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Archives: Montag, 4. Juni 2012

2012 4 Juni

Unsichtbare Ordnung

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„Nie war mein Schreibtisch je eine Kommandobrücke, eine Schaltzentrale, ein Befehlsstand, ein Regiepult. Keine Herrscherallüren beim Schreiben, kein Befehl und kein Gehorsam, aber die unordentliche Oberfläche einer verborgenen Ordnung der Dinge. Man müßte eine Ästhetik der Abwesenheit schreiben, um einer solch unsichtbaren Ordnung gerecht zu werden.“ (Dietmar Kamper: Mein Schreibtisch, das Schneefeld)

Seine Emails ordnen? Lohnt nicht. Besser man arrangiert sich mit dem Chaos und vertraut auf eine unsichtbare Ordnung. Auch die Festplatte muss nicht aufgeräumt sein, denn es gibt die Suchfunktion. War es Erich Kästner oder Heinrich Heine, der einmal sagte, was er nicht binnen 5 Minuten fände, das hätte er auch nicht mehr? Mit zunehmendem Alter ist das Gehirn sowieso nicht mehr bereit, den Dingen, die man als seinen Besitz erachtet, die gebührende Aufmerksamkeit zu schenken. Kulte verlieren ihren Status – hauptsache man hat das Nötigste beihand. Wohl dem, der seinen Fetisch pflegt, auf dass er ihn halten möge (vice versa). Das Allerletzte, was man losließe, wären wohl die Leidenschaften. Im Keller kann ruhig alles liegen bleiben – und sei es eine Leiche. Wer sportlich fit ist, nach einer Rennradtour oder einem Langlauf etwa mit Serotonin verwöhnt wird, der macht daraufhin binnen 30 Minuten seinen Hausputz und die Steuererklärung gleich mit, denn er weiß: nicht alles ist Wille und Vorstellung – viel ist auch dem Hormonhaushalt geschuldet.

Gestern Nacht liefen die Klanghorizonte – fast – wie geplant. Die Pianosoloplatten von Bourne und Carrothers bildeten den Rahmen für die sechs Songs der CD MID AIR von Paul Buchanan, im Zentrum der Stunde John Surman und seine neue CD SALTASH BELLS. Alles Musik, die von einsamen Küstenlandschaften zumindest inspiriert wurde. Montauk, Devon, der Osten Schottlands, und der Lake Superior.

Dann aber blieb noch freie Zeit, und wer die Sendung hörte, vernahm eine selstsame geräuschhafte Musik: Donnergrollen? Gerölllawinen? Ambient noir? Dieses „Nachspiel“ stammte aus den ersten Minuten der in Kürze erscheinenden, mich tief beeindruckenden, CD von Thomas Köner, und entführte den Hörer ins russische Hinterland. Das Stück spiele ich in voller Länge aus, in den nächsten Klanghorizonten, in zwei Wochen.
Mehr dazu auf der Homepage von Touch Records, oder hier, an anderer Stelle, bei den Manafonistas.


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