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Archives: Freitag, 15. Dezember 2017

2017 15 Dez.

Die Choreographin des Begehrens

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Falls es jemanden interessiert, in der Monatszeitschrift EPD Film findet sich derzeit, anlässlich des deutschen Kinostarts von Un beau soleil intérieur, ein Porträt von Claire Denis.
 

Wie die Körper sich suchen – das ist das große Thema der Regisseurin. Zärtlichem und zerstörerischem Begehren verleiht sie die gleiche Evidenz. […]

Denis zeigt nicht mehr, als gerade nötig ist: Ihre Stärke sind die affektiven Momente, die in den Fragmenten einer Handlung aufblitzen und in denen sich die disparate Gefühlslage ihrer Figuren offenbart. Das macht ihre Erzählung zugleich spröde und fragil, lässt Raum für Geschichten, die sich zwischen den Schnitten zutragen können. Das Thema der gegensätzlichen Obsessionen, der Zerrissenheit überträgt sie in eine Montage, die den Zuschauer unversehens in die Situationen hineinwirft und es ihm anfangs nicht eben leicht macht, sich im Wechsel der Schauplätze und Charaktere, im Changieren zwischen den Realitätsebenen zurechtzufinden. Ihre Inszenierung stößt sich am Konkreten, an Tönen, Gesten und Gegenständen. […]

In »Trouble Every Day« ist [mit Kamerafrau Agnès Godard] ihr gemeinsames Ziel, sich Fleisch und Blut auf eine Weise zu nähern, wie es nie zuvor im Kino passiert ist. Die kannibalistischen Übergriffe sind inszeniert wie Liebesszenen. Es liegt ein Gleiten, ein Schweben in Godards Bewegungen, das wunderbar harmoniert mit der getragenen Musik von Bands wie den Tindersticks, die in Filmen wie »Nénette und Boni« und »Trouble Every Day« die Tonspur entscheidend prägen.

Die Musik und die mit ihr verknüpfte Beweglichkeit stehen in ­Denis‘ Filmen für die Möglichkeit der Transformation. Der Körper der Choreographin Mathilde Monnier, die sie in dem Dokumentarfilm »Vers Mathilde« porträtiert, verändert sich beim Tanz, wirkt jünger. Die Kadrage ist oft zu eng für den Bewegungsrausch der Mitglieder ihrer Compag­nie, die Geschlechterunterschiede scheinen sich aufzulösen im Wirbel der Bilder.

2017 15 Dez.

Twin Peaks 3 – seduction

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„Twin Peaks: The Return might not have been the best TV series of 2017 (according to this poll, at least). Then again, it might not be a TV series at all. Earlier this month, Sight and Sound’s critics’ poll of the finest films of 2017 put David Lynch’s drama at No 2, ahead of Call Me By Your Name, The Florida Project and Dunkirk. The decision prompted howls of rage from snooty cineastes – but it was also quite fitting. Twin Peaks wasn’t interested in being constrained by categories and boxes; it could be anything you wanted it to be.

Still, The Return made most other TV series look small by comparison. It was smarter than most shows, funnier, stranger (obviously), sadder, more terrifying and – during a five-minute scene of a man sweeping a bar-room floor – more boring than most shows. It contained multitudes … and Michael Cera doing a Marlon Brando impression. It was pure televisual maximalism.“

(Gwylim Mumford, no. 3 of 2017´s TV series in The Guardian)

Wenn der Tempo mit dem Jukebox-Man kommt …

 

Es fehlt noch eine Liste, nämlich die, die über die Schallplatten Auskunft gibt, die in den Jukeboxen meiner Kneipiers im Jahr 2017 am häufigsten gedrückt wurden. Interessiert haben mich allerdings nur die gewünschten Scheiben, die im Jahre 2017 oder im Dezember 2016 erschienen sind. Wie ich an dieser Stelle schon mehrfach erläutert habe, bin ich auf die Aussagen meiner Jukeboxpächter angewiesen. Es gibt deshalb auch keine Platzierungen, sondern nur nur mehr oder weniger gleichwertige Nennungen. Interessant dieses Jahr: Neil Young ist gleich drei Platten vertreten, Van Morrison mit zweien und auch ansonsten treffen wir viele alte Bekannte: Ray Davis, Randy Newman, Willie Nelson, Santana, Lucinda Williams, das Penguin Cafe Orchstra u.v.a.

