Manafonistas

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Archives: Montag, 18. Dezember 2017

„I was dancing / When I was twelve“. Als ich ein Teenager war, bekam ich eine Platte in die Finger, die mich nie mehr losliess. Ich hörte sie erst heute wieder, ich mochte den Sänger sowieso und kannte ihn schon von einem früheren Album, das sehr folkig, sehr psychedelisch, sehr abgedreht, und voller irrwitzig schöner Melodien war. Wenn ich schön schreibe, schreibe ich nicht das Wort schön, das Deutschlehrer gerne rot ankreuzen, ich schreibe das Wort schön bei klarem Bewusstsein seiner unspezfischen Aussagearmut, dicht an der letztlich ins Visier genommenen Sprachlosigkeit. Dann kam ELECTRIC WARRIOR von T REX, und das schlug bei mir so ein wie, vorher wie nachher, diverse Alben, die das Innerste nach aussen kehren, und wieder zurück. Marc Bolan starb hundert Jahre zu früh.

In dem Jahr, als ELEKTRISCHER KRIEGER erschien, stellte ich wohl meinen privaten Masturbationsweltrekord auf, indem ich sechsmal Hand an mich legte. Mindestens dreimal dachte ich dabei an eine evangelische Pfarrerstochter, bei der ich keine Schnitte bekam, was sehr schade war, da ich reines Herzens war und für sie sogar ein paar Pferde von der Ponderosa gestohlen hätte. In jenen Jahren der sogenannten Pubertät, die eigentlich ELEKTRISCHES KRIEGERLAND heissen müsste, als die Musik, mehr noch als in der frühen Kindheit, Seelennahrung wurde, waren diese auserwählten Schallplatten Schutzschild, Kampfzone und Sehnsuchtsstoff zugleich.

Und jetzt kommt die Pointe: als ich die Platte nun wieder hörte, von Anfang bis Ende, und noch einmal, gab es keinerlei Erinnerungstaumel, ich setzte meine Rüstung auf, schwang mich aufs Pferd, und machte mich auf den Weg zur schönsten Frau der Welt. Und mithin ist das letzte Bild dieser Geschichte eine Staubwolke ohne jede symbolische Bedeutung. Ausser vielleicht, ich gestehe es in aller Unbescheidenheit, weil mich die dummen Bemerkungen von anderen schon lange nicht mehr berühren, ich bin nun mal schneller als der Wind. Daher die Staubwolke. Und wenn sie nun meinen, das sei alles erfunden und vollkommener Stuss, dann irren Sie sich gewaltig. „You‘re dirty and sweet, clad in black / Don’t look back, and I love you.“

2017 18 Dez.

