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Archives: Dienstag, 20. April 2021

2021 20 Apr.

Roedelius live

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Online-Konzert zum Vormerken:

24. April, 20.30 MEZ.

Anmeldung hier.

 

Plattenausleihen, das ist schon eine schwierige Kiste, aber unter Freunden, na klar, kein Problem. Und wenn dann mal eine Scheibe verloren geht, dann muss man das eben aushalten. Anlässlich des Todes von Niels Henning Orsted Pederson am 19.April 2005 hatte ich sie ausgeliehen, diese wunderbare Duoplatte: Paul Bley & NHOP, allein schon die Titelliste dieser Ausnahmeplatte haut den Liebhaber dieser beiden Musiker aus den Puschen: „Meeting“,“Mating of Urgency“, „Carla“, „Olhos de Gato“, „Paradise Island“, „Upstairs“, „Later“, „Summer“, „Gesture Without Plot“. Im Juni und Juli 1973 wurde die Platte damals aufgenommen (hätte ich das geahnt, damals hatte ich gerade das Abitur hinter mir und von beiden Musikern noch nie gehört). Das herrliche „Olhos de Gato“ wurde von Carla Bley komponiert, „Gesture Without Plot“ von Annette Peacock, alle anderen Stücke schrieb Paul Bley.

 
 

 
 

Die Freude über den Fund war so groß, dass ich sofort Lust verspürte, einmal zu schauen, ob Paul Bley nochmals mit NHOP eine Platte eingespielt hatte. Meine Erinnerung täuschte mich nicht, diese Platte war die einzige Aufnahme dieser beiden. Allerdings gab es ein Nebenprodukt meiner Suche durch die Paul-Bley-Abteilung meines Plattenschrankes: die erstaunliche Feststellung, dass der Meister mit fast allen mir bekannten Bassisten dieser Welt zusammengespielt hat, Hier meine Liste der Bassspieler, die mit Paul Bley musiziert haben: Percy Heath, Peter Ind, Charles Mingus, Stu Woods, Dick Youngstein, David Holland, Jaco Pastorius, Jesper Lundgaard, Eddie Gomez, Kent Carter, Ron McClure, Bob Cranshaw, Marc Johnson, Jay Anderson, Barre Phillips, Furio Di Castri und natürlich Gary Peacock, Steve Swallow und Charlie Haden. Ja und, man glaubt es kaum, auch Annette Peacock spielte in einer Gruppe um Paul Bley den (electric) Bass und zwar auf Annette and Paul Bley – Dual Unity von 1971.

Was ich noch erzählen wollte, als der Freund die LP wieder gefunden hatte, mussten wir sie sogleich gemeinsam anhören, wenigstens eine Seite. Die Begeisterung war riesig, vor allem auf Seiten des Freundes, sodass ich mich entschloss, ihm besagte Platte gleich nochmal auszuleihen. In diesem Moment entdeckte ich in einer Ecke des Raumes eine mir unbekannte Platte, die ich allerdings zu gerne gehört hätte. Klar, ich bekam sie ausgeliehen, auch das eine wundervolle Platte und, wie es der Zufall will, auch diese Scheibe wurde 1973 aufgenommen, und auch auf dieser Platte spielen Wegbegleiter Paul Bleys eine wichtige Rolle. Die Rede ist von Don Cherry und seiner Relativity Suite mit dem Jazz Composer’s Orchestra (Carlos Ward, Charlie Haden, Ed Blackwell, Sharon Freeman, Paul Motian, Carla Bley, Dewey Redman und anderen).

 
 

 

2021 20 Apr.

Shabaka

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Ein verdammt kluger Kopf. Shabaka Hutchings zuzuhören, wenn er über emotionale Vieldeutigkeit redet, über seine Liebe zu alten Platten von Impulse! Records wie Pharoah Sanders‘ Album „Thembi“, über Nyabhingi-Trommeln auf Jamaika, oder Tuk-Orchester auf Barbados in den Räumen seiner Kindheit – das alles ist eine Freude! Auf den Punkt, das Abstrakte mit Sinnlichkeit bereichernd, und reich an Nuancen. Und nun wird am 13. Mai das famose  Album „Black To The Future“ seiner Sons of Kemet erscheinen, und wohl kaum kann sich das revitalisierte Label Impulse zum 60. Geburtstag ein furioseres, tanzbareres, vielschichtigeres wünschen wünschen als dieses – es gibt zweifelsfrei eine historische Parallele zwischen der Bürgerrechtsbewegung der spätern Sechziger Jahre, den Impulse-Platten jener Jahre (bis ca. 1975), zu all dem Wahnsinn in den USA heute, und „Black Lives Matter“. Und es ist auch Fakt, dass Shabaka Hutchings‘ Kompositionen auf Universalität zielen und nicht auf seine afro-karibo-amerikanische brotherhood zugeschnitten sind.

 

Ich bin von dem Reichtum dieser Musik begeistert, von der Palette der Emotionen, von der Durchdachtheit und dem Abenteuer dieses Werkes. Und als ich dann spürte, dass ich für drei Sendungen ausreichend O-Töne hatte, bedankte ich mich für  das Gespräch, und wollte ihn zum Ende hin noch fragen, wie das „street life“ in diesen Tagen in South London aussehe, in denen die Stadt erstmals wieder durchatmen könne. Anders als wir hier in Deutschland.  Aber dazu kam es nicht, weil er feststellte, dass er vergessen hatte, unser Gespräch aufzuzeichnen. Das war hart, aber wir machten nach einer kleinen Pause einen „second take“. Der nicht ganz an das erste Mal rankam, aber nah dran. Und ich weiss nun gar nicht mehr, ob seine Gedanken zu musikalischer Innovation im ersten oder zweiten Durchgang vorkamen. Der Aufhänger war, dass mich sein Album, „with its mix of street credibility and innovation and post-production skills“ an Miles Davis‘ „On The Corner“ erinnert. Aber egal. In den JazzFacts des DLF, am 6. Mai um 21.05 Uhr, und in den Klanghorizonten am 17. Juni, sind „Sons of Kemet“ gesetzt. Wer bis dahin nicht warten möchte, lege „On The Corner“ auf den Plattenteller, oder „Thembi“. Und für Einsteiger in die Welt des Labels „Impulse!“ gibt es auch bald eine feine Compilation. Wer da einmal Feuer gefangen hat …

 

„RIGHT FROM its inception in 1961 as the jazz imprint of ABC/ Paramount Records, a wellheeled major pop label, Impulse! had the creative mindset of an independent record company. Initially founded by producer Creed Taylor, Impulse! evolved under his successors (Bob Thiele and Ed Michel) into an entity that became synonymous with musical revolution, spiritual enlightenment, Afrocentrism, and sociopolitical commentary during a turbulent time in American history. Those themes resonate deeply in the grooves of the 25 tracks on Music, Message And The Moment, a 4-LP set celebrating the iconic jazz label’s 60th anniversary. Ranging from the spiritual exaltations of the Coltranes (John and Alice) to the astral travels of Pharoah Sanders and the earthbound, bluesy soul-jazz of organist Shirley Scott and saxophonist Stanley Turrentine, the retrospective takes the listener on an exhilarating journey through varied sonic landscapes. The aesthetically pleasing package includes two magazine -style booklets and a vinyl slip mat.“

(Charles Waring, Mojo, June Edition)


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