Neben den hier aufgeführten aktuellen Scheiben, werden vom Publikum einer Kneipe, das zeigt sich immer deutlicher, besondere Schwerpunkte gesetzt: in Hörnum sind es die Platten von Robert Wyatt, die gerne gewählt werden, in Cuxhaven eher die Songs von Brian Eno, anderswo wird Daniel Lanois gewünscht. Aber überall schätzt man die Musik zwischen 1968 und 1973, aus dieser Zeit werden zu gerne „Oldies“ gedrückt.

Eine der Jukeboxkneipen, die regelmäßig besuche, liegt abseits, in einem kleinen Dorf, kaum jemand kennt den Flecken. Bis vor wenigen Jahren gab es hier noch zwei Gaststätten, ein Lebensmittelladen, einen Schlachter, einen Bäcker. Alles weg, alles zu, die Schaufenster verstaubt, keine Auslagen mehr. Jetzt existiert hier nur noch ein Tattoo-Laden, der auch schon bessere Zeiten gesehen hat, vielleicht aber auch nicht, und eben die kleine Jukebox-Kneipe, die, nach Aussage des Wirts, auch kurz vor dem AUS steht. Als ich ihn neulich besuchte, meinte mein Freund, er hätte einen Plan für die letzte Stunde seines Ladens. Wenn das letzte Bier getrunken, der letzte Malt geschlürft, der letzte Gast die Tür hinter sich geschlossen habe, die Stühle auf die Tische gestellt seien, der Tresen geputzt, dann würde er absperren, sich einen Dalwhinnie Distillers Edition von 1997 eingießen und zum Schluss seine Lieblingsplatte von ASTRID auflegen, HIGH BLUES, und ERIK S wählen, das sei ein Stück von Erik Satie in einer unglaublichen Version, und ergänzt. „Stelle dir das mal vor, Gregor, die letzte Stunde dieser Kneipe mit dieser Musik. Das ist Trostmusik pur! „Musik“, so sprach er ganz leise weiter, „ist mein Lebensbegleiter, wie ginge es mir ohne ihn?!“

 

  1. Ray Davis: Silent Movie / Rock `N´ Roll Cowboy (Americana)
  2. Diagrams: Under The Graphite Sky (Dorothy)
  3. Jeff Tweedy: I Am Trying To Break Your Heart (Together At Last)
  4. Rhiannon Giddens: Birmingham Sunday (Freedom Highway)
  5. Timber Timbre: Velvet Gloves & Spit (Sincerely, Future Pollution)
  6. Father John Misty: Things It Would Have Been Helpful To Know Before The Revolution (Pure Comedy)
  7. Jane Weaver: Slow Motion (Modern Kosmology)
  8. Darren Hayman: Woodend (Thankful Villages Vol 2)
  9. Lucinda Williams: Six Block Away (This Sweet Old World)
  10. Justin Townes Earle: Maybe A Moment (Kid In The Street)
  11. Valerie June: Two Hearts (The Order Of Time)
  12. The Gift feat.Brian Eno: Love without Violins
  13. Sera Cahoone: Always Turn Around (From Where I Started)
  14. Seamus Fogarty: Shot Ballad For A Long Man (The Curios Hand)
  15. Randy Newman: Wandering Boy (Dark Matter)

 
 
 

 
 
 

  1. Santana & Isley Brothers: Higher Ground (Power Of Peace)
  2. Van Morrison: Automobile Blues (Roll With The Punches)
  3. Mountain Goats: Shelved (Goth)
  4. Willie Nelson: A Woman´s Love (God`s Problem Child)
  5. Dan Michaelson: First Light (First Light)
  6. Penguin Cafe Orchstra: Half Certainly (The Imperfect Sea)
  7. Josh Ritter: Showboat (Gathering)
  8. Tyler Childers: Lady May (Purgatory)
  9. Neil Young: (The Visitor)
  10. Simon Joyner: I´m feeling it today (Step into the Earthquake)
  11. Van Morrison: The Party Is Over (Versatile)
  12. Neil Young: Glass Accident (Peace Trail VÖ 12/2016)
  13. Neil Young: Pocahontas (Hitchhiker)
  14. Jason Isbell and the 400 Unit: Last Of My Kind (The Nashville Sound)
  15. The National: Nobody Else Will Be There (Sleep Well Beast)

 


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