Manafonistas

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Archives: Mittwoch, 15. Juli 2015

Vielleicht hatte mich Christopher in meiner Abwesenheit besucht. Jedenfalls fiel mir auf, dass er einige Hauptwerke einfach uebersehen hat. Das will ich gerne nachholen und drei Buecher etwas vorruecken, damit er Titel und Autor gut erkennen kann. Er hat doch glatt Paul Feyerabend nicht wahrgenommen. Paul Feyerabend gehoert mit seiner Freiheitsphilosophie zu uns wie Jefferson Airplane mit „Feed your head“.

Wenn ich Chris vor meinen Buecherregalen getroffen haette, dann waere er an Jean Starobinski „1789“ nicht vorbeigekommen. Ich haette ihm gesagt, dass er diesen „Medizinmann“ und Kulturkritiker nicht ausser Acht lassen darf. Dass er die „EMBLEME DER VERNUNFT“ aufschlagen soll und das Gemaelde von Hubert Robert: „Die Bastille in den ersten Tagen der Zerstoerung“ ansehen soll. Starobinski fuehrt uns in die finsteren Kellerphantasien von Piranese, die hier Ian schon bewundernd vorgestellt hat, und leitet uns hinaus aus der Dunkelheit in die Aera des Lichts.

Heute herrschte grosse Freude in meinem Haus, als ich las, dass Gerhard Richter und Baselitz und weitere Maler sich nicht einsperren lassen wollen, sondern ihre Schaetze aus den Museen nehmen werden, falls das neue Gesetz ihre in grosser Freiheit geschaffenen Tableaus einsperren wird. Sie praktizieren damit die europaeische Aufklaerung, ueber die Starobinski schreibt.

Jochen hat hier schon Boris Groys vorgestellt. Ich folge ihm mit der Empfehlung des Buches: „Die Kunst des Denkens.“ Warum gehen wir denn in die Museen? Warum ist Michael so sehr von Bonnard begeistert? Weil wir dort die Schoenheit sehen und vergleichen koennen und mit ihr in Diskurs treten.

Es waere sehr spannend gewesen, Paul Feyerabend und Boris Groys auf einem Podium zu erleben und ueber die Freiheit in der Wissenschaft und die Freiheit in der Kunst sprechen zu hoeren.

Weil das nur Wunsch bleibt, erfuelle ich mir zwei Musikstuecke, die aus einer weiten Gegenwart stammen: Peter Wolf/ TRAGEDY und Mink DeVille/ MAYBE TOMORROW.

2015 15 Juli

Friday Night

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2015 15 Juli

Aros Air 1

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©FoBo
 

2015 15 Juli

A Story Of Water

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„Many of Bonnard’s paintings draw the viewer int the realm of the bathroom, to capture the relaxed, natural scene of a woman washing and also the complicity between painter and model. Every aspect of the decor plays a part in eroticising these rituals, which are framed to partially reveal or hide the naked body in order to fan the flames of desire. Wallpaper in warm hues, tiles, rugs, accessories, mirrors, and curtains filtering the light, all envelop the woman in a vibrant aura.

The model for most of these nudes was Bonnard’s partner Marthe, but the identity of his other models has little bearing on the works as they embody a feminine ideal in his painting: slim, pearly-skinned, pert-breasted and faceless.

The artist married Marthe in August 1925 and his mistress, Renée Monchaty, committed suicide a few weeks later. He began a series of nudes in the bathtub depicting a passive, horizontal body viewed from above through the transparent water. The space is transfigured by the shimmering colours and light. Planes and materials merge into one. This magnificent display, in a humble bathroom transformed into a palace from The Arabian Nights, only partially mitigates the air of ambiguity which these scenes exude.“

 
 
 

 

Südafrika, Bukarest, Paris, die Caribou Mountains im Westen Kanadas (British Columbia) – Manafonisten und ihre Freunde kommen viel herum. Man kann nie sicher sein, in welcher Landschaft sich Lajla gerade herumtreibt, wohin es Gregor diesmal zieht (das ruhige Mittelmeer, der wilde Atlantik).

Am 15. August wird es noch zu früh sein, das neue Album eines anderen Weltreisenden in den „Klanghorizonten“ vorzustellen, denn es wird erst kurz vor Herbstanfang erscheinen, und aufgrund seiner Veröffentlichung bei Nonesuch im Frühjahr wird das zweite Album des armenischen Pianisten Tigran Hamasyan als erstes erscheinen, weil es sich klanglich in ganz anderen Regionen bewegt.

