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Archives: Dienstag, 18. Juni 2019

2019 18 Juni

Old Time Elevation Map from the Black Forest

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Stets eine Lieblingsplatte gewesen aus dem Haus MPS. Gepflegter Hippie-Langhaar-Look, und vielleicht die aufregendste Platte des Flötisten Chris Hinze. Gar nicht mal im berühmten Schwarzwald-Studio aufgenommen, gelang auch in Köln ein Kunstwerk der fusion music, das sich vor den lebenden Legenden des Genres nicht zu verstecken brauchte. Es gab auf MPS eine ganze Reihe mitreissender Jazz-Rock-Scheiben, von Joachim Kühn oder Association P.C. – und auch George Duke legte mit „Faces In Reflection“ ein kleines  Meisterstück hin. Meine meistgespielten Platten von der Musik Produktion Schwarzwald aber waren, in der ersten Hälfte der Siebziger, Don Sugarcane Harris mit „Fiddler On The Rock“ (mit der einzigen Version von „Eleanor Rigby“, die wir gelten liessen, neben dem Original der besten Band der Welt), Volker Kriegels „Face Lift“ (oder doch „Missing Link“), und, keine Frage, Chris Hinze mit seiner „Mission Suite“ – auch das Cover empfand ich als ziemlich cool. Und ganz sicher ist mir der eine und andere Schatz entfallen.

 

Also, ist ja bekannt, dass wir in der DDR große Probleme hatten, an Schallplatten aus dem Westen ran zu kommen. Wobei, was Popmusik betraf, besserte sich ab den frühen Achtzigern die Lage, da es von manchen Künstlern und Bands Lizenzplatten gab. Natürlich nicht in Massen, aber mit Beziehungen war einiges möglich.

Ich hatte seit den frühen 70ern, neben der Musik, auch noch bei der Post als Zusteller gearbeitet, damals war das ein absoluter Knochenjob, im alten Prenzlauer Berg etwa gab es noch Häuser mit drei Hinterhöfen, sechs Seitenflügen und Quergebäuden – das alles bei Wind und Wetter, voll bepackt treppauf, treppab! Geld umd Rente wurden noch an der Wohnungstür ausgezahlt. Das hatte ich fast 25 Jahre gemacht, für Musiker war das fast ideal, von den Arbeitszeiten betrachet.

Dann hatte ich mich dort, um etwas Kraft zu schöpfen, drei Jahre als Pförtner betätigt, allerdings im Drei-Schicht-System; das hiess, ich konnte viele Bücher lesen, für die Musik arbeiten usw. Ich hatte in meiner Pförtnerbude ein Radio, und hörte nachts oft Rias (Walter Bachauer) DLF, SFB, oder auch Radio DDR 2, was unser Kultursender war, und da gab es durchaus viel Jazz und Zeitgenössische Musik.

Jedenfalls wurde in einer Nacht Brian Enos „Music for Airports“ im Westradio vorgestellt – die Platte war gerade erschienen, und ich glaube, eine Woche später gab es die Rückseite zu hören. Ich war absolut begeistert von Enos erster Ambient-Platte, völlig hin und weg!

Im gleichen Zeitraum sah ich bei einem Bekannten das auch gerade erschienene Buch von Joachim Ernst Berendt, „Nada Brahma“, was mich sehr verblüffte! Vieles, was ich dort nur kurz sah und las, das wusste und fühlte ich schon immer, doch hier wurde es mir nochmals dargeboten, schwarz auf weiss. Beides wollte ich mir besorgen (übrigens auch die LP, die du neulich erwähntest, mit dem „Gesang der Buckelwale“).

Damals war ich noch verheiratet und hatte zwei Kinder, und die Oma meiner Ex-Frau lebte in Westberlin in Schöneberg. Wenn sie uns besuchte, schenkte sie mir stets ein 5 DM-Münze, und genau so sparte ich mir Enos Platte und Berendts Buch zusammen.

Nun hatte ich als Pförtner eine Kollegin, die schon Rentnerin war und oft nach Westberlin fuhr zu ihrer Schwester. Also fragte ich sie, ob sie mir beides mitbringen könnte – beides stand in der DDR damals nicht auf dem Index. Sie hatte auch beides mitgebracht! Und als ich ihr dann mein gespartes Westgeld geben wollte,war es verschwunden! Da konnte nur ein Mensch dran kommen, aber lassen wir das…

Naja, Micha, du kannst dir ja denken, wie peinlich mir das war, dass ich die Sachen nun nicht bezahlen konnte, also habe ich Enos LP und das Buch dann 1:5 in Ostwährung hinblättern müssen. Das waren dann so 150 Ostmark, bei einem monatl. Verdienst von ca. 350 Mark haut das schon ins Kontor.

Und das blöde war auch noch, diese „Music for Airports“ war eine Fehlpressung, auf einem Stück ist ein richtiger Vinyl-Huckel, nun heißt die Platte ja auch „Musik for Airports“, und an der Stelle hebt die Nadel voll ab!

