Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Archives: Montag, 9. Juni 2014

 

 
 
 
My Father´s Tapes
 
Mein Vater war ein begeisterter Opernliebhaber. Ich kann mich noch gut erinnern, als Kleinkind dem endlosen Kreisen der Tonbandspulen zuzusehen, während aus dem Lautsprecher eine romantische Oper oder eine Beethoven Sinfonie erklang.
 
Das Tonbandgerät wurde auch für akustische Aufzeichnungen benutzt. Eine Spule zeugt von Familienfesten, dem Babygeschrei, den ersten Sprechversuchen meines Bruders …

Meist wurde das Gerät dann mit Batterie betrieben, weshalb große Geschwindigkeitsunterschiede und damit einhergehende Tonhöhenschwankungen keine Seltenheit waren.
 
 
 

 
 
 
Eine weitere Spule erhielt ich erst vor 18 Monaten von meinem Onkel. Sie musste Mitte der 60er Jahre mehrmals zwischen ihm und meinen Eltern hin und her geschickt worden sein. In das Mikrophon gesprochene Bestandsaufnahmen:

die neue Wohnung, die Einrichtung, der Job, Familienprobleme und neue Aufbrüche.

 

Was für ein (fast schon befremdlicher) Eindruck, die Stimmen seiner Eltern zu hören, als sie gerade 25 und 29 Jahre alt waren … jung, unerfahren, neugierig, noch nicht die große Erzieherrolle einnehmend …

Wie viele Fragen sich beim Zuhören ergeben. Unbekannte Situationen, Geschichten, Namen.
 
 
 

 

2014 9 Juni

Clarimonde

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Paris um 1900: Im Zimmer Nr. 7 des kleinen Hotels Stevens erhängt sich ein Handlungsreisender aus der Schweiz. Sieben Tage später nimmt sich in diesem Zimmer ein Artist aus Deutschland das Leben. Auch er stranguliert sich mit der Gardinenschnur am Fensterkreuz. Die Polizei findet weder Spuren noch Abschiedsbriefe. Auf Weisung des Kommissars bezieht ein Schutzmann die Nummer 7. Auch er wird tot am Fensterkreuz gefunden. Bracquemont, Student der Medizin, glaubt, für die tragischen Vorgänge eine Erklärung zu haben. Er bezieht als nächster Gast das Zimmer. Seine Beobachtungen notiert er in einem Tagebuch.

 

Dieser Mitternachtskrimi, Clarimonde (Deutschlandfunk, 21. Juni, 0.05 bis 1.00 Uhr) basiert auf der Erzählung ›Die Spinne‹ von Hanns Heinz Ewers. Ein uralter Text aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Keine schlechte Einstimmung auf die Radionacht „Klanghorizonte“, die vierstündig, um 1.05 Uhr beginnt, mit einem „spoken word piece“, in dem (auch hier ist schwarze Romantik im Spiel!) ein Paar den Planeten Erde verlässt.

2014 9 Juni

„p11“

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Weitgehend abwesend, die Bedeutungsträger
der realen Welt, so dass heute nur Traumstoffe
gehandelt werden: eine Hängematte für den Orangenhain,
Kopfhörer, die „Odysseus“ heissen (Sirenenschutz!),
„we’re gonna ride out in a country silence“ –
glaubt jemand, die Eintrübungen der ersten Farbfilme
mit künstlichem Himmel und Federkissenwolken
seien vollkommen spurlos an uns vorübergezogen?
 

2014 9 Juni

„p10“

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Lang her, ein Anruf nach England, Polydors Hauptquartier.
Diese Schallplatte, eine Endlosspur, fünfzig Wege,
in einer Stimme zu versinken, sind rasch erzählt,
der letzte Song ein Schleicher, behütetes Lamento.
Die Stimme am anderen Ende, im Westen Londons
kopierte die „lyrics“, die Postbotin klingelte nur einmal:
„How does she intend to live when she’s in far Cathay?
I somehow can’t imagine her just planting rice all day.“
 

 

 
 
– Violence – define it.
– Not to remember there were gardens.
 


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