Man erinnere sich, bei seiner anderen Aufnahme (mit Bang, Henriksen, Aarset) war ich in Lugano zeitweilig dabei, und übe mich nun bis zum Frühjahr oder Herbst 2016 in Geduld. Wenn die Blätter fallen, gibt  es erstmal  “Luys i Luso” zu hören, ECM 2447: Tigran Hamasyan: piano / The Yerevan State Chamber Choir, eine Erkundung der sakralen Musik Armeniens, in dem Jahr, in dem überall die Erinnerung an den Völkermord (Genozid, 1915) am armenischen Volk erinnert wird.

Diese Produktion umfasst Werke aus dem Zeitraum vom 5. – 20. Jahrhundert, wobei, so vermeldet es jedenfalls das ECM-Hauptquartier, Hamasyans Erfindungsreichtum in Verbindung mit dem Gesang des Yerevan State Chamber Choir eine neue Form des dramatischen Ausdrucks hervorbringt. Luys i Luso (Licht aus Licht) wurde im Oktober 2014 in Yerevan aufgenommen und von Manfred Eicher produziert. Viele Länder bereisten Tigran und der Chor in diesem Jahr. Was sie wohl in der Türkei erlebten!?

Sakrale Musik auf ihren religiösen Zusammenhängen zu lösen, ist eine Aufgabe, die auch beherzte Atheisten wie Brian Eno spielend bewältigen, den ein Schwarzer Gospelchor in Manhattan einst zu Tränen rührte, als anrührendes Erlebnis tief verbundenen Gemeinschaftsgefühls. Mal sehen, mal hören, was sich bis zum Höhepunkt des Sommerlochs, dem 15. August, noch an Erstaunlichem auf meinen Tonträgern wiederfinden wird.

Jetzt, wo es viele Manafonisten in die Ferne und Nähe zieht, ist es immer auch die Zeit, sich für die ideale „Strandlektüre“ zu entscheiden. Wir nennen es mal so, auch wenn es jemanden in die Berge lockt, oder zu einer Seenplatte in British Columbia. Unterwegs lesen bedeutet stets, eine zweite Welt wie in einer Nussschale mit sich zu führen. Gerne warne ich an dieser Stelle vor zwei überschätzten und gehypten Romanen, die ich mir als Hörbücher zu Gemüte führte, und die ich als reine Buchlektüre spätestens nach 100 Seiten vermüllt hätte. Das in Deutschland erschienene, überall gefeierte Debut „Girl on a Train“ von Paul Hannah (die Filmrechte waren schon vor Erscheinen an Dreamworks verkauft), und T. C. Boyles „Hart auf hart“. Ganz schwache Romane, denen in Bälde ein paar Gedanken gegönnt werden, nach dem Motto: wie kann um solche simpel gestrickten Bücher ein solcher Rummel entstehen?

Da empfehle ich mit gutem Gefühl folgende Alternativen: „Mr. Mercedes“ von Stephen King (auch in der ungekürzten Hörbuchversion, die derzeit bei mir auf lange Fahrten läuft, ich bin in der zweiten Hälfte, und es ist durchweg fesselnd, ein Kriminal-, kein Horrorroman), die Neuübersetzung von Harper Lees Klassiker „Wen die Nachtigall stört“, und, „Ende einer Geschichte“ von Julian Barnes.

„The Traveling Kind“ ist der Titel des aktuellen Albums von Emmylou Harris und Rodney Crowell. Im Titelstück geht wohl auch um die „community“ der Einmal Dagewesenen, von Gram Parsons bis Townes Van Zandt. Allesamt Drifter. The Traveling Kind …

 
 
We don’t all die young to save our spark
From the ravages of time
But the first and last to leave their mark
Someday become the traveling kind

In the wind are names of poets past
Some were friends of yours and mine
And to those unsung, we lift our glass
May their songs become the traveling kind

We were born to brave this tilted world
With our hearts laid on the line
Be it way-crossed boy or red dirt girl
The song becomes the traveling kind

There are mountains worth their weight in gold
Mere mortals dare not climb
Come ye tipsy, sainted, sinners both
And claim them for the traveling kind

When the music slowly starts to fade
Into the light’s last soft decline
Let us lie down in that evening shade
And rest among the traveling kind

And the song goes on for the traveling kind 

 


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