Aber dennoch, die Musik und Buch waren es mir letztlich wert, und ich liebe beides heute noch! Und auch sehr begeistert bin ich bis heute von der Ambient 2-Aufnahme, „Plataux of Mirror“! Ich liebe alle Ambient-Sachen von Eno, es ist stets aufs neue eine Überraschung, seine Musik zu hören, zu erleben – neulich war es die „Lux“ und dann „Plateaux“, es war, als wehte ein leichter Windhauch durch mein Studio.

 

Herzliche Grüße

Fred M

2019 18 Juni

Floating

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Ladies and gentlemen, you‘re floating through space, always. This is not a mindset, this is sheer physics. Nevertheless, being a dog-loving pagean, I do have much love for all those bangers on the doors of perception who found their ways in, with meditation, esoterics, and the power of musics. So, the August edition of MOJO (Uwe will be happy) contains an interstellar list of so-called spiritual jazz. Part of the charts, on No. 2, is Don Cherry‘s „Brown Rice“ which I played extensively during my last radio night. Mojo says: „In the wake of John Coltrane’s passing, former collaborator and band member Cherry recorded a series of albums that continued his mentor’s legacy, crafting a chaotic, beautiful sound that blended African rhythms and Eastern gamelan percussion with free jazz improvisation. However, this mid-’70s recording, which utilises the framework of Miles Davis’s otherworldly spacejazz, is arguably the most satisfying place to start. Bookended by two eerie, motorik-funk incantations – Cherry’s hypnotic vocal whisper floating over squealing toy trumpet spirals and oily electric bass – the LP explores African, Indian, and Arabic polyrhythms, in trippy shamanic spells that pull you into a bubble of mysterious calm.“ Well said, guys. This is really a record that sends you places. Other „astral stuff“ comes from Joe Henderson, Alice Coltrane, Larry Young, Roland Kirk, Herbie Hancock a.o. Far away from being „historical“, this music is still crazy (and mind-bending) after all these years and will  never be losing its deep emotional impact, as long as you are open for a state of wonder. Ladies and gentlemen, you‘re floating through space. Al Reinert‘s documentary on the Apollo 9-mission,  „For All Mankind“, will be reissued before the end of month, and might be an ideal travel companion. A lot of drifting, and Brian‘s „Apollo“ part of the surround mix.

Als ich das Foyer aus Glas und Stein meines Agenten betrete – jeder hat ja heute meist sogar mehrere Agenten: Versicherungsagenten, Kulturagenten, Finanzagenten, Gesundheitsagenten, Zeitagenten, Freizeitagenten, Geheimagenten, Entsorgungsagenten etc. – fällt mein Blick auf einen neuen FreeCard-Ständer in dem sonst puristisch leeren Raum. Zwischen den üblichen Sprüchekarten – „Streng mal die Synapsen an!“ – eine kleine bunte Karte auf der ein paar ungelenke Fußballer einer alten Zeichnung in geometrische Felder übergehen: eine Werbekarte für ein extraordinäres Technoalbum von Daniel Brandt, Jan Brauer und Paul Frick: Echo. Diese drei klassisch ausgebildeten Multiinstrumentalisten und Ausnahmemusiker fragten sich irgendwann einmal, ob es nicht möglich wäre mit akustischen Instrumenten ihrem gemeinsamen Faible für Technomusik Ausdruck zu verleihen und gleichzeitig, dank ihrer Schulung, etwas zu schaffen, was sich nicht immer gleich anhört. Ein paar Samples, Four to the floor, ein Laptop und nun ja, scheißegal wer dahinter steht, das konnte es ja nicht gewesen sein. Also klassische Instrumente samplen, einen alten Moog dazuholen, einen scharfen Groove im 17/4-Takt anstimmen und schon ist der kulturbeflissene Bildungsbürger ähnlich verwirrt wie der maximal rauschbetrancete Clubgänger gegen Sonnenaufgang. Das war 2010: You Make Me Real. Echt! Bop.

Fünf Alben später sind sie nun wieder nahe an ihren Ursprung zurückgekehrt und liefern mit Echo ein minimalistisches, humorvoll verspieltes, groovig-tanzbares und höchst originelles „Technoset“ ab, das sicherlich zu den spannendsten Veröffentlichungen dieses Jahres gerechnet werden muss. Gleich am Anfang kriegt man hier schon den Rest (soll wahrscheinlich eher Rast bedeuten, wäre dann aber als professioneller Hochstart das glatte Gegenteil) und arbeitet sich – Steve Reich lässt grüßen – über ein atmospärisch dichtes Stück nach dem anderen zum Titelsong Echoes (kein erkennbares Zitat an Pink Floyd!) bei dem Anna Wappel in ganz eigener Weise zu dem sich komplex rhythmisch verdichtenden Stück singt. Dazwischen kleine Chamber-Miniaturen, die zu Encore mit der französisch singenden Catherine Ringer überleiten und einen schließlich recht unvermittelt auf dem Mont Blanc absetzen. Mein Tanzagent und mein Kulturagent entspannten imperativ ihre Synapsen und empfehlen ausnahmsweise einmal spontan einstimmig diese intensiv minimalistische emotional vermenschlichte maschinelle Körpermusik; Echt: Echo

 
 
 

 


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