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Archives: Mittwoch, 30. Januar 2019

2019 30 Jan.

Das Meer, und meine Punkgeschichte

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Letztere ist kurz. Das beste Punk-Album in meiner kleinen Welt ist „Pink Flag“ von Wire. Das kann ich heute wie damals hören, etwas Runtergebrocheneres kenne ich nicht. (Lassen wir mal die genialen Kinks und „You really got me“ aussen vor.) Schärfe bis zur Abstraktion. Das zweite Album von Wire war noch genialer, „Chairs Missing“ hiess es, und war dann schon Selbstverwandlung bzw. „New Wave“. Das dritte Opus: gnadenloser Pop mit einem IQ von 154 – so hiess das Album auch. Mike Thorne war für Wire, was Brian Eno dür die frühen Talking Heads war. Aber der pure Punk:  bei allem Respekt,  die Geisteshaltung, ja, die Musik weitgehend nein, danke. Es gab wenige Ausnahmen, ein paar Songs der Buzzocks mochte ich. Ihr jubilierndster  Song war der bitteren Pille der amour fou gewidmet: Leonard Cohen nannte es „trapped by beauty“, und  bei den Buzzocks „Ever Fallen In Love (With Someone You Shouldn‘t‘ve“.

 

 

 

EINE LADUNG 7-UP FLÄSCHCHEN

 

im auf und ab der schlaglöcher

sandschleier staubspiralen

is this the way to the unfinished obelisk?

das klacken der spielsteine glut

die über die straße weht

o alêre! du warst im fremdesten

aufgehoben

 

aus: Monika Schnyder – Auch Götter haben Gärten. Wolfbach Die Reihe, Zürich 2019

 
 
 

 
 
 

In schönem Wechsel von Weitblick, Nahblick und Tiefblick führen Monika Schnyders Gedichte durch Erdzeitalter, Wolkenbilder und Mythen bis ins Jetzt. Staunend sieht man sich um und erkennt einen Garten für Götter und Göttinnen – bezaubernd, erkenntnis- und genussreich.

 

2019 30 Jan.

To get through the fence

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Es kommt nicht oft vor, dass im Bonusmaterial einer DVD ein Interview mit der Kostümbildnerin enthalten ist. Eher finden sich Interviews mit Schauspielern und manchmal habe ich mich darüber gewundert, wie wenig Hintergründiges (oder vermeintlich Tiefsinniges) diese über einen Film zu sagen haben. Erst durch das Buch „Die Kunst der Filmregie“ von David Mamet wurde mir klar, warum Schauspieler eher wenig über einen Film wissen sollten. „Hinzu kommt“, schreibt Mamet in seiner Klage über schlechte Schauspieler, „daß die meisten Schauspieler versuchen, ihre Intellektualität einzusetzen, um die Idee des Films wiederzugeben. Aber das ist nicht ihre Aufgabe. Ihre Aufgabe besteht darin, so einfach wie möglich die spezifische Handlung, die das Drehbuch und der Regisseur von ihnen fordern, Handlungsschritt um Handlungsschritt auszuführen.“

 

Jaqueline West, Konstümbildnerin bei dem Film „Song to Song“ unter der Regie von Terrence Malick, hat mich mit ihrer Sichtweise auf den Film überrascht. Sie sagte, die Dreiecks-Liebesgeschichte hätte sie an Simone de Beauvoir, Nelson Algren und Jean-Paul Sartre erinnert. Sie sprach von einer Frau, die ihre sexuelle, intellektuelle und künstlerische Freiheit erforscht und dabei Männer auf eine Art benutzt, wie diese es oft mit Frauen tun. Ich holte die Monographie über Simone de Beauvoir von Christiane Zehl Romero aus dem Bücherregal, blätterte darin und las die Passage über ihre Beziehung zu Algren, die im Nachhinein, wen wundert´s?, von beiden Seiten sehr verschieden beurteilt wurde. Jaqueline West hatte sich darüber Gedanken gemacht, wie der Kleidungsstil der jeweiligen Charaktere deren Persönlichkeit spiegelt. Eine schöne Begründung für dunkle düstere Farben: Sie lässt die Seele strahlen, das Gesicht.

 

Ich war über die Suche nach weiteren Filmen mit Ryan Gosling auf „Song to Song“ aufmerksam geworden, Stichworte wie Musikszene in Austin, Texas / exzentrische Lichtgestalt / explosives Dreiergespann. Ryan Gosling spielt hier ganz den good guy und hat mich in dieser Rolle nicht ganz so begeistert wie in „Stay“ oder „Drive“. Entdeckt habe ich Rooney Mara. Im Covertext wird die von ihr gespielte Figur, Faye, zwar als ambitionierte Musikerin bezeichnet, sie spielt Gitarre, im Film aber wir erleben nie, wie sie völlig in der Musik aufgeht. Sie ist okkupiert von ihrer Identitätssuche und damit, in ein Umfeld zu gelangen, in dem sie bekommt, was sie braucht. „Always been afraid to be myself. Thought there was no one there.“ Over-Voice Passagen sind charakteristisch für das filmische Werk von Terrence Malick, ebenso wie schnelle, harte Schnitte, ein dynamischer Kamerablick, meditative Bilder, Motivwiederholungen (Bäume, Äste, der Blick in den Himmel, Schwärme von Vögeln, Gardinen, Berührungen von Gesichtern, die schmalen Bäuche der Frauen, eine Tanzeinlage in der Stunde, bevor es dunkel wird, und immer wieder in verschiedenen Formen das Wasser, die Berührung mit Wasser, die Weite der Landschaft, das Licht). Plötzlich spricht eine Nebenfigur von ihrem Leben wie in einem Dokumentarfilm. Einmal wurde eine Sequenz aus einem Schwarzweißfilm eingefügt. Patti Smith erklärt Faye in einem Café, dass die alten Gitarren die Songs schon in sich tragen, sie sagt, sie könne stundenlang einen Akkord spielen, und fängt damit an. Das sind Autorenfilme, Filme mit Handschrift. Die Dramaturgie liegt ganz in den Bildern, in der Atmosphäre, die sie erzeugen.

 

  • What do you see?
  • A pool.
  • It´s a stage.

 

Die Geschichte ist das, was im Unterbewusstsein zwischen den Schnitten passiert. Faye trägt anfangs verschiedene Perücken, sie spielt mit ihrer Identität, sie sucht sie, ihre Identität ist nicht einfach da, sie muss sie, wie jede Künstlerin, jeder Künstler erschaffen. Die Körper verändern sich, die Gesichter. Es geht nicht darum, dass eine Schauspielerin einfach eine Handlung ausführt. Es geht darum, dass sie durch die Art, wie sie es tut, etwas zeigt. Malick und Mamet leben in verschiedenen Welten. Mamet geht davon aus, dass jeder Film ein Drehbuch hat. Terrence Malick filmt ohne Drehbuch.

 

Partys am Pool. Live-Konzerte. Drogen, experimenteller Sex. Tell me, what really scares you? You killed my love.

 

Umherziehen, zu zweit, wie die Vögel. Nur neben dir sitzen. Verzaubert sein.


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