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Archives: Freitag, 6. Mai 2022

2022 6 Mai

Das Teamfoto 82 (Teil 2)

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Aus der Zeit damals habe ich kein einziges Foto, bis jetzt. Einige von damals treffe ich in diesen Tagen wieder, einige nicht. Es waren tatsächlich, das wurde mir heute in den Gesprächen bewusst, Pionierjahre der Kognitiven Verhaltenstherapie in der Behandlung von Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit. Aufregend. Und ohne sentimental zu sein, kann ich sagen, dass diese Jahre zwischen dem Herbst 1980 und dem Herbst 1982 – trotz meines späteren Glückfalls in der Medienwelt – die prägendsten Berufserfahrungen meines Leben waren. Die Grenzen von Arbeit und Privatleben waren fliessend, von den Einheimischen konnte man kaum jemand kennenlernen, ohne eine Sprachkursus zu machen. Und ohne das es an alten Kamellen lag, ohne jeden Hang zur Übertreibung – an dieses Gefühl einer speziellen „community“ konnten wir heute, beim ersten Zusammenkommen, nahtlos anschliessen, nach einen Sprung über Jahrzehnte. Da war kein behutsames Abtasten nötig. Wir warn damals so verdammt jung. Einmal reisten einige von uns nach Berlin in die weite Welt, und liessen die Berge hinter sich. Es gab das hinreissende Filmfestival, mit einem Thriller von Christopher Petit (unvergessen), es gab amouröse Verwicklungen, es gab, in politisch recht dunkler Zeit, gute Widerständigkeit, die Grünen nahmen Kontur an und Fahrt auf. 1982 war Höhenflug, Bruchlandung, Aufbruch. Keine Platte spielte ich öfter als „Remain In Light“. Selbst die alte Wirtin im Einödhof stellte die „Popsession“ im Radio an, wenn ich zum Abendtisch in ihr Wirtshaus kam. Ich hatte meinen ersten luziden Traum, und nahm mir sofort mein Ticket nach London. Alle sind auf diesem Bild versammelt, das einmal, vor Ewigkeiten, reine Gegenwart war.

 

 

 

2022 6 Mai

Zimmer mit Ausblick (Teil 1)

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Diese Zeitreise beginnt mit meinem Zimmer unter dem Dach. Und natürlich ein wenig früher. Die Heizung lässt sich nicht aufdrehen, ich komme wohl in das Alter elektrischer Heizdecken. Auf der Fahrt von Würzburg nach Furth im Wald ploppten  Erinnerungen auf, kleine Blitze, Schauer. Diese Namensschilder kleiner Dörfer und Ortschaften! Es stellt sich ein Hauch von Wehmut ein, wenn man in ein vergangenes Leben reist. Ich erinnere mich an ein Naturschauspiel, wie einmal, bei mir in Bergeinöden, die Lüfte in Farben explodierten, und wäre ich in Kanada gewesen, hätte ich sofort an die aurea borealis gedacht. Aber so etwas gab es im Bayerischen Wald nicht. Dann also die ersten Menschen von DAMALS wieder erlebt, in den letzten zwei Stunden, vierzig Jahre später. P zauberte ein Foto des Teams von 1982 aus dem Hut, solche Aufstellungen habe ich zuletzt von Fussballmannschaften gesehen. Ja, all diese Gesichter, all diese Geschichten. Auf der Herfahrt lief über drei Stunden nur eine CD, eines der Solo-Konzerte der „Music For Quiet Moments“ von Robert Fripp – es gibt für mich kaum einen perfekteren Soundtrack bei dieser Rückkehr in ein einst gelebtes Leben. Ich schaue aus dem Fenster, erste Tropfen. Here we are in the years.

 


Einmal ist die Musik grossartig, und zum anderen hat sich damit der Kreis meiner Zeitreisen in diesem Monat geschlossen, die mich tief in den Oberen Bayerischen Wald geführt haben.

Das erste ECM-Album von Steve Tibbetts, „Northern Song“, kam via jazz by post, Gleichmannstrasse 10, im magischen Sommer 1982, in meine Souterrainwohnung nach Bergeinöden, King Crimson sah ich erstmals live in Nürnberg, neben Neil Young & Crazy Horse und den nicht mehr ganz so fesselnden Jethro Tull, ebenfalls in jenem „summer of love“. Jedem sein kleines Woodstock! 

Es handelt sich um Ausgrabungen aus den frühen und den späten Achtzigern. Zwei Gitarristen, zwei aussergewöhnliche Alben. „Washington Square Church“ (July / August 1981) zeigt den jungen Robert Fripp auf seiner ersten Frippertronics-Tour, die CD / DVD (mit Surround-Version) erscheint in diesen Tagen. (Ein Klick aufs Foto vergrössert den Anblick.) Er spielte in Cafés, Clubs, und damals bereits gerne in sakralem Ambiente. Auf dem  in Bälde erscheinenden Riesen-Box-Set „Robert Fripp: Exposures 1977 – 1983“ tauchen, neben diversen Studioprojekten, 83 Stunden voller „frippertronics“ (blu-ray) auf. Also sage niemand, diese bloss  rund einstündige Versenkung in Fripps Gitarren- und Loop-Universum wäre harter Tobak. Deep listening recommended!

Diese Empfehlung gilt auch für das „blaue Album“. Steve Tibbetts‘ Werk entstand 1987-88 in St. Paul, Minnesota, und erschien 1989 bei ECM Records. „Big Map Idea“ ist momentan ein Sammlerstück, zumindest, wenn man es als LP oder CD haben möchte – die Suche lohnt sich, und das sage ich nicht, weil die liner notes von mir sind, ein ziemlich langes Interview mit Steve Tibbetts, und eines meiner Tickets in meine Radiogeschichte. Neben meinen ersten Treffen mit Harald Rehmann (DLF), Volker Bernius (HR) und Michael Naura (NDR).  Und einem Jahr Jazzthetik.

Von Anfang an habe ich dieses Album geliebt, schon bevor ECM mein Gespräch mit Mr. Tibbetts „einkaufte“. Absolut famoses Opus, neben Steve Tibetts an Gitarren, Dobro, Kalimba, Pianolin, und Tapes agieren Marc Anderson, Congas, Steel Drums, Percussion, Berimbau, Marcus Wise, Tabla, und Michelle Kinney, Cello. Über Steve Tibbetts‘ bislang letztes Album „Life Of“ (2019) habe ich ebenfalls mit ihm gesprochen – hier der komplette Text …

 


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