Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

You are currently browsing the blog archives for the day Montag, 10. September 2018.

Archives: Montag, 10. September 2018

Vor 10 Tagen, am 1.September ist er in New York gestorben, er wurde 92 Jahre alt: Randy Weston. Er war ein begnadeter Jazzpianist. Auf seiner Website lesen wir:

 
 

WAKE
Sunday, September 9
Visitation 1-7 pm – Wake service 4-7 pm
FRANK BELL FUNERAL HOME
536 Sterling Place
Brooklyn, NY 11238

 

CELEBRATION OF LIFE
Monday, September 10
Public viewing 3PM-4PM
Service. 4PM-7PM
CATHEDRAL OF ST. JOHN THE DIVINE
1047 Amsterdam Avenue
New York NY

 

Randy Weston, born in Brooklyn, New York in 1926, didn’t have to travel far to hear the early jazz giants that were to influence him. Though Weston cites Count Basie, Nat King Cole, Art Tatum, and of course, Duke Ellington as his other piano heroes, it was Monk who had the greatest impact.  „He was the most original I ever heard,“ Weston remembers. „He  played like they must have played in Egypt 5000 years ago.“ … Randy Weston has never failed to make the connections between African and American music. His dedication is due in large part to his father, Frank Edward Weston, who told his son that he was, „an African born in America.“ „He told me I had to learn about myself and about him and about my grandparents,“ Weston said in an interview, „and the only way to do it was I’d have to go back to the motherland one day.“

 
 

 
 
 

Seine Discography weist 50 Schallplatten auf, das Album Uhuru Afrika aus dem Jahre 1960 wurde im Apartheids-Staat Südafrika sofort verboten. Zusammen mit dem Dichter Langston Hughes hatte er hier den Unabhängigkeitskampf der Schwarzen gefeiert. Später sollte Weston im Auftrag der UN und verschiedener Kulturstiftungen mehrfach Afrika bereisen. Von 1968 bis 1973 lebte er sogar auf dem afrikanischem Kontinent, in Marokko.

Ich gestalte mir einen Abschiedsabend mit Schallplatten von Randy Weston. Dabei ist natürlich besagte Platte Uhuru Afrika, ich höre das Stück “Fourth Movement: Kucheza Blues (feat Sahib Shihab)“. Dieser Blues findet sich auch auf seiner letzten Platte Randy Weston – Solo Piano, erschienen im Februar dieses Jahres. Der Titel der Scheibe “Sound“, fast ausschließlich live eingespielte Musikstücke wurden hier zusammengestellt, darunter eben auch der “Kucheza Blues“. Und wenn diese letzte Scheibe des großen Meistern schon aufliegt, höre ich noch “Porträt of Billy Holiday“ und den “Marrekach Blues“. Dann darf natürlich The Spirits of our Ancestors aus dem Jahre 1991 nicht fehlen, eine wunderbare Platte, ich lege “Blue Moses“ auf, ein Stück auf dem auch der von mir sehr verehrte Pharoah Sanders mitspielt. Eine Schallplatte mit dem Titel Blue Moses wurde nebenbei bemerkt auch veröffentlicht, im Jahre 1972, übrigens u.a. mit Ron Carter am Bass und Billy Cobham an den Drums, davon lege ich “Medina“ auf. Unter Orrin Keepnews und Rudy Van Gelder entstand 1955 die Platte GET HAPPY with the Randy Weston Trio , davon höre ich abschließend “Summer Time“.

 
 
 

 

 