Sailors´ Tales

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Auf dem kleinen Manafonistastreffen vor einiger Zeit konnte ich endlich Gregors Jukebox (Zweitausgabe) und den Plattenschrank bestaunen – beides im Original noch faszinierender als in meiner Fantasie. Gregor nannte die Zahl seiner Audiokassetten, ich kam mir eine Sekunde lang vor wie in einem dieser Kartenspiele für Jungs aus Kindertagen, in denen es darum ging, den anderen mit mehr PS und einer kürzeren Zeitspanne für die Beschleunigung von 0 auf 100 kmh zu toppen. Wahrscheinlich sind diese Spiele heutzutage verboten und nur noch auf dem Schwarzmarkt erhältlich. Die Wahrheit ist, dass ich die Zahl meiner Audiokassetten gar nicht kenne, weil ich sie nicht gezählt habe. Die Zeiten, in der ich wegen meiner Begeisterung für Audiokassetten belächelt wurde, sind nun auch vorbei. Der Romantik- und Charmefaktor ist langfristig einfach überzeugend, auch ohne Retrotrend. Es gibt aber etwas, worum Gregor mich beneidet. Ich legte die Karte „Bist du in der Lage, deine Audiokassetten mit einem im Auto eingebauten Taperecorder zu hören?“ auf den Küchentisch und Gregs musste kapitulieren. Bei mir gehört die Frage, welche Kassetten ich mitnehme, zum Ritual vor jeder Autofahrt. Meist ziehe ich intuitiv eine der Schachteln oder Boxen aus meinem Plattenschrank und hole, ohne großartig zu recherchieren, zwei oder drei Kassetten heraus. Neulich war es wieder einmal die Kassette, deren A-Seite vor der Auflistung der Tracks mit der zusammenfassenden Beschreibung „Osterhorizonte 2011 – 70er Revival“ beschriftet ist. Die Kassette beginnt mit einem Stück, das ich im Lauf der Jahre immer wieder zurückgespult und schon hunderte Male gehört habe: Mathias Eick: Oslo, aus dem Album Skala. Nun stammt das Album nicht aus den 70ern, es war an Ostern 2011 neu oder kurz vor seinem Erscheinen, aber meine Beschriftung kann auch irreführend sein; vielleicht war das Stück bei der mehrstündigen Sendung in einer der Osternächte, auf die ich mich immer gefreut habe, auch nicht dabei, und ich habe es an den Beginn einer Kassette platziert, um es leichter zurückspulen und immer wieder hören zu können. Von der Moderation habe ich mir nur die Stichworte „doppelte drums“ notiert und erst jetzt habe ich mir das Video dazu angesehen mit den fantastischen doppelten Drums im Hintergrund des Quintetts und im Vordergund Mathias Eick mit der Trompete, alles schwarzweiß. Das Stück ist von einer wunderbaren Ruhe und der Kraft einer inneren Bewegung zugleich. Etwas später folgen einige Tracks aus King Crimsons Album „Islands“ (1971). Bei der Beschriftung der Kassette habe ich aus Michaels Moderation diesen Satz notiert: „Sein Gitarrensolo war seiner Zeit weit voraus“. Sailors´ Tales.

„Und so ist die Anwesenheit singender Mönner in Kriminalfilmen immer auch Vertreiben und Verwalten des Schreckens, heitere Melancholie, und Trauerarbeit, ein ums andere Mal. In einem der besten Tatorte aller Zeiten sang kein Kommissar, es war ja auch Kölner Karneval, als das surreale Drama begann, und Samuel Fuller die grandiose Musik von Can als Kontrapunkt nutzte.“ 

 
 
 

 
 
 

Da ich das Schöne als mein Gebiet betrachte, richtete sich meine nächste Frage auf die Tonart ihrer vollkommensten Repräsentation – und alle Erfahrung lehrt, daß diese Tonart eine der Trauer ist. Schönheit jeglicher Art bewegt in ihrer höchsten Entfaltung die empfindsame Seele unvermeidlich zu Tränen. Melancholie ist daher die rechtmäßigste aller poetischen Tonarten.

 
 

Es fing mit Paul Stöwer (Manfred Krug) und Brocki Brockmüller (Charles Brauer) an und wurde zum Massenphänomen: Tatort – Kommissare lieben es offensichtlich zu singen, entweder bei einer Fahndungspause im Film oder im anderen Leben auf der Bühne oder im Club. Meine nicht verifizierte These heißt: keine andere Berufsgruppe singt so viel wie die Tatort-Kommissare. Außer vielleicht Cowboys. Auf keinen Fall Serienärzte. Irgendwo in den Archiven der Manafonistas befindet sich eine Liste mit ca. 20 singenden Tatort-Kommissaren.

 
 

„Bin grad zufällig auf diesen Blog gestossen und würde gerne ein paar Dinge klar stellen: Ich bin seit 2007 kein Tatort-Kommissar oder besser kein Side-Kick mehr … allmählich hat sich das, glaub ich, rum gesprochen.Ich bin derzeit im Hauptberuf Musiker und als solcher stehe ich allein dieses und nächstes Jahr mit meinem Solo-Programm über 200 Mal auf den Bühnen landauf landab. Ich bin im Nebenberuf Schauspieler, der in den vergangenen 40 Berufsjahren unterschiedlichste Fernseh-Rollen spielt und gespielt hat u.a. eben auch 17 Jahre lang den „Carlo Menzinger“. Mit meinen beiden Ex-Kollegen habe ich viele Jahre und zwar ausschließlich einmal im Jahr, kurz vor Weihnachten, gemeinsam für einen guten Zweck Musik gemacht. Sonst haben wir musikalisch miteinander nichts zu tun. ALLES KLAR ?“

 


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