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Archives: Samstag, 27. Juni 2020

2020 27 Juni

Siebenundzwanzig Sechs Zwanzig

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Die vielen kleinen Details, die zwar im Moment wahrgenommen, aber erst hinterher wichtig und leuchtend werden: der über der Strasse aufgehängte Kronleuchter; der Schaukasten ebenda, der eine Retrospektive mit Filmen mit Hans Lothar ankündigte (und für deren Besuch ich dann gerne noch in der Stadt geblieben wäre). Die durch einen Türsteher gesicherte Karaokebar zwei Strassenecken vom Hotel entfernt – der uns dann prompt am Abend den Eintritt verweigerte. Der Waschsalon, in dem wir auf einen Kaffee sassen, da haben die Waschmaschinen und Trockner eigene Namen bekommen. Die Bahnunterführung neben dem Hotel, bei der der Umbau nun endlich Gestalt annimmt und mich immer an das „Railway Hotel“ von Mike Batt denken lässt. Die Rückfahrt nach Hause, bei der ich versehentlich in den falschen ICE stieg und mich beim nächsten Halt dann in Berlin-Spandau wieder fand.

 

 

 

When I was hospitalized last year, for some days, after a heavy allergic response on Castellani‘s powder, I had arranged an interview with Bill Callahan on his album „Shepherd in a sheepskin vest“ – he would record it by himself, and send it to someone from Drag City who would send it to me. So i was sitting in front of the big and slightly intimidating Aachener Klinikum, evening time, and finally, after twenty minutes, I had him on a phone. It was a good talk, I remember his warm baritone voice coming from Austin, Texas. He didn‘t get it right with the technical side, so it had simply not been recorded, and our talk was lost. Never mind, nice divertimento, and an awesome double album. (m.e.)

 

2020 27 Juni

Japanese Jewels (15): Green

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Kaum ist das Lieblingswerk des Japaners Hiroshi Yoshimura seit 1986 zum ersten mal wieder aufgelegt und damit außerhalb Japans überhaupt zum ersten mal erhältlich, hat Green es zu recht hier schon zum Reissue-Album des Monats geschafft. Der 2003 verstorbene Yoshimura gehört zu den Ambient-Pionieren Japans, ein Inspirator und Förderer von Kankyo Ongaku, der japanischen Version von Ambient music. Er schrieb Bücher über die Geschichte der Ambient music, über Soundinstallationen und über Tempelglocken. Bereits 1973 trat er mit umgebungsbezogenen Klangkunstinstallationen an die Öffentlichkeit und produzierte in Folge einige Alben. Sein Debütalbum Music for Nine Postcards dürfte den Lesern dieses Blogs ja auch schon bekannt sein.

Bei Green geht es nicht um frühe ökologische Klangverkompostung, sondern viel mehr, wie in Yoshimuras gesamtem Werk um shizukesa, was sich nur annäherungsweise als subtiles Konglomerat von Heiterkeit, Gelassenheit, Ruhe und Stille verstehen lässt und seine weiteren darin verborgenen Nuancen sich am besten beim Hören erschließen. Die Titel spielen alle mit dem Phonem „ee“, das hier eine besondere Anziehungskraft auf ihn ausgeübt haben muss. Wenn Green im Sinne von Grün auf diesem Album eine Bedeutung haben soll, dann am ehesten in einer von anderen Musikern nahezu unerreichten Natürlichkeit des Klangflusses, der sich ganz langsam und selbstverständlich in den lang gestreckten Miniaturen entfaltet. Und ja, es gab einmal eine etwas längere amerikanische Ausgabe, die einen Mix mit Naturgeräuschen und Field recordings darbot, der sich aber dem Klangerleben eher abträglich erwies, weswegen es erfreulich ist, dass jetzt die Originalversion wiederveröffentlicht wird. Yamaha‘s DX7 war gerade neu verfügbar und ähnlich wie Brian Eno war Hiroshi Yoshimura von den klanglichen Möglichkeiten dieses Instruments fasziniert und lotete diese gründlich aus, ohne dabei in der schlichten Leichtigkeit und Unbefangenheit der Musik die Klischee- oder Kitschfallen der üblichen esoterischen Sülze mitzunehmen.

Der Opener Creek beginnt mit hypnotischen und perkussiven Arpeggios, nicht weil das erste Stück eines Albums etwas mehr Drive haben sollte, sondern mehr um den Hörer in seiner bewegten und bisweilen hektischen Welt ganz organisch abzuholen und in die Stille zu führen. Mit feinsten Lautstärkewellen wird die Downregulation gebahnt, die sich dann in Feel über schwebenden Drones mit darüber perlenden schimmernden Synthesizerklängen entfaltet. In Sheep geht es mit aufsteigenden Melodielinien von bestechender Einfachheit, denen gelegentlich sanft metallische Klänge zur Seite gestellt werden ans Schafe zählen, um dann bei Sleep in angenehmen veränderlichen Klangfarben, die scheinbar ganz zufällig und unbefangen, von kleinen Pausen durchsetzt aufeinander folgen, in oneiroiden Zuständen die Orientierung zu verlieren und sie auch gar nicht wiederfinden zu wollen. Der Titeltrack spielt schwerelos mit einer einfachen Melodie, die einfach und völlig reduktionistisch durch den Raum schwebt. Er erinnert mich ein bißchen an einen ergreifenden Moment, wo mir eine psychotische Pianistin an einem späten Sommertagsnachmittag ganz leise und verhuscht, wie aus einer anderen Welt Chopinstücke ganz wunderbar in das warme Licht der Abendsonne vorspielte. Irgendwie jenseitig und seltsam frei von irdischen Bindungen. Feet erfüllt dann mit harfenähnlichen Patterns, die durch leise, pointilistische Pianoklänge durchwebt sind den Raum, in dem dann Street wieder etwas Erdung mit Bassakzenten anbietet und dabei die klassische DX7-Flöte, die in den 80er Jahren auf keiner Esoterikplatte fehlen durfte, erklingen lässt, was eine nahezu pastorale Atmosphäre schafft. Zuletzt erklingt Teevee (TV!) wie die Musik zu einem Filmabspann, die einfach nur sagen will: Das hast du doch alles nur geträumt, du hast dich virtuell verloren, nur dass die Farben jetzt ein bisschen intensiver leuchten und die Alltagstaktung in Zeitlupe davonschwebt. Musikalisches Microdosing.

 
 

 


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