Neulich erwähnte M eine Freundin, die den Erzählstil von Lost schwierig fand, der ganz gemäß des Titels dieser sehenswerten Serie seltsam ins Endlose sich verliert und variiert. Spontan dachte ich dabei an eine zurückliegende Begegnung mit einem sogenannten „Guru“. Es waren jene Tage, als man Gurdjeff las und die Suche nach dem Wunderbaren sowie das Treffen mit bemerkenswerten Menschen sich zu lohnen schien wie das Beten für den Glaubensfesten in der Kirche. Gerne widersprach man dem Schriftsteller Gerhard Zwerenz, die Erde sei so unbewohnbar wie der Mond. Auch Skeptiker und Nihilisten standen noch nicht hoch im Kurs, deren Zeit sollte erst später folgen. Er war der Sohn des grossen Hazrat Inayat Khan gewesen, der in seiner Heimat hohes Ansehen genoss, zudem auch Autor war einer Schrift namens The Music of Life. Peter Michael Hamel und Joachim-Ernst Behrendt erwähnten ihn in ihren Büchern. Sohn Pir Vilayat also – der Name klang nach Hirsch und Pirsch und Pionier und passte – führte die Erbschaft seines Vaters fort und war der Anführer des Sufi-Ordens im Westen. Ihm zu begegnen auf einem hohen Bergplateau in Sichtweite des Mont Blanc war ein erhabenes Ereignis. Eine bunt gewürfelte Dreihundertschaft aus aller Welt kam dort zusammen, um zu meditieren und Musik zu machen. Ich assistierte R in einem Workshop, wo man die eigene Stimme als „Spiegel seines Selbst“ wahrnahm, ein Buchtitel von Roland Barthes war richtungsweisend: Was singt mir, der ich höre in meinem Körper das Lied. Hernach kam man spielend vier Töne höher als zuvor, genoss die Rauheit seiner Stimmbänder und war auch ansonsten recht locker. Mit dem Sufismus selbst hatte ich eigentlich nichts am Hut und mit sogenannten „Gurus“ auch nicht. Doch dieser indische Weise war sympathisch, humorvoll, strahlte Würde und grossväterliches Wohlwollen aus. Das Essen war vegetarisch und das Wetter dort oben sehr wechselhaft. Auch die Gefahr, sich zu verlieben, war sehr gross. Lawinen gab es aber keine. Im Retreat sprachen wir zehn Tage lang nicht. Man zog sich in sein Zelt zurück, ging zuweilen wandern, traf sich schweigend nur, zu den Mahlzeiten etwa. Manchmal kam R vorbei, wir sassen vor meinem Zelt, genossen den Ausblick, rauchten eine Selbstgedrehte, tranken meinen Instantkaffee, denn offiziell gab es nur Chicoree. Nach dem Retreat war Fragestunde im grossen Rundzelt, mit dem Blick auf die Gletscherkulisse des Mont Blanc. Wir alle teilten scheinbar ein Problem: „Warum wird man während der Meditation permanent gestört durch Wünsche von Besitz, Besitzenwollen und dem Stilisieren von Gegenständen zu Kultobjekten?“ Des Gurus Lösung lag parat: man solle die Dinge nur als Mittel zum Zweck benutzen, nicht als Objekt der Begierde, Anbetung und Identifikation. Dann fragte Jemand, was er denn von Psychoanalyse halte. Interessiert spitzte ich meine Ohren. Das Unbewusste sei wie ein Tiefseefisch: der Analytiker versuche, ihn an Land zu ziehen, aber was er bekomme, sei kein Fisch mehr, sondern etwas Totes, seiner natürlichen Umgebung entzogen. In der Meditation aber lerne man zu tauchen. Jahre später begegnete ich dem grossväterlich symphatischen Inder erneut, auf einem Meeting in Norddeutschland. Wir sassen auf unseren Meditationskissen und ich liess mich von seiner angenehmen, mir vertrauten, besänftigenden, mit Witz gewürzten Stimme umfangen. Hinter mir flüsterte eine junge Frau ihrer Freundin zu: „Verstehst du was? Ich verstehe gar nichts.“ Ich musste schmunzeln, denn ich wollte ihn gar nicht verstehen und verstand ihn wohl genau deshalb. We sat in the same boat, diving in the same ocean. „Meet me on the higher planes“ – das waren oft des Gurus Worte. Doch ich hatte mich überschätzt bei meinem Höhenflug. Plötzlich war ich, auf dem Meditationskissen sitzend, ein Vierjähriger im Morgentau auf einer riesigen Wiese, Hasen hoppelten um mich herum. Diese Sinnesschärfe und Offenheit machten mir Angst, hauten mich regelrecht um. Panikartig reiste ich ab Richtung Heimat, zurück in gewohnte Gefilde. Einer jener Momente im Leben, die man als Niederlage verbucht und der Magie aus Mangel an Mut wie im Nu verpuffen lässt. The return of the anti-hero. Zurück zur Freundin von M: gerade sah ich Sneaky Pete, die Serie über einen trickreichen, windigen Filou. Das ist witzig, genial fotografiert, mit wunderbaren Typen auch. Aber die Handlung ist vertrackt, sprunghaft und schnell. Ich wollte aber gar nichts verstehen, nur wie blöde mich dem Flow hingeben – und hatte doch am Ende das Gefühl: I got it all. Was den Umgang mit Dingen als reines Nutzobjekt angeht, ohne jede kultivierende, ästhetisierende, identifikatorische Attitüde: da bin ich immer noch recht ratlos und auch vor so mancher Situation laufe ich noch davon. Ach wären wir doch Fernsehhelden! Und Meditation betreffend: leider hat sie nicht mehr die Schärfe jener Zeit, als wir noch Gurdjeff lasen, nach Tiefseefischen tauchten und keine Psychoanalyse brauchten. Doch heutzutage sind die Serien besser, und nichts geht über guterzählte Stories.


Manafonistas | Impressum | Kontakt | Datenschutz