Manafonistas

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Archives: Donnerstag, 21. Juni 2012

Simone White: SILVER SILVER
Calexico: ALGIERS
Pink Floyd: ATOM HEART MOTHER
Brian Eno: MUSIC FOR FILMS
Beachwood Sparks: THE TARNISHED GOLD

 

Und jetzt am Abend, neue Bekannte am Strand gefunden, leichter Sonnenbrand, Riesenlust auf den flämischen Barbecueabend, zu dem ich eingeladen bin, ein geplatzter Reifen, und später dann, angeleitet von Mitgliedern der Barbershop & Sea Company, Schwimmen bis zum Horizont: so nennen sie das hier (ich hab es mir übersetzen lassen), wenn man einen Kilometer rausschwimmt, und dann von einem Boot eingesammelt wird, das die kleine Schwimmtruppe auf eine in der Nähe gelegene Insel transportiert, auf der es wilde Füchse geben soll (welche Drogen nehmen die denn hier?!) – und eine sehr ungewöhnliche Grillparty mit Überlebenden der Brüsseler Punkerszene.

 

A propos Beachwood Sparks: It’s funny we sometimes call such oldfashinoned music „timeless“. Why? I think such music presents certain qualities that a lot of listeners love f o r e v e r: the harmony vocals, the Nashville sources, the mild psychedelic colors! So this is full of good vibrations, with some dark undertones that undermine (a little bit) the „innocence“ of this old time feel.

Gestern Kettcar live gesehen, in der Burg Wilhemstein. Sehr sympathische Band, intelligente und anrührende Texte, feines Ambiente (viele brachten in die Burg, die in Würselen liegt, Futter und Getränke mit), jüngere Fans sangen die Lieder mit, so dass der Frontmann auch mal die Luft anhalten konnte, und der Refrain dennoch das weite Halbrund erfüllte. Sommeranfang. Bei Kettcar sieht man, wie weit und tief die Musik einer Band wirken kann, die irgendwann mal mit ihrem „Vier-Akkord-Punk-Wissen“ losgezogen ist und die Musikkeller in Hamburg unsicher gemacht hat. Auf ihrer jüngsten und vielleicht besten Platte, ZWISCHEN DEN RUNDEN, sammeln sich Lieder von Entfremdung und Sehnsuchtsstoffe (Violinen und Kettcar, wer hätte das gedacht!), Kindheitsträume und schroffe Studien hässlichen Alltags: „Wenn das der Frieden ist, musst du den Krieg nicht noch erfinden“. Die Alltagsutopien bestehen darin, den kommenden Tag gut zu überstehen. Und selbst die kämpferischen Lieder kommen ohne Glücksrezepte daher. Wie schön, selber zu bedauern, dass man bei diesen Liedern leider so gar nicht textsicher ist. Wahrscheinlich hat der erhaben-dümmliche Mist, den ein zwanghaft expressiver Grönemeyer seit Jahrzehnten verzapft, von bescheuerten Liedern a la „Kinder an die Macht“ über sein grauenhaft anbiederndes „Mensch“-Album bis hin zu seinem poetisch abgesoffenen „Schiffsverkehr“ das Vertrauen in deutsche Songs ein wenig untergraben. Gut, wir haben Kante, und wir haben Tocotronic. Und Kettcar. Element of Crime. Und Udo L.! 

P.S.: Die Atmosphäre von Burgwilhelmstein ist allein schon ein Vorbeikommen Wert. Ich empfehle am 11. Juli das UKULELE ORCHESTRA OF GREAT BRITAIN, mit jeder Menge englischem Humor, und der Kunst, Otis Redding u. Nirvana in einem Programm unterzubringen.


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