Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Archives: Freitag, 13. Januar 2023

 

 


Uusi Aika: 
Folkjazz aus Finnland mit japanischer „Note“ (WeJazz)
Sebastian Rochfords „Hausmusik“ (ECM)  

Niklas Wandt: Laszlo Gardonys „Close Connection“ (Sunnyside)
Andrew Cyrille: Music Delivery / Percussion (Intakt Rec.) *
Karl Lippegaus: Richard Kolodas Albert Ayler-Biographie
Mette Henriettes „free floating chamber jazz“  (ECM)
Anders Jormin: Folkjazz aus Schweden mit japanischer „Note“ (ECM)

 

* Making the real magic … the real rhythms … the real sounds … expanding African / Haitian roots … surfing the drums for masterful lyrical snippets … a master of color … painting coloring riffing always stretchin‘ searchin‘ looking for the next sound color sound!“   (from the poem „The Real Cyrille“ by Oliver Lake)

 

Das Piano ist ein ganz spezielles Instrument für mich. Es ist das erste Instrument, das ich lernte, und mein Vater und meine Mutter waren verliebt in den Klang. Die Lieblingsmusik meines Vaters waren Glenn Goulds Bach-Interpretationen, und für meine Mutter überwiegend Bill Evans, Keith Jarrett und Nina Simone. Ich wuchs auf mit dem Klang des Pianos, meine Eltern spielten darauf, und obwohl ich bislang nie Musik für ein Klavier geschrieben hatte, war mir dieser Sound des „Zuhause-Seins“ unheimlich vertraut.

Was das „Drumming betrifft, gab ich mir die Freiheit zu spielen oder nicht zu spielen, je nachdem was das jeweilige Stück verlangte. Im wesentlichen sollte es eine Art Solo-Piano-Album sein, mit unserem alten Hausklavier, und ein paar Spuren des Schlagwerks. Eines meiner Lieblingsalben – auch da spielt der Raum eine besondere Rolle – ist Thelonious Monks „Alone In San Francisco“. Mich störte die Idee nicht im geringsten, für diese Arbeit nur wenige eigene Klänge aktiv beizusteuern. Mit Kit Downes sprach ich lange über den Umgang mit den Pedalen, und dass die Musik nie über eine bestimmte Dynamik hinausgehen sollte, um idealerweise  in einer besonderen Schwingungszone zu verweilen. 

Das Stück „This Tune Your Ears Will Never Hear“ war das letzte Stück, das ich schrieb, aber es sollte den Anfang des Albums markieren. Ich sehe das Stück als eine Art Torweg, fast wie eine Begleitung meines Vaters auf seiner nächsten Etappe. Zugleich spielte diese andere Empfindung hinein: wenn du ein Elternteil verlierst, kann es sich anfühlen, als wäre man ein kleines Kind, das in den Abgrund ruft … so there are some lines in the tune that represent that to me.

Obwohl wir geplant hatten, das Album gemeinsam abzumischen, entwickelte es sich so, dass Manfred Eicher die Aufnahmen allein mischte, und im Grunde war es wohl genau das, was ich wollte. Ich war so nah dran an der Musik, und fühlte, dass er sich ihr auf eine Weise annehmen konnte, zu der ich nicht fähig war. Nicht nur technisch, auch aufgrund der fehlenden Aussenansicht. Als ich mir seine Abmischungen anhörte, war es fast so, als würde ich das Album zum ersten Mal hören. Als hätte ich bis dahin gar nicht realisiert, was ich wirklich gemacht hatte. Er brachte alles auf den Punkt und steigerte die Intensität vieler Details. Es erschien mir wie die stärkste Version der Musik.

Was die Raumcharakteristik des Klanges angeht, nun, wir hatten bei den Aufnahmen auch einige Raummikrofone benutzt. Zum Beispiel platzierten wir ein altes ACR-Mikrofon im Kamin, um etwas von der Resonanz des Steins hinter dem Feuerplatz einzufangen. Und das ist ein anderer Aspekt der nachträglichen Bearbeitung von Manfred, dass er dem Sound des Raumes treu blieb, ohne je darin gewesen zu sein.

Und, ja, das Stück „Silver Light“ kam mir in den Sinn, als ich im Hausflur stand … ich erinnere mich daran, wie ich nach meinem Phone greife, und die Treppe hinauf gehe Richtung Schlafzimmer … ich singe in das Phone hinein, die ganze Zeit über, während ich die Treppe hinaufgehe, und die Melodie nimmt im Nu ihre fertige Gestalt an. Ich habe die Aufnahme gespeichert, und wenn ich sie mir anhöre, klingt sie genauso wie auf dem Album. „Silver Light“ repräsentiert für mich den Moment, in dem ich mit meinem Vater zusammen war, als er starb.

 

Es waren die Teenagerjahre, die späten, in den ich in zwei Erzählwerken von Stanislaw Lem versank –  die „Sterntagebücher“ und „Solaris“ zählen  zu meinen grössten Sci-Fi-Abenteuern. 

Als ich heute nachmittag „Hypnagogia“ hörte, mit dem grauen Dauerregen vor dem Fenster, nahm mich diese anheimelnd-unheimliche, und unheimlich fein gestaltete, Musik von Minute zu Minute mehr gefangen. Ich fragte mich zwischendurch, wie der Regen aussähe, würde er die Farbe blau haben, welche fallenden Muster und Schleier er vor dem Grauwald formen würde. Die Musik sorgte dafür, dass sich zu der Frage auch eine Antwort gesellte.

 

 

 


In recent times some women have entered the field of „leftfield cello music“ combining the craft of their instrument with electronics, digital processing, loops etc. Martina Bertoni is one of these studio wizards. She says about her new album „Hypnagogia“ (soon to be released on Karl Records, and to listen to on bandcamp):   

„The six tracks that constitute Hypnagogia have been written during 2021 and partially inspired by the reading of Stanislaw Lem’s book Solaris. The title refers to a transitional state of consciousness from wakefulness to sleep, during which one might experience sensorial hallucinations, and can tap into the pristine structures of the subconscious.  Hypnagogia portraits an imaginary cosmic journey of the Self that crash ends into a blinding sun.“ 


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