Ich kannte bis vor kurzem nichts von Sam Shephard, das hat sich nun geändert. „Crush“ habe ich mir besorgt, und so spannend die Musik ist, nichts daran liess ein so vollkommen anders gelagertes Werk wie „Promises“ erwarten. Wir haben im Vorfeld der JazzFacts-Sendung einiges versucht, ihn zu treffen, aber er gibt keinerlei Interviews zu seinem Album mit Pharoah Sanders und dem LSO. Grund genug, diesen Komponisten mal als Vinyllover kennenzulernen. Schau, schau was der so gar nicht wie ein erratischer Künstler wirkende Sam da aus der Tasche holt, anno 2017: ein altes Pharoah-Album, und auch etwas von Gunter Hampel (!). Witzig: nachdem ich heute unverhofft viel freie Zeit hatte, habe ich mich über „Zenmate“ bei einem amerikanischen VPN eingeklinkt und auf US-Netflix einen beeindruckenden, sehr ruhig inszenierten Thriller gesehen („Stowaway“), über eine Reise zum Mars. Unterwegs läuft aus den Lautsprechern alter Free Jazz aus den Sechziger oder Siebziger Jahren, und während der Afroamerikaner an Bord das nur als „Chaos“ empfindet (das hat Humor!), klärt ihn der Mann aus Fernost über den Zauber dieser Musik auf (vergebens), und nennt drei Namen, einer ist Pharoah Sanders. Dessen einfaches wie elementares artistisches Credo habe ich mir für die JazzFacts besorgt, von meinem Jazzfreund aus dem Osten, Bert Noglik. Die Platte von Mr. Sanders, die Sam hier vorstellt, ist keine seiner berühmten, aber kein bisschen weniger fesselnd als „Karma“ oder das von Shabaka Hutchings so geliebte „Thembi“. Safe Journey! P.S. Die Filmmusik stammt übrigens von Hauschka alias Volker Bertelmann. Am 6. Mai soll er ins Kino kommen, in welche Kinos denn, in Kinos für Frisch-Geimpfte, oder in solche mit niedriger Inzidenz in der Umgebung? Ich rechne mit Netflix Germany.
Archives: Freitag, 23. April 2021
2021 23 Apr.
Sam kauft Schallplatten
Michael Engelbrecht | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Comments off
„Zur Sache, Schätzchen“ sah ich damals gar nicht, als er gerade in die Kinos kam. Als ich von ihm erstmals hörte, in unserer Strasse der Wohlbehüteten, im Süden Dortmunds, geriet Peter ins Schwärmen. Er war etwas älter war als meine beiden Kumpel Manfred und Michael, sollte später Kommissar werden, und so, wie er von dem Film redete, schien mir das eine heisse Nummer zu sein. Peter hatte drei Mädels am Start, wie wir irgendwie mitbekamen, und ich fragte mich, ob das wohl die Alternative zu romantischer Liebe sei. Ich war gerade mal dreizehn, oder so, und die Kinks waren, neben den Beatles, meine Helden. Wie die Tage eines langen heissen Sommers in der Erinnerumg verdampfen zu kleinen Splittern: die Garage, in der wir Tischtennis spielten, stundenlang, und auf einmal erklang aus dem Kofferradio „My Sentimental Friend“ von Herman’s Hermits: Traumstoff. An einem andern Tag im gleichen Sommer schwänzte ich eine Klassenarbeit, und suchte mir eine sonnige Wiese im Westfalenpark. Ich weiss heute noch, dass es da sehr anschauliche Bilder gab zu Wasserstoff- und Kohlenstoffverbindungen. Als ich an diesem Nachmittag ins Kino wollte, war „Zur Sache, Schätzchen“ wohl gerade abgesetzt worden. Manche Tage blieben unerfüllt, und andere besassen einer heiteren Leerlauf. Erst Jahre später sah ich im Film-Casino „Wehe, wenn Schwarzenbeck kommt“, und mir gefiel die verrückte Art von Werner Enke. Ich konnte ihn hinterher sogar gut imitieren, und dachte mir, Schwabing wäre mal eine Reise wert. Mit einer Liebe war ich dann irgendwann tatsächlich vor Ort, in einem dieser kleinen Kinos sahen wir Robert Altmans „Nashville“, und in einem Theater Urs Widmers „Stan und Ollie in Deutschland“. Uschi Glas erinnert sich heute in der SZ (anlässlich Werner Enkes 80. Geburtstag) an die Dreharbeiten, und merkt an, dass dieser Film von May Spils „einen Hauch von Nouvelle Vague“ habe. Schön albern ging es ja ja auch in manchen frühen Truffaut-Filmen zu. Wer so durch die Tage stolperte wie Werner Enke, bekam ja auch einiges geboten. Auf jeden Fall habe ich mir gleich die Blu-Ray bestellt. Die alte Zeit, digital restauriert. „Es wird böse enden.“