Manafonistas

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Archives: Montag, 23. Juni 2014

 

a u d i o

 

Frühsommer, Moers am Niederrhein …
 
 
 


 
 
Vom schönen Lärmen seitens Arto Lindsay und Paal Nilssen-Love beim diesjährigen Moersfestival war ja schon die Rede. Der Gegenpol waren die wunderbaren Teile Regenmusik von Robyn Schulkowsky und Joey Baron.

Arto Lindsay hab ich zum ersten Mal beim Mann im Fahrstuhl von Heiner Goebbels gehört. Ist auch schon wieder 25 Jahre her. Don Cherry spielte, Fred Frith und und.

Fred Frith war auch in Moers wieder mit von der Partie. Mit einer jungverjüngten Gravity Band.
 
 
 

 
 
 
Paal Nilssen-Love ist die Unstetigkeit in Person und bewegt sich auf dem (vorläufigen) Höhepunkt seines Könnens.
 
 
 


 
 

Die diesjährigen Sessions waren im rein klimatisch-physischen Sinne absolut heiss.
 
 
 


 
 

Helge Schneiders scharf genäselte haushaltlichen Mitteilungen waren eine Wonne des Ineffektiven, die Kontraste im Programm durchgängig wunderbar, die neue Halle wurde auch bei den zufällig herrschenden subtropischen Begleiterscheinungen angenommen, der Ufo von Marshall Allen konnte landen, finnische Rapper, Salvador-de-Bahia-Jazzer, isrealische Rillenzieher und heitere norwegische Klanggleiter konnten Staub aufwirbeln.
 
 
 


 
 

Was es sonst noch gab (eine Menge Gutes) und wie’s war, ist HIER nachzulesen. Musik ist und bleibt in erster Linie ein Live-Geschehen. Wer bei live an die Platte denkt, der/die … und wer bei Platte an live denkt, der/die …
 
 
 


 
 

Ach ja, Marc Ribot brachte verknitterte Protestsongs. Sein Gitarrenlehrer, Franz Casseus, ein Freund der Familie, hatte übrigens einen haitianischen Hintergrund (keinen kubanischen). Ribot ging jungspundisch u.a. durch die Schule von Chuck Berry (was man ja gut hören kann). Ja, und Stefan Hentz deutet im Zusammenhang mit Sun Ra – rückschauend auf das 1979er Moers-Konzert des intergalaktischen Meisters – sehr treffend das afro-amerikanische Bedeutungsverwirrspiel um die tief in afrikanischen Kulturen verwurzelte Königsfigur und deren Ikonographie an.

Marshall Allen war wohl der älteste teilnehmende Musiker des Geschehens,
 
 
 


 
 

Marte Eberson wohl die jüngste.
 
 
 


 
Photos © FoBo_HenningBolte
 
 
Bild 2: Kaethe Hostetter, Marië Abe. Bild 4: Wilbert de Joode, Fred Frith, Jordan Glenn. Bild 5: Sjur Miljeteig. Bild 6: Steven Bernstein

 

 

 

