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Archiv: Krishnamurti

Wenn man unbekanntes Terrain betritt, sind Fremdenführer hilfreich. Das gilt für eine Wanderung im Himalaya ebenso wie für die Neuerkundung geisteswissenschaftlicher Hoheitsgebiete und Abgründe. Ein in jeder Hinsicht nützlicher Sherpa für den Einstieg in die Welt philosophischen Wissens war dereinst Peter Sloterdijk. Hinzu kam eine Liebe zu Sprachmelodien und zu originellen Wortschöpfungen. Träfe man sich heute zufällig in einem Zugabteil von Nirgens nach Irgendwo – es gäbe viel zu erzählen. Die Begeisterung fürs Fahrradfahren zählte zu den Themen und auch mein vergangenes Interesse für zwei Denker mit dem indischen Vornamen Krishnamurti. Sloterdijk pries das Buch des Einen, Einbruch in die Freiheit, einmal an in einer Sendung zum Thema Gehirnforschung und ich dachte: „He has got it – I am not alone.“ So ist das, wenn man Jemanden nicht näher kennt und sich doch von fern verstanden fühlt (Dietmar Kamper gehörte auch zu jenen). Meine Aversion gegen die Bhagwanjüngerschaft übertraf allerdings selbst noch die gegen arbeiterseelige Jugendorganisationen der SPD. „Die Internationale“ war auch nie mein Song – es sei denn, Robert Wyatt hätte ihn gesungen.

 

Aktuelle Wertschätzung

  1. Zeilen und Tage
  2. Du musst dein Leben ändern
  3. Zorn und Zeit
  4. Der ästhetische Imperativ
  5. Die schrecklichen Kinder der Neuzeit

 

Historische Wertschätzung (bezogen auf die Lektüre vergangener Tage)

  1. Weltrevolution der Seele – Ein Lesebuch der Gnosis (Hrsg.: PS und Thomas Macho)
  2. Weltfremdheit
  3. Sphären I
  4. Der Zauberbaum (Roman)
  5. Versuche nach Heidegger
  6. Die Sonne und der Tod (PS und Hans-Jürgen Heinrichs)
  7. Streß und Freiheit
  8. Scheintod im Denken
  9. Zur Welt kommen – zur Sprache kommen
  10. Im Weltinnenraum des Kapitals
  11. Im selben Boot

 

2011 7 Okt

This stuff undone

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„It’s the narrative that must go on
Until the end of time.“
(David Sylvian)

„Der Fehler fängt schon an, wenn einer sich anschickt,
Pinsel und Leinwand zu kaufen.“
(Joseph Beuys)

 

Wikipedia-Einträge oder Bücher über Kreatives Schreiben helfen wenig weiter, wenn der Kreativfluss ins Stocken gerät. Denn fürs Schreiben gilt das Gleiche wie für Schwimmen, Malen, Sex und Fahrradfahren: man muss es einfach nur tun. Don´t think twice, ma.

Erinnert sei an Stanley Kubrick´s Shining: um endlich ungestört seinen Roman zu beginnen, mietet ein Schriftsteller (Jack Nicholson) ausserhalb der Saison ein Ferienhotel, abgelegen in den Bergen, riesig groß – so groß wie der Horror, der dann daraus entsteht.

Schreibblockade und Prokrastination – hängt das irgendwie zusammen? Der Philosoph Jiddu Krishnamurti bemerkte, dass es zwei Arten von Zeit gibt: die physikalische und die psychologische Zeit. Erstere ist die natürlich ablaufende, Zweitere die Differenz zwischen Idee und Handlung. Sobald ich ein Vorhaben in die Zukunft projiziere (Projekt), entsteht Zeit – und somit quälender Aufschub.

Journalist Gerd Scobel, Schriftstellerin Siri Hustvedt und Neurowissenschaftler Antonio Damasio erörterten die hochinteressante Frage, wann und warum ein Autor (ein Künstler) mit seiner Arbeit zufrieden sei. Sie waren sich schnell einig: das Ich will Geschichten von sich erzählen. Träume spielen eine große Rolle. Emotionen, Intuition und das Unterbewußte müssen im Narrativ zufriedenstellend und aktuell repräsentiert sein, ansonsten wird das Resultat wieder verworfen.

Worauf der Künstler Joseph Beuys in obigem Zitat warnend hinwies: die ursprüngliche, konzeptionelle Idee dient nur als Untermalung, zur Vorbereitung. Sie ist der Köder, um den Zufall ins Spiel zu locken und den Flow. Dann fällt einem das Wesentliche zu: als Geschenk, als Gabe. Ist das Werk vollbracht oder ein zumindest vielversprechender Anfang gemacht, dann steht man wieder unter dem freiem Himmel der Gegenwart – the stuff is done.

2011 30 Sep

Late September Days

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„Der Tod hat alles hinweggewischt und nichts übriggelassen. Dieses Nichts ist der Tanz des Blattes, ist der Ruf dieses Kindes. Es ist Nichts und Nichts muß sein. Was weitergeht, ist Verfall, die Maschine, die Gewohnheit, der Ehrgeiz. Es gibt Verwesung, aber nicht im Tod. Tod ist das totale Nichts. Es muß ihn geben, denn aus ihm ist Leben, ist Liebe. Denn in diesem Nichts ist Schöpfung. Ohne den absoluten Tod gibt es keine Schöpfung.“ (Jiddu Krishnamurti)

Die späten Septembertage waren mir immer schon die liebsten im Jahr. Es ist eine Übergangszeit, die prädestiniert ist für Kontemplation. Wer jetzt nicht ins geschäftige Getriebe eingebunden ist und ein wenig Abstand nehmen kann von dem, was  Krishnamurti die Maschine nennt, in obigem Zitat aus seinem Buch „Über Leben und Sterben“; wer vielleicht ungestört auch Sloterdijks „Streß und Freiheit“ lesen darf, das kürzlich erschien und eine erfrischende Wiederbegegnung mit Rousseau bietet und zudem erklärt, warum viele Säue, die durchs mediale Dorf getrieben werden, staatstragend sind; wer also lesend oder nur betrachtend auf einer Bank auf einem Friedhof sitzt im flirrendem Mittagssonnenlicht, das mit farbenfrohen Kontrasten spielt, mit Extremen zwischen Hell und Dunkel und dabei den Herbst ankündigt; wem dort rund zwei Dutzend Eichhörnchen Gesellschaft leisten, die einem, vor Übermut frech, fast auf den Schoß springen – dieser Jemand im Übergang zum Niemand, der Schönheit auch im Tod erkennt: er weiß vielleicht, was wunschlos Glücklichsein bedeutet, fern von Ehrgeiz, Gewohnheit und Trott.


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