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Archives: Freitag, 16. April 2021

2021 16 Apr.

Osterlektüre

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Brooklyn, späte 60er Jahre: „Deacon Cuffy Lambkin of Five Ends Baptist Church became a walking dead man on a cloudy September afternoon in 1969. That’s the day the old deacon, known as Sportcoat to his friends, marched out to the plaza of the Causeway Housing Project in South Brooklyn, stuck an ancient .38 Colt in the face of a nineteen-year-old drug dealer named Deems Clemens, and pulled the trigger.“ Die Tat setzt zahlreiche Charaktere, deren Wege sich an seltsamen Stellen kreuzen, in Bewegung – ein irischer Cop, afroamerikanische Frauen und Männer, die noch das Leben im Süden kannten und erst im zum Teil fortgeschrittenen Erwachsenenalter nach NYC gekommen sind, deren Kinder, die nur das Leben in den „project houses“ kennen, italienische Mobster und viele andere. Zwischen ihnen gibt es Unsicherheiten und Missverständnisse, die zum Teil in Gewalt eskalieren, aber auch Respekt und Humor.

Deacon King Kong von James McBride zeigt New York kurz vor der großen Heroinwelle, bevor die Drogen den Alltag in den dominieren. Liebevoll wird ein Sammelsurium von Figuren geschildert, wird gezeigt, was sie verbindet und zusammenhält – eine Feier der Gemeinschaft, die von der Nachbarschaft, den Mietskasernen und von einer in Eigeninititative geschaffenen Kirche, der „Five Ends Baptist Chruch“, gestiftet wird.

Aus irgendeinem Grund hatte ich erwartet, einen geradlinigen Krimi zu lesen und fand mich dann in diesem Panorama oder Wimmelbild wieder, das mich mit seiner Vielzahl an Figuren immer mal wieder an den Rand der Überforderung gebracht hat. Trotzdem war die Lektüre dieses warmherzigen, lustigen und trotz wütenden Untertons positiven Romans kurzweilig und sehr lohnend.

 

Die zentralen Anlagen auf Phoenix-West in Dortmund waren lange nicht zugänglich. Selbst eine immerhin schon ab und an stattfindende Führung über den Skywalk auf dem Gasrohr erschließt nur kleine Teile des Geländes. Im Oktober 2013 ergab sich für mich die äußerst seltene Gelegenheit, das sonst unzugängliche Hochofenwerk und den Skywalk im Rahmen einer etwa zweistündigen Sonderführung zu besichtigen. Der Gang über den Skywalk auf dem Gasrohr führte bis zu den Maschinenhäusern am unteren Ende der Schrägaufzüge und schließlich Treppe für Treppe, Ebene für Ebene auf den westlichen Hochofen 5. Mit zunehmender Höhe wurde die Gruppe immer kleiner, da einzelne Personen Probleme mit der offenen Höhe bekamen. Selbst die oberste Plattform bildete nicht das Ende, da sogar der höchste begrenzende Stahlrahmen (mit maximal acht Personen gleichzeitig, „bitte nicht stehenbleiben“) erklommen werden konnte. Weit reichte der Blick über das gesamte Phoenix-West-Gelände, die Innenstadt bis hin zu markanten Gebäuden am Horizont, von der Halde Großes Holz in Bergkamen über das Lanstroper Ei in Grevel oder dem Fernsehturm im Schwerter Wald bis zu den Lippekrafterken in Datteln und Lünen. Besonders gut sichtbar war auch das Westfalenstadion. Phönix-West. Später bitte Konzerte hier: Underworld live, es wird Zeit. Ich liebe diese Gegend. Heimat, sozusagen. Und hier werde ich geimpft, wenn bis dahin alles gut geht, im April und Juni.

 

2021 16 Apr.

Johns erstes Soloalbum

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Ganz solo natürlich nicht. Zu seinem 30. Geburtstag schenkte ihm Yoko Ono eine sensorische Box. Die Finger konnten in Löcher gesteckt werden, die verschiedene Materialien enthielten: Flüssigkeit zum Beispiel oder einen Stachel. Es war ein Hit, obwohl man meine könnte, dass das Geburtstagskind etwas weniger Überraschendes bevorzugt hätte. Immerhin war es ein turbulentes Jahr gewesen. Die Beatles waren vorbei. Lennon und Ono hatten sich auf eine Urschrei-Therapie eingelassen, in der Lennon seine Gefühle des Verlassenwerdens und seine Trauer über den Tod seiner Mutter erforschte. Zu allem Überfluss war er unerwartet mit seinem ihm unendlich fremd gewordenen Vater Alfred zum ersten Mal seit Ewigkeiten wieder zusammen gekommen; sie feierten diesen 30.  Geburtstag im Tittenhurst Park, ein Ereignis, und das endete damit, dass Lennon Jr. drohte, Lennon Sr. umzubringen. Zu diesem Zeitpunkt war John halb fertig mit der Arbeit an Opus 1 nach den Beatles, in vielerlei Hinsicht sein persönlichstes Werk, und verdammt radikal. A love it or leave it affair. Am kommenden Freitag erscheint, einschliesslich einer Surround-Version, die natürlich „ultimative Ausgabe“.

 

2021 16 Apr.

Prairie Stop, Highway 41

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In Hitchcocks Thriller North by Northwest (deutscher Titel: Der unsichtbare Dritte) gibt es eine Szene, in der fünfeinhalb Minuten lang nichts passiert: Der Werbefachmann Roger O. Thornhill steht im Anzug und weißem Hemd am Rand eines Highways zwischen Chicago und Indianapolis und wartet auf George Kaplan, einen Mann, von dem er noch nicht weiß, dass es ihn nicht gibt. An sich wollte Thornhill mit dem Auto anreisen. Kaplan ließ jedoch ausrichten, dass Thornhill den Bus benutzen soll, um zu gewährleisten, dass er allein ist. Der Prairie Stop ist umgeben von abgeernteten Maisfeldern. Von allen Seiten ist der Horizont zu sehen, flaches Land, öde Farbgebung braun in grau, manche Stellen, als wären es Reste von Schnee. Stacheldrähte singen lautlos im Wind. Unbarmherzige Geometrie. Die Szene, eine Leerstelle im Film, ist nach einer exakten Spannungskurve komponiert, durch die man ein Gespür für Zeit, wie sie verfliegt, gewinnt, bis sich die endlose Weite in eine Falle verwandelt. Hier der Link.

 


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