dad proud. Nice one, Marc! (writes Snowoutside)

Gosh, this one is a terrific singalong. Nice to get lost into that old film footage… The track  brings back the days I’ve been a cheerleader. Ya know: young and attractive and a bit crazy. I fell in love with another girl of the team, we were the secrets lesbians in that small city in the middle of Wisconsin. Sex was a forbidden fruit, the revolution didn’t arrive in Bullshit City, and though we had watched the moon landing with eyes wide open, and even Cassius Clay vs. Sonny Liston, exploring my lover’s body and getting lost in her curves and dark, dark secrets, surpassed it all. (writes Barroom) 

 

– Michael, du hältst offensichtlich ganz viel von der neuen Platte von Bill Callahan.

– Kann man so sagen, Uwe. Es gibt Platten, da weiss man ganz schnell, hey, diese Songs werde ich mein Leben lang hören, und mich nie langweilen.

– Und das ist ja ein eher klassisches Songwriter-Album. Keine Avantgarde.

– Ja, was diese Folkjazzigkeit angeht, ist es für mich gar ein ferner Verwandter meiner Lieblingsplatte Nr. 2 von Van Morrison, Veedon Fleece. die Luftigkeit, mit der die Flöten und Violinen etwa ins Spiel kommen. Und es interessiert mich überhaupt nicht, ob ein Songalbum nun irgendwelche klanglichen Horizonte verrückt, die entscheidenden Faktoren sind Intensität und Tiefe. Insofern besitzt Dream River für mich die gleiche Klasse wie David Sylvians Manafon oder Scott Walkers Bish Bosch, die etwa in den „Klanghorizonten“ des Deutschlandfunks jeweils meine „Alben des Jahres“ wurden.

– Die Texte haben es dir angetan!

– Klar, wobei ich den Weg von Bill Callahan aka Smog schon seit den Neunzigern verfolge. Und ich musste ja so schmunzeln, als er einmal in einem alten Mojo verriet, seine ursprünglichen Inspirationen für die Art zu schreiben, wie er schreibt, seien Chandler, Woolrich, Hammett und Co. Das spiegelt sich in dem trockenen Humor, aber auch in der Kunst, sozusagen von einem Atemzug zum nächsten, das Triviale ins Existenzielle kippen zu lassen. „Outside a train sings its whale song / To a long, long train long, long gone.“ Zwei unfasslich gute Zeilen.

– Und der Gesang?

– Den empfand Bill am Anfang als Beiwerk, die Lyrik war für ihn vorrangig. Irgendwann muss ihm aufgegangen sein, dass seine Stimme mehr ist als ein Transportmittel. In dieser Hinsicht vergleichbar mit Leonard Cohen, „the man with the golden voice“, oder Paolo Conte. Nur passionierte Hörer von Opern dürften bezweifeln, dass diese sonoren Stimmen das perfekte Medium sind.

– Noch mal zurück zu den berühmten Thrillerautoren? Welchen Thriller hast du gerade in Arbeit?

– Der Roman, den ich gerade lese, ich bin erst auf Seite 56, und er gefällt mir bislang ausgesprochen gut, heisst „Shot Gun Love Songs“. Er ist gerade in Deutschland mit genau diesem Titel erschienen. Ist aber kein Thriller. Er handelt von einer Bande alter Freunde in den USA, in the middle of nowhere. Einer von ihnen ist ein berühmter Songschreiber. Ich glaube, auf Seite 26 gibt es das erste Lagerfeuer (lacht). Der nächste Thriller wartet schon auf dem Nachttisch, „I Am Pilgrim“.

– Was singst du derzeit unter der Dusche?

– Ah, meine Lieblingsfrage. Ich singe wirklich schrecklich, und ob du es glaubst oder nicht, Uwe, ich singe, besser murmel, murmeln kann ich viel besser, das Eröffnungslied von Callahans Platte. Ich kann den Text mittlerweile auswendig von „The Sing“.

– Was ist derzeit dein Lieblingsfilm?

– Ganz klar „Mud“. Auch ne Geschichte aus der amerikanischen Provinz. Als würde Sam Peckinpah Mark Twain verfilmen. Gibt es aber nicht in den deutschen Kinos.

 

The Sing (by Bill Callahan)

Drinking while sleeping strangers
Unknowingly keep me company
In the hotel bar

Looking out a window that isn’t there
Looking at the carpet and the chairs

Well the only words I said today are „beer“ and „thank you“
Beer, thank you
Beer, thank you
Beer

Giving praise in a quiet way
Like a church
Like a church
Like a church that’s far away

I’ve got limitations like Marvin Gaye
Mortal joy is that way

Outside a train sings its whale song
To a long, long train long, long gone
Then silence comes back alone
High as scaffolding

‚Til the wind finds something to ping
When the pinging things finds the wind
We’re all looking for a body
Or a means to make one sing


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