Manafonistas

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Archives: Montag, 27. Juni 2016

www.punktfestival.no

 

„Punkt 2016 continues the festival’s genre-blind quality focus: From British Three Trapped Tigers‘ high energy progressive rock, to the melodic, seventies-inspired wonders of last year’s Norwegian pop sensation Band of Gold. From well-known names for the Punkt audience like Stian Westerhus and Bugge Wesseltoft’s New Conception of Jazz, who celebrate their 20th anniversary this year, to new acquaintances Erlend Apneseth Trio and pianist Ingfrid Breie Nyhus.

There will also be a focus on the legendary German label ECM: Founder and producer Manfred Eicher visits us to talk about the label, and Punkt features the release concert for one of ECM’s main releases this year: the album „Atmosphères“ by the new constellation Tigran Hamasyan / Arve Henriksen / Eivind Aarset / Jan Bang.

The audiovisual aspect has always been important at Punkt. This year’s co-operation with Kristiansand Kunsthall is an exhibition by the profiled light and video artist HC Gilje.

As always, all concerts will be remixed live. Remixers and seminar holders will be announced later.“

 
 
 

 
 
 

P.S. Last decisons made. I will be one of the seminar holders, doing my second „Electronic Griot“-lecture at Punkt. Though I have no idea of the storylines yet, I can suggest offering the one and other ECM story, and will definitely try not to mention the name „Brian Eno“ a single time during my 40, 45 minutes. The starting ideas are to include some sounds of (and thoughts about) „The Duke of Burgundy“, one of the most inventive erotic films of recent years, and Robert Macfarlane’s book „Old Ways“. The photo has been shot in my Lugano days during the recordings of Tigran Hamasyan’s „Atmospheres“. (m.e.) 

Tauchte Götz George nicht in den Sechzigern in Karl May-Verfilmungen auf, statt, seinem später sichtbar werdenden Können entsprechend, die „Neue Deutsche Welle“ zu bereichern? Wie hätten Wenders-Filme mit dem widerspenstigen George Jr. gewirkt? Dies ist kein Nachruf, dies ist eine Erinnerung an die Rolle, in welcher der Sohn des Übervaters Heinrich mir am meisten bedeutete: Schimanski. Da fand ich einen Wahlverwandten, der als Kind des Ruhrgebiets die Kneipen, die Huren, und den Wert guter Freunde kannte (unvergessen der grossartig-miesgrämige Eberhard Feik an seiner Seite, viel zu früh gestorben). Gestorben wird in diesem Jahr genug, und jetzt trifft es auch meinen liebsten Tatort-Kommissar. Was heute entweder so blöd ist, dass es wehtut (die Humorschleifen aus Münster), oder endlos betroffenheitsbemüht (Tatort als Sozialkundeunterricht), erlaubte damals, mit den Herren Kressin und Schimanski, noch dezente Fernsehanarchie. Wie selten sind Tatorte geworden wie der von Samuel Fuller gedrehte (oder sollte ich sagen: „geschossene“) „Tote Taube in der Beethovenstrasse“ (mit der fiebrigen Musik von Can), oder die pöbelnde, rumpelnde Schwarzweisswelt des von Hajo Gies eingefangenen Kohlenpotts? Die Stahlindustrie war im Niedergang begriffen, viele alte Brauereien verpassten den Sprung in die neue Zeit und verschwanden in der Abteilung Ruhr-Kultur. Und in diese grau gewordenen Welt, in der Knallchargen wie Duran Duran den Soundtrack des Zeitgeists lieferten, brachte Schimanski eine ungebrochene Vitalität, einen ganz und gar ungestylten Mix aus Aggressivität und Gerechtigkeitsliebe. Ich war in den unwilden Achtzigern (in den sich zuviele Hippies in Yuppies verwandelt hatten) mit  einer Prostituierten aus dem Dortmunder Milieu gut befreundet (ein kluges Wesen mit scharfer Menschenkenntnis, von der sich so  manche Öko-Tanten im Kreuzviertel ein paar Scheiben hätten abschneiden können), ich sah, kurz vor einem Konzert von Mal Waldron im Domicil, Pistolenschüsse im Norden der City aufblitzen, eine Abrechnung unter Gangstern, ich trank einen Abend lang unendlich viel Bier (bis zum ersten und einzigen Filmriss meines Lebens). Wenn ich zurückdenke, werde ich nicht von Nostalgie befallen, aber weh tut es dann doch, an einem Tag wie heute, die Bilder von Schimanskis grossem Abschied vor mir zu sehen (die Comebacks lassen wir mal aussen vor), als er über den Rhein segelte, frei schwebend durch die Lüfte, und alle Schwerkraft für Momente aufgehoben war. That’s the way life goes, that’s the way death works. 

