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Archives: Sonntag, 18. April 2021

 

 

In ein paar Tagen stellte Martina ihr Gespräch mit Kristin Breitenfellner in den Blog, und wir lesen dann von neuen Sonetten, einer Gedichtgattung, die wir eher mit alten Zeiten verbinden. Barbara schickte mir einen link zu einer Szene des vielgepriesenen Films „Nomadland“, in der Frances McDormand Shakespeares Sonnet 18 rezitiert, eines von zwei Gedichten, die ich auswendig kenne, und das ich vor Wochen nachts auf Sylt Richtung Meer brüllte, gegen den Wind. Und nun, Vorhang auf, für Gedichte aus der englischen Romantik. Es klingt wie das schrecklichste Eitelkeitsprojekt, das es gibt. Ein alternder Popstar, die eine Auswahl ihrer Lieblingsgedichte aus dem 19. Jahrhundert darbietet, während ihre Kumpels im Hintergrund eine Ambient-Odyssee abnudeln – „nicht auf Melodien oder Akkorde festgelegt„. Nur dass es sich bei dem alternden Popstar um die formidable Marianne Faithfull handelt, und ihre Kumpels Warren Ellis, Nick Cave und Brian Eno sind. She Walks in Beauty ist ein unsentimentales  Album einer Piraten-Crew von Überlebenden, und es grossartig, findet Helen Brown, im „Independant“, und das finde ich auch. Morgen erscheint das Album, ich habe mir die Vinylfassung gegönnt.

 

She Walks in Beauty finds Faithfull ablaze and afloat on a misty soundscape of waves, birdsong, synths, loops, street sounds, piano and cello. The album includes some of the best-known poems in the canon: Byron’s “She Walks in Beauty”, Shelley’s “Ozymandius” and Keats’s “Odes to a Nightingale” and “To Autumn”. Many listeners will know them from old school textbooks (some of us by heart). But Faithfull lifts them from the page with a compelling combination of crispness and tenderness. She doesn’t use that soporific “poetry voice”. Instead, she can make 200-year-old visions of beauty, love and death feel as urgent as the latest true-crime podcast.

2021 18 Apr.

Aus den wilden Siebzigern

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„Die vier Männer, die in der Halloween-Nacht 1975 die schweißtreibende Bühne des Stuttgarter Gustav-Siegle-Hauses betreten, machen dies ohne großes Theater. Im Gegensatz zur Theatralik anderer Progressive-Rock-Gruppen jener Zeit tragen sie weder ausgefallene Kostüme noch kommen sie mit einem aufwändigen Bühnenbild – keine Schlösser, Styropor-Megalithen oder Eisbahnen hier. Die Musik, die sie leise anstimmen – aus einem brummenden Synthesizer und einer wimmernden E-Gitarre, ohne aufwändiges visuelles Feuerwerk – beschwört neblige Ausblicke auf ferne Hügel herauf. Nach drei Minuten kommt durch dieses wirbelnde Gewebe der leichte Tritt eines Schlagzeugmusters, wie ein in den Sümpfen verlorener Krieger. Stampfende Bassnoten tragen den Geschmack persischer Tonleitern in sich. Alle Elemente drehen sich umeinander, verschmelzen und münden schließlich in einem Groove, den wir im 21. Jahrhundert als Techno-Puls erkennen würden. Dies beschreibt die ersten sechs Minuten von Live In Stuttgart 1975, der ersten in einer Reihe von restaurierten Live-Aufnahmen von Can.“

(Rob Young, Uncut, June 2021; übersetzt von D.L. und M.E.)


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