Bevor nun der Reiter erneut sein schwarzes Roß sattelt und teufelsgleich einen altersgemäß kontrolliert ekstatischen Ritt in die Sommerlandschaft unternimmt – für den der geeignete, ihn begleitende Soundtrack vielleicht die Christopher-Cross-Songs Ride like the wind und Sailing wären oder das von Sting in Wildwestmanier gecoverte Hung my Head, das ja vom Leichtsinn singt, weil einer Rast macht und die Rifle ausprobiert, als Ziel seines Spiels aber fatalerweise eine Lebendattrappe wählt und somit fortan als Gehängter (el colgado) gilt – nimmt er die Gelegenheit wahr, falls er dann irgendwo auch am Galgen baumeln sollte oder an einem Schild für Vorfahrt, die er nicht gewähren wollte, seiner Nachwelt obenstehend ein seit längerem gewähltes Lieblingszitat quasi als Erbschaft zu übermitteln. Es entstammt dem Buch Logik der Sorge des Philosophen Bernhard Stiegler, der während seiner Inhaftierung aufgrund eines bewaffneten Banküberfalls in seiner Zelle zur Philosophie fand und inzwischen zu den bedeutenden zeitgenössischen Denkern Frankreichs zählt. Sein Buch mahnt den Verlust der Aufklärung durch Technik und digitale Medien an, einhergehend mit dem globalen Schwinden der Aufmerksamkeit und einer Infantilisierung der Gesellschaft, die beispielsweise Erziehungsberechtigte davon entbindet, Verantwortung und Vorbildfunktion zu übernehmen. Der vom Autor verwendete Begriff Retention fällt ins Auge: die Fähigkeit, in den gegenwärtigen Moment auch das (unmittelbar) Vorangegangene zu integrieren. Ein weiterer markanter Begriff: die Psychopharmaka – sie bezeichnen unter anderem fertige Kulturleistungen, die gar nicht mehr in ihrer geschichtlichen Entwicklung beziehungsweise Komplexität nachvollzogen, vielmehr ohne Respekt gegenüber Künstlern, Wissenschaftlern und Produzenten (per Mausklick) konsumiert werden. Was mich beeindruckt am Denken Stieglers, das sich zunächst schwer erschließt (die Franzosen, die spinnen, denkt man sich), sind seine Schärfe und Triftigkeit, die ja laut allgemeinem gesellschaftlichen Konsens in der Philosophie besser aufgehoben sind als in der Räuberei.

The smile, well, I was there, in Eno’s studio, at the early sessions of this project. This doesn’t influence my subtle degree of enthusiasm, believe me! There is no stiff agenda in the ongoing collaboration between Brian Eno and Karl Hyde. The only routine may be to break the rules of decent, nostalgia-driven recyclings. Finding deep pleasure in free improvisations with the help of some inventive spirits as well as pre-recorded programming & samples. At their hands collective ideas materialize into promising shapes.

But, well, patience is the mother of thrill-seeking! There might have been false beginnings, wrong endings, the whole baggage of losing something, missing something, and getting lost in the „free improv“-approach. You just have to be ready not to miss the rare tickets for the unholy grail, and then you’ll fire on all cylinders, – a piece of crap turns into a shining tune, every wrong footstep can land on fruitful ground.

Nothing comes out of nowhere, because there is no nowhere in the vast spaces of the unconscious. Every „nowhere“ in the creative process is a buried treasure, a stand-by modus of the dreaming mind. Of course these guys have their tastes and preferences and desert island grooves spinning around: they love the call-and-response patterns of Fela Kuti, the merciless repetitions and „forward momentum“ of Steve Reich’s classic works, or the funky expressionism of the Talking Heads in their salad days.

At the same time nothing is more boring than play homage with undoubtably good taste, decent tunes, perfect timing and a self-conscious „those were the days“-state of mind. What you get on „High Life“ is a fabulous collection of six oblique, diverse and coherent tracks, producing simultaneously disorientation and deja vu. Strange lyrics are part of the game, too: „The door between us is Lilac / and made of something like light / but not“ („Lilac“). The listener who is ready to enjoy this music at his or her own risk will be lost in distant echoes resembling certain stylistic spheres that receive a continuous deconstruction of the extraordinary kind.

How can a record that contains hard-strumming guitar parts, liquid half-buried-in-the-mix-vocals, gospel-tinged pseudo-disco-vibes, catchy slow motion melodies on the verge of „last breath-syndrome“, short prog-rock shots (from a deserted area of the court of the Crimson King), be such a rewarding and deep listening experience (rather than being a quite nice visit to a curiousity shop)? A short answer? „There’s simplicity in it“, Eno sings on the last track, a vintage „ambient song“. Yes, simplicity. And intricacies, too, but hard to tell the difference. Don’t trust first impressions. Listen sideways. 

 
 
 

 


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