 

 
 
 

Fünf Jahre lang, von 1975 bis 1980, war der kanadische Komponist Howard Shore der „musical director“ der wöchentlichen US-Fernsehshow Saturday Night Live, zu deren Schöpfern er auch gehörte. Um dieselbe Zeit herum begann er auch mit dem Regisseur David Cronenberg zusammenzuarbeiten und hat seitdem die Musiken zu 15 Filmen geschrieben, darunter Crash, Naked Lunch, Ed Wood, Se7en, The Silence of the Lambs und Mrs. Doubtfire. Auch eine Oper, The Fly, hat Shore komponiert. Seine bekanntesten Musiken aber sind ganz sicher jene für die Lord of the Rings- und The Hobbit-Trilogien.

Die gab es natürlich auch alle in Ausschnitten im gestrigen „Pops“-Konzert des Pittsburgh Symphony Orchestra zu hören. Die „Pops“-Konzerte, bis zu dessen Tod im Jahr 2012 von Marvin Hamlisch geleitet, erkennt man vor allem daran, dass die Musiker Weiß statt Schwarz tragen, das Publikum auch während der Stücke durch die Gänge rennt, nach den Stücken nicht nur geklatscht, sondern auch gejohlt wird (denn wegen der Smartphones in der Hand ist Klatschen in vielen Fällen nicht mehr möglich) und die altehrwürdige Heinz Hall (benannt nach dem Ketchupfabrikanten) mit einer PA und buntem Licht aufgepeppt wird.

Offensichtlich, das wurde mir schnell deutlich, eignet sich nicht jede Filmmusik automatisch zur Konzertmusik. Auch die im ersten Teil des Abends praktizierte Methode, die Musik aus den Hobbit-Filmen zu einer vierteiligen Suite zusammenzufassen, ist nicht ideal, zumal mir die Dramaturgie innerhalb der Teile nicht immer stimmig zu sein schien und die Unterbrechungen mir auch etwas beliebig gesetzt vorkamen. Aber man muss wohl in Rechnung stellen, dass heutige Filme wie diese mit einem fast permanenten Soundteppich unterlegt sind, während Filme noch in den 70er Jahren kaum mehr als insgesamt 15 oder 20 Minuten Musik enthielten. Da fallen Suiten leicht mal auseinander.

Zudem fiel mir auf, dass Shore keine Handschrift besitzt, die man sofort erkennen würde. Filmmusiken von Künstlern wie Nino Rota, Ennio Morricone, John Williams, John Barry oder Hans Zimmer erkennt man nach wenigen Takten am Stil oder der Melodieführung. Nicht so bei Shore. Handwerklich ist er fit, Melodien sind aber eindeutig nicht seine Stärke. Dafür allerdings bieten seine Kompositionen einem Orchester die Möglichkeit, ein paar Dinge aufzufahren, die im sinfonischen Programm sonst eher selten vorkommen – etwa Bongotrommeln, Metallklänge, Singende Säge, Donnerbleche, Regenmaschinen.

Unter der Leitung des Dirigenten Ludwig Wicki, der bewegungstechnisch permanenten Alarmzustand signalisierte, selbst wenn die Musik völlig ruhig dahinfloss, traten außerdem eine Reihe von Solisten auf – die Mezzosopranistin Eva Rainforth, die leider latent gewürgt klang, der exzellente Altsaxophonist Terry Steele, die Dudelsackpfeifer Colleen Poe und Palmer Shonk, der Knabensopran Maksim Shcherbatyuk (der spätestens in einem halben Jahr aus dieser Rolle herausgewachsen sein dürfte). Und – für mich der Hauptgrund des Konzertbesuches – Lydia Kavina am Theremin.

 
 
 

 
 
 

Wer mal irgendjemanden (wie etwa Jean Michel Jarre oder sich für postmodern haltende Popgruppen) live mit diesem Ding herumdilettieren gesehen (und gehört!) hat, der kann nur staunen, wie unglaublich präzise dieses Biest gespielt werden kann – wenn man es denn kann. Und Lydia Kavina kann. Ihr Solo zur Ed-Wood-Musik gehörte zu den Höhepunkten des Abends.

Leider überschritten alle Solisten des Abends kaum mal die Dreiminutenmarke, bevor sie wieder verschwanden. Das war, seien wir ehrlich, in den meisten Fällen kein großer Verlust, im Falle Kavina aber sehr wohl. Da hätte man gern mehr gehört.

Bleibt noch anzumerken, dass Howard Shore selbst anwesend war und, mit einem Interviewer auf der Bühne sitzend, kurze Einführungen zu den jeweils gespielten Stücken gab. Auch wenn die Gespräche einen gescripteten Eindruck machten: Das immerhin war interessant.


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