Ich hatte den Film nicht ausgewählt und wusste nur dessen Titel (nämlich „Innen Leben“), dass es um Bewohner eines Hauses geht und dass der Film vor einiger Zeit von der Kulturzeit empfohlen wurde, ich wusste nicht einmal, an welchem Ort der Film spielte. Das war mir eigentlich zu wenig, aber nun war die DVD da und ich dachte, zehn Minuten bin ich auf jeden Fall dabei. Da war das sorgenvolle Gesicht eines alten Mannes mit Bart, der eine Zigarette rauchte und in einen ungepflasterten Innenhof blickte. Ein paar Autos, Geröll. Frauen stehen am Fenster hinter Gardinen. Zwei Mädchen wollen ins Bad. Auf der Ablage über dem Waschbecken sind an die zehn Zahnbürsten in zwei Zahnbechern verteilt, das Wasser befindet sich in einer großen blauen Plastiktonne. Eine zusammengewürfelte Gruppe, teilweise miteinander verwandt, befreundet, liiert, vielleicht verliebt, und ein Baby. Eine großzügige und durchaus bürgerlich eingerichtete Wohnung, die sich als die einzige noch bewohnte Wohnung im Haus herausstellte, weil die anderen Hausbewohner längst geflüchtet sind. Es dauert einige Minuten, bis gesprochen wird, weil etwas passiert ist, was nicht weitergesagt werden soll. Es ist die ältere Lady, die hier das Sagen hat. Sie hat schon so viel verloren, und auf keinen Fall wird sie diese Wohnung verlassen. Das junge Paar mit Baby plant hingegen, die Stadt noch in der folgenden Nacht zu verlassen. Die Wohnungstür ist mehrfach verriegelt, jedes Klopfen eine Bedrohung. Der Blick durch den Spion: Drei Männer im Treppenhaus. Das ist alles, was wir von außen sehen: das Treppenhaus und den Blick auf den Innenhof. Manchmal funktioniert das Radio. Wir befinden uns im syrischen Bürgerkrieg, aber es könnte auch ein anderer Krieg sein. Während dort die Bomben fallen und niemand weiß, wie lange die Wohnung noch ein Schutzort ist, knallen hier seit Stunden schon die Böller, weil niemand mehr Geduld hat, bis Mitternacht zu warten. Leuchtraketen zischen in den Himmel. „Innen Leben“, ein Film von Philippe Van Leeuw, zeigt das Leben in einer Wohnung in einem Kriegsgebiet im Zeitraum eines Tages. Ein spannendes Kammerspiel, von der ersten bis zur letzten Minute.
Archives: Sonntag, 31. Dezember 2017
Meinen nächsten Eintrag gibt es am 6. Dezember 2018, if i‘m still kicking, well and alive. Es wird der Jahresrückblick 2018 sein, mit Gregs. Ausgewählte Radiosendungen werden ggf. eine Zeitlang gepostet, in Absprache mit Joey. Bitte hier keine öffentlichen Wetten auf die Haltbarkeit meiner Ankündigungen abschliessen, keine Danksagungen und Flüche! :) – auch b l e i b e ich Manafonist und betreue, mit eigenen und geborgten Texten, die Monatsauswahl der speziellen Empfehlungen. Ohne den üblichen, begleitenden „Mini-Essay“ allerdings. Wenn dieser Blog weiter lebendig bleibt, nur dann natürlich. Die „thriller of the month“-Sektion fällt weg (Lisa Sandlins Kriminalroman ist exzellent), die „time travel“-Kolumne ist sehr variabel auslegbar, gut so.
Die Gründe. Ich habe diverse Projekte laufen, die es unmöglich machen, hier in gewohnter Schlagzahl präsent zu sein. Dazu zählt eine neue Tätigkeit als beratender Psychologe in einem mittelständischen Wirtschaftsunternehmen.
Da ich da diverse Verschwiegenheitsklauseln unterschreiben musste, kann ich nicht konkreter werden. Wer glaubt, dies sei eine typische Michael-Geschichte, irrt. Ausserdem werde ich in meinem alten Beruf als Dipl. Psychologe noch in anderen Feldern aktiv, und wieder Psychotherapien machen. Zudem leite ich ein neues kleines Team von luziden Träumern an.
Und da noch eine zeitintensive vierte Tätigkeit hinzukommt, die das S c h r e i b e n betrifft, ist der Entschluss naheliegend und konsequent. Keine Laune des Augenblicks. Ich bleibe dabei, und bin doch fort. Meine private Emailadresse ist die leichteste Art, mit mir in Kontakt zu treten. Gute Balance. Das Leben ist ein Abenteuer.