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Archives: Samstag, 5. März 2022

 


Können Bücher zugleich witzig und spannend sein? Und zudem noch orginell? Eine Expertin für zeitgenössische Thriller-Kunst in der New York Times schreibt genau diese Eigenschaften Alex Seguras SECRET IDENTITY zu und bemerkt, das Buch funktioniere auf vielen Ebenen: „als Hommage an den klassischen Noir, als Liebesbrief an das New York der zwielichtigen 1970er Jahre und als eindringliches Tutorial über das Comic-Publishing jener Zeit.“ Im Mittelpunkt steht (soweit ich das verstanden habe) Martina, die Sekretärin des Chefs eines kaum überlebenden Comic-Verlages, die sich danach sehnt, ihre eigenen Comics zu schreiben. Leider ist ihr Chef ein chauvinistischer Tölpel. 
Aber das Glück ist ihr hold, als sie sich mit einem Kollegen zusammentut und dabei hilft, eine elektrisierende neue Serie mit einer grüblerischen Heldin namens Lynx zu produzieren. (Bonus: Einige der Seiten sind im Buch enthalten.) Aber dann wird der Kollege ermordet. Und niemand weiß, dass Martina den größten Teil der Geschichte geschrieben hat – ihr Name wird nicht als Autor erwähnt. Der Versuch, ihrer unbeständigen, unregelmässig verheirateten Freundin aus dem Weg zu gehen, beruflich Fuß zu fassen und den Mord an ihrem Kollegen aufzuklären, während sie der Polizei einen Schritt voraus ist, erweist sich als schwierig. Aber es gibt Entschädigungen, wie zum Beispiel eine wilde Nacht im CBGB’s mit einer elektrisierenden neuen Band, den Talking Heads. Das scheint doch nun wirklich ein Buch für einige Manafonisten und Leser dieses Blogs zu sein: wir kennen das ja schon, dass der eine und die andere hier Bücher veröffentlichen, aber selber Heldin eines Romans zu sein, ist schon ein starkes Stück. In fünf Jahren auf Netflix, vielleicht aber schon Mitte März in Ihrem Bücherschrank.

 

2022 5 März

Dimmed highlights

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So manches Licht ist, zugegeben, eher dunkel schimmernd in diesen Tagen. Der Pass, in sepiafarbenes noir getaucht, liefert gelungen eine Adaption der schwedisch-dänischen Serie Die Brücke, ist dabei aber in der Erzählung eigenständig. Die Serie spielt im Grenzgebiet von Deutschland zu Östereich. Grosseinstellungen einer fantastischen Bergwelt sind von erlesener Schönheit, für Bild-Ästheten und für Thriller-Fans eine grosse Freude. Nomadland ist ein ruhiger, berührender Film über das Leben, das Sterben, Begegnungen und Wanderschaft. Und das weite Land der Staaten. Succession, ich schrieb bereits darüber, ist meine absolute Nummer Eins, aus guten Gründen. Ein Aspekt mag die Kameraführung sein, die Interaktionen und Dialoge auf eine sehr intime Weise einfängt, als sei man mittendrin. Und wer guckt nicht gerne durchs Schlüsseloch der dekadenten Bourgeousie heimlich beim Leben zu? Mare of Easttown ist ebenfalls sehr sehenswert, mit Kate Winsley in einer ernsten Rolle als sozial kompetente Polizistin. Könnte der Kontrast hier grösser sein zu Anke Engelke? Die kommt sowas von frisch und witzig rüber in der achten Staffel ihrer Show und ist ein echter Ladykracher, verhilft dabei zu Lockerungsübungen in Sachen intelligente Heiterkeit. Nein, ganz ohne Humor geht es nicht, liebe Fernsehgemeinde! Vor einem Overload des Wissens schützen Huxleys Pforten der Wahrnehmung wie jenes Loblied auf den Typus des „Idioten“, das der von mir geschätzte Prosa-Dichter Botho Strauss in seinem Band Lichter des Toren präsentiert, in dem ich immer wieder gerne stöbere. „Klüger ist dümmer“, hier wird es klar. Schon Peter Sloterdijk bemerkte einst im Gespräch mit Hans-Jürgen Heinrichs, viele Geisteswelt-Akademiker hätten sich schon in jungen Jahren „zuschanden gelesen“. Trotz alledem sind Bücher Zufluchtsorte, die uns schützen können. Hinsichtlich des Desasters, das sich gerade abspielt, war die Zeit nun aber reif, um endlich auch Hintergründe zu erfahren: Krieg in Europa – Das Ukraine-Drama gibt einen Einblick in Geschichte und Entwicklung jenes Landes, das zerrissen scheint zwischen Ost und West. Die Dokumentation erzählt auch von den Menschen dort und ihrem kämpferischen Präsidenten, dem vormals polit-komödiantischen Hauptdarsteller einer erfolgreichen Fernsehserie, die manchem Oligarchen nicht gefallen haben dürfte. Wenn man bei all dem dann, um etwas Luft zu schnappen, eine kleine Runde dreht, kommt aus dem Nichts oftmals die Zeile eines gerne gehörten Liedes aus dem Unterbewussten emporgeschnellt. Was wäre an dieser Stelle angebrachter, als eine davon hier zu präsentieren, aus einem Song von James Taylor, mit dem man immer gerne „mitging“. So wie neulich gerade, als man spazierte und sinnierend sich fragend sang:

 

Moving in silent desperation,
Keeping an eye on the Holy Land
A hypothetical destination, say
Who is this walking man?


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