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on life, music etc beyond mainstream

2022 5 Mrz

Dimmed highlights

von: Jochen Siemer Filed under: Blog | TB | Tags:  4 Comments

So manches Licht ist, zugegeben, eher dunkel schimmernd in diesen Tagen. Der Pass, in sepiafarbenes noir getaucht, liefert gelungen eine Adaption der schwedisch-dänischen Serie Die Brücke, ist dabei aber in der Erzählung eigenständig. Die Serie spielt im Grenzgebiet von Deutschland zu Östereich. Grosseinstellungen einer fantastischen Bergwelt sind von erlesener Schönheit, für Bild-Ästheten und für Thriller-Fans eine grosse Freude. Nomadland ist ein ruhiger, berührender Film über das Leben, das Sterben, Begegnungen und Wanderschaft. Und das weite Land der Staaten. Succession, ich schrieb bereits darüber, ist meine absolute Nummer Eins, aus guten Gründen. Ein Aspekt mag die Kameraführung sein, die Interaktionen und Dialoge auf eine sehr intime Weise einfängt, als sei man mittendrin. Und wer guckt nicht gerne durchs Schlüsseloch der dekadenten Bourgeousie heimlich beim Leben zu? Mare of Easttown ist ebenfalls sehr sehenswert, mit Kate Winsley in einer ernsten Rolle als sozial kompetente Polizistin. Könnte der Kontrast hier grösser sein zu Anke Engelke? Die kommt sowas von frisch und witzig rüber in der achten Staffel ihrer Show und ist ein echter Ladykracher, verhilft dabei zu Lockerungsübungen in Sachen intelligente Heiterkeit. Nein, ganz ohne Humor geht es nicht, liebe Fernsehgemeinde! Vor einem Overload des Wissens schützen Huxleys Pforten der Wahrnehmung wie jenes Loblied auf den Typus des „Idioten“, das der von mir geschätzte Prosa-Dichter Botho Strauss in seinem Band Lichter des Toren präsentiert, in dem ich immer wieder gerne stöbere. „Klüger ist dümmer“, hier wird es klar. Schon Peter Sloterdijk bemerkte einst im Gespräch mit Hans-Jürgen Heinrichs, viele Geisteswelt-Akademiker hätten sich schon in jungen Jahren „zuschanden gelesen“. Trotz alledem sind Bücher Zufluchtsorte, die uns schützen können. Hinsichtlich des Desasters, das sich gerade abspielt, war die Zeit nun aber reif, um endlich auch Hintergründe zu erfahren: Krieg in Europa – Das Ukraine-Drama gibt einen Einblick in Geschichte und Entwicklung jenes Landes, das zerrissen scheint zwischen Ost und West. Die Dokumentation erzählt auch von den Menschen dort und ihrem kämpferischen Präsidenten, dem vormals polit-komödiantischen Hauptdarsteller einer erfolgreichen Fernsehserie, die manchem Oligarchen nicht gefallen haben dürfte. Wenn man bei all dem dann, um etwas Luft zu schnappen, eine kleine Runde dreht, kommt aus dem Nichts oftmals die Zeile eines gerne gehörten Liedes aus dem Unterbewussten emporgeschnellt. Was wäre an dieser Stelle angebrachter, als eine davon hier zu präsentieren, aus einem Song von James Taylor, mit dem man immer gerne „mitging“. So wie neulich gerade, als man spazierte und sinnierend sich fragend sang:

 

Moving in silent desperation,
Keeping an eye on the Holy Land
A hypothetical destination, say
Who is this walking man?

This entry was posted on Samstag, 5. März 2022 and is filed under "Blog". You can follow any responses to this entry with RSS 2.0. You can leave a response here. Pinging is currently not allowed.

4 Comments

  1. Michael Engelbrecht:

    Schön, dermassen durch die Welten zu gleiten. Ich sehe gerade mit Hochspannung die Adaption eines Romans der Thriller-Autorin Karen Slaughter auf Netflix, Pieces of Her. Ohne vorher durch Reviews zu huschen.

    Wieso ich mich zu der Serie hingezogen fühle: weil eine meiner fünf „neueren“ favourite actresses dort die Hauptrolle spielt, die fabelhafte Tony Colette. Bewusst erlebte ich sie zum ersten Mal in der meisterhaften limited series UNBELIEVABLE, auf Netflix. 🎩🎩🎩🎩🎩. Und hier, nach drei Folgen, bin ich auch voll drin, und heute Abend durch:) …

  2. Jochen:

    Auch einem dumm-klugem Zeitgenossen mit begrenzter Sicht versagt nicht der Instinkt. Als ich gestern las, der scheinbar Testosteron-gesteuerte CDU-Mann Friedrich Merz erwäge ein Nato-Eingreifen im Konflikt, rief ich: „Hilfe, wir behandeln die Falschen!“

    Was ist da drin in seiner Birne, ausser Bierdeckel? Momentan bin ich wirklich froh, dass Vernunftbegabte wie Scholz, Habeck und Baerbock am Ruder sind.

    PS. Tony Colette war unglaublich gut in Unbelievable :)

  3. Michael Engelbrecht:

    Ja, mit Scholz, Habeck und Baerbock bin ich ganz auf deiner Seite.

    Von der Baerbock bin ich regelrecht beeindruckt. Was auch gut ist, dass Macron beste Chancen hat, wiedergewählt zu werden. In Frankreich gibt es ja zu ihm eine noch viel üblere Alternative als die Merz-CDU. Dass man Merz mit so klarer Mehrheit gewählt hat, spricht auch für die programmatische Hilflosigkeit der CDU, die ihrer Vorstellung eines „starken Mannes“ andient und bei „Frühschoppen-Friederich“ mal wieder einen echten Idioten aus dem Ärmel gezogen hat. Die Hardcore-Variante von Laschet.

  4. Michael Engelbrecht:

    Tony Colette spielt auch beeindruckend in dem verstörenden Film I‘m Thinking of Ending Things und, sehr zurückhaltend, in dem kammerspielartigen Sci-Fi-Movie Stowayay mit.

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