Manafonistas

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2022 5 Mrz

„Secret Identity“

von: Michael Engelbrecht Filed under: Blog | TB | 10 Comments

 


Können Bücher zugleich witzig und spannend sein? Und zudem noch orginell? Eine Expertin für zeitgenössische Thriller-Kunst in der New York Times schreibt genau diese Eigenschaften Alex Seguras SECRET IDENTITY zu und bemerkt, das Buch funktioniere auf vielen Ebenen: „als Hommage an den klassischen Noir, als Liebesbrief an das New York der zwielichtigen 1970er Jahre und als eindringliches Tutorial über das Comic-Publishing jener Zeit.“ Im Mittelpunkt steht (soweit ich das verstanden habe) Martina, die Sekretärin des Chefs eines kaum überlebenden Comic-Verlages, die sich danach sehnt, ihre eigenen Comics zu schreiben. Leider ist ihr Chef ein chauvinistischer Tölpel. 
Aber das Glück ist ihr hold, als sie sich mit einem Kollegen zusammentut und dabei hilft, eine elektrisierende neue Serie mit einer grüblerischen Heldin namens Lynx zu produzieren. (Bonus: Einige der Seiten sind im Buch enthalten.) Aber dann wird der Kollege ermordet. Und niemand weiß, dass Martina den größten Teil der Geschichte geschrieben hat – ihr Name wird nicht als Autor erwähnt. Der Versuch, ihrer unbeständigen, unregelmässig verheirateten Freundin aus dem Weg zu gehen, beruflich Fuß zu fassen und den Mord an ihrem Kollegen aufzuklären, während sie der Polizei einen Schritt voraus ist, erweist sich als schwierig. Aber es gibt Entschädigungen, wie zum Beispiel eine wilde Nacht im CBGB’s mit einer elektrisierenden neuen Band, den Talking Heads. Das scheint doch nun wirklich ein Buch für einige Manafonisten und Leser dieses Blogs zu sein: wir kennen das ja schon, dass der eine und die andere hier Bücher veröffentlichen, aber selber Heldin eines Romans zu sein, ist schon ein starkes Stück. In fünf Jahren auf Netflix, vielleicht aber schon Mitte März in Ihrem Bücherschrank.

 

This entry was posted on Samstag, 5. März 2022 and is filed under "Blog". You can follow any responses to this entry with RSS 2.0. You can leave a response here. Pinging is currently not allowed.

10 Comments

  1. Michael Engelbrecht:

    A propos Talking Heads und David Byrne. Erst vor Wochen bekam ich die BluRay / DVD des Konzertfilms AMERICAN UTOPIA in die Hände. Ganz, ganz wunderbar. Ein Freigeist, ein Freidenker. Die Songs exzellent dargeboten. Immer wieder auch gut: was David Byrne so zwischendurch erzählt auf der Bühne. Die Choreographie ist auch mitreissend, nichts Gekünsteltes. Wer also die Talking Heads und ihren Anführer liebt: STOP MAKING SENSE und diesen relativ neue Konzertfilm schauen, hören, erleben.

  2. Martina Weber:

    Das ist absolut etwas für die Graphic Novel Abteilung meines Bücherschrankes – zumal eine Facette meines Ichs darin agiert! Wenn ich das richtig verstehe, handelt es sich um einen Roman, in dem – als Bonus – ein paar Seiten Graphic Novel enthalten sind? Wäre das nicht etwas für eines unserer berüchtigten manafonistischen parallel readings?

  3. Olaf Westfeld:

    Parallel Reading? Count me in.

  4. Michael Engelbrecht:

    „Segura’s book works on so many levels, it’s almost hard to keep track—as a love letter to comic books, it’s as powerful as anything since Michael Chabon’s The Amazing Adventures of Kavalier & Clay (2000). And as a thriller, it’s smart, perfectly paced, and wonderfully atmospheric—Segura captures the intense, grimy milieu of 1970s New York with aplomb. You don’t have to be a comics fan to love this novel; it’s a masterful book filled with real heart and soul. A triumph.“

    Kirkus Reviews, Starred Review

    ….

    Das Buch erscheint im Original Mitte März, kostet 28 Euro, als E Book 13 Euro. Ich fand die Story interessant, wusste, dass hier einige neugierig werden. Werde es allerdings wohl nicht lesen, weil es immer in Bezug gesetzt wird zu dem Roman von Michael Chabon, der preisgekrönt ist, mich aber sehr langweilte.

  5. Olaf Westfeld:

    An diesen Michael Chabon Roman musste ich auch denken. Ich mochte den ganz gerne, fand aber auch, dass er Längen hatte. Secret Identity hört sich ganz gut an – würde ich testen.

  6. Michael Engelbrecht:

    Es gibt immer so einen kleinen Stapel von zu lesenden Büchern neben meinem Schreibtisch, und der ist gerade gut gefüllt:

    Jean Kyoung Frazier: Pizza Girl
    Graem McRae Burnet: Fallstudie
    David Heska Wanbli Weiden: Winter Counts (Polar Verlag, Stuttgart)
    Michael Pollan: Kaffee, Mohn, Kaktus
    Erica Ferencik: Girl In Ice
    Susanne Mathiessen: Diese eine Liebe wird nie zuende gehen

    Und dieser Schmöker wartet schon am längsten:
    Johan Harstad: Max, Mischa & die Tet-Offensive

    Und in den letzten Kapiteln bin ich gerade bei dem grossartigen 500 Seiten-Roman EINE ZELLE FÜR CLETE. Und zuvor Rupert Thomsons kurzen Klasseroman, aus drei Langen Kurzgeschichten komponiert, BARCELONA DREAMING. Seitdem weiss ich wieder, wie es sich anfühlt, in einer Metropole zu leben. So lange schon nicht mehr in Paris und Londom gewesen:)

  7. Martina Weber:

    Interessante Liste, Michael. Ich kenne nichts davon. Nur den Autor Michael Pollan und sein 490-seitiges, umwerfend gutes Buch „Verändere dein Bewusstsein“.

    Olaf, lass uns doch mailen, wenn Secret Identity erscheint. Vielleicht wird das etwas mit dem Parallel reading.

  8. Michael Engelbrecht:

    Oh, einige meiner Lieblingsbücher haben 1000 Seiten und keine Längen, aber ihr seid das ideale Team hierfür – würde sehr gerne euren Parallelen folgen :) / P.S. Dicke Bücher können übrigens auch vielschichtig sein 🙇🏻 – zum Beispiel die Lutherbibel (die aber nicht zu meinen Favoriten zählt 😂)

  9. Olaf Westfeld:

    @ Martina: gerne noch mal mailen, ich lese auch mal woanders nach … erste Aprilhälfte wäre für mich jedenfalls ein guter Zeitpunkt.

  10. ijb:

    Zu Michael Pollan hier eine nachdrückliche Podcast-/Interview-Empfehlung:

    https://www.wnyc.org/story/michael-pollan-explains-caffeine-cravings-and-why-you-dont-have-to-quit_1/

    Hat man schnell angehört, ist aber sehr dicht an wertvollen Erkenntnissen.

    Bei mir auf dem in Kürze anzupackenden (USA-)Bücherstapel:

    Percival Everett: Telephone
    Elizabeth Wetmore: Valentine
    Und Julian Barnes: The Noise of Time

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