Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

You are currently browsing the blog archives for the day Freitag, 17. August 2018.

Archives: Freitag, 17. August 2018

2018 17 Aug.

The Adman

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags:  | 1 Comment

Die Themenausstellungen im Andy-Warhol-Museum sind normalerweise sorgfältig kuratiert und lohnen den Besuch. Das Museum hat offenkundig früh begonnen, Exponate zusammenzukaufen und verfügt daher heute über eine Sammlung, die unbezahlbar sein dürfte.

Die derzeit noch bis September gezeigte Ausstellung „Adman — Warhol before Pop“ über Warhols Anfänge als Werbegrafiker in New York zwischen 1958 und ungefähr 1964 ist ausnahmsweise mal nicht so geglückt. Dabei ist das Thema gar nicht uninteressant. Der Mann muss ziemlich gut gewesen sein als Young Urban Professional. Auch gegen die Exponate lässt sich eigentlich nichts einwenden, außer dass es vielleicht zu viele Schuhe und zu wenige Plattencover sind. In vielen Fällen kann man wahrscheinlich von Glück sagen, dass sie überhaupt erhalten sind — damals hat sie ja niemand als „Kunst“ gesehen. Aber offensichtlich hat Warhol schon damals John Cages Empfehlung für Studenten beherzigt: „Keep everything.“

Der Haken in diesem Fall ist die Tatsache, dass man das fast alles schon als Teil der normalen Dauerausstellung gesehen hat, nur dass es diesmal unter einer neuen Überschrift zusammengefasst ist. Ein bisschen dünn, alles in allem.

Immerhin, hier das Glanzstück der Ausstellung:
 
 
 

 
 
 
Eine von Warhol entworfene und gemalte Markise, die 1960 über dem Schaufenster der Lederwarenfirma Fleming-Joffe in New York angebracht war. Das Original! Erstaunlich genug, dass dieses Ding, das draußen ja Wind und Wetter ausgesetzt war, nicht nur erhalten geblieben ist, sondern sogar noch gut erkennbare Züge hat.

Übrigens, später im Museumsshop sahen wir eine Besuchergruppe, fünf oder sechs Leute im Alter zwischen vielleicht 18 bis Mitte 20. Beim Wühlen in den T-Shirts mit der Banane drauf rätselten sie herum, was denn bitte wohl Velvet Underground gewesen sein mag. Never heard of, no idea, it doesn’t say.

Von oben bis unten durch das ganze Haus zu laufen, ohne mitbekommen zu haben, wer oder was Velvet Underground waren — das ist schon fast wieder ein Kunststück.

2018 17 Aug.

E & U – Wagner

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags:  | 3 Comments

Sandro?
nein
 
Richard?
schon eher
 
 
Ein ziemlich unscheinbarer cliffhanger in den comments von „My Ways“ ist Schuld an diesem (für manche abschreckenden) Titel.
 
 

es soll tatsächlich auch Leute geben, die ausser Wagner nichts gelten lassen

 
 

Ich selbst bin kein Wagnerianer, nicht einmal ein Opernfreund. Ich mag nur zwei Opern. Im Zeitraum eines halben Jahrhunderts habe ich vier Mal eine Aufführung der Bayreuther Festspiele besucht. In zwei Fällen war der Zutritt eher ungewöhnlich, ansonsten erhielt ich Billets von einer guten Freundin, die seit langem jährlich Festspiel-Tickets bestellt. Einst hatte man nach der Erstbestellung 8 bis 10 Jahre zu warten, bis einem Einlass gewährt wurde. Nicht warten müssen die von Hundertschaften der Polizei behüteten geladenen Gäste der Premiere. Sie sind reichlich ausgestattet mit ökonomischem und sozialem Kapital, aber bestimmt mit weniger kulturellem Kapital als die eingefleischten Wagnerianer, die später kommen, zum zweiten, dritten, vierten Zyklus. Ich erinnere mich, dass vor Jahren Franz Beckenbauer mit Gattin Premierengast gewesen ist. Im Präinternetikum hätte ich es bei diesem Sätzchen belassen müssen. Heute aber finde ich mühelos einen Artikel, der am 26.04.2008 im Berliner Tagesspiegel erschienen ist.

 

Es war Franz Beckenbauer, der Mitte der siebziger Jahre – angetrieben von seiner bildungsbeflissenen ersten Frau Brigitte – eine „Tristan“-Vorstellung auf dem Grünen Hügel besuchte und die Schallmauer durchbrach. Sein Kommentar? Er habe kein einziges Mal auf die Uhr geblickt. Im Übrigen sei die Arbeit eines Wagner-Sängers mit der eines Fußballers durchaus vergleichbar: fünf Kilo Gewichtsverlust pro Abend/Spiel. Und das Festspielhaus erinnere ihn an das Stadion Rote Erde in Dortmund: „Außen nicht besonders schön, aber drinnen hervorragend für die Spieler.“

 

Einer von jenen, die erfahren mussten, dass es Leute gibt, die ausser Wagner nichts gelten lassen, ist Gregor.

 

Ich musste um meine Musik kämpfen, sie heimlich hören, sie galt nichts, Klassik war alles, für meinen Vater vor allem Wagner. Aber für seine Musik zu kämpfen, das hat ja auch was.

 

Wie vor kurzem hier zu lesen war, blieben mir solche Kämpfe erspart. Vater-Sohn-Konflikte durchzustehen gab es für mich als opus postumum nicht. Mein Großvater aber war nicht besonders angetan von meiner Berufswahl. Er hielt Musik für eine brotlose Kunst.

Mit meinen Seminarlehrern gab es nur minimale Spannungen während des Referendariats. An die beiden blieben mir nur vage Erinnerungen. Sie rauchten wie Dampflokomotiven. Von Beat-Musik hielten sie nichts , denn da kämen ja Quint- und Oktavparallelen vor. Jo mei, wo sammer denn! Ich erlaubte mir den Hinweis, dass Carl Orff sich ebenfalls den Quintparallelen hingegeben habe, z.B. im Chorsatz Odi et amo aus Catulli Carmina. Ich bekam eine Antwort, deren Wortlaut mir entfallen ist, nicht aber der ideologische Duktus ihrer Rede, sinngemäß: Quod licet Iovi non licet Bon Jovi. Wie sie auf die Schüler wirkten, bekam ich zu spüren als ich in der 8. Klasse erstmals ohne beider Präsenz unterrichten musste. Als ich begann, den Auftrag zu erfüllen, ein Stunde über die Klarinette zu halten, brach unbeschreiblicher Lärm los, ich war hilflos im Tumult, der sich erst nach vielen Minuten legte, erst als die Schüler ihren Frust in Worten bekennen konnten und wir vereinbarten, dass in den folgenden Stunden zur Hälfte Stoff gemacht wird und sie dann ihre Lieblingsplatten vorstellen dürfen.

In Kronach war ich wieder im Hinterland angekommen. Der Musiksaal des Gymnasiums war der am weitesten vom Haupteingang entfernte Raum – ein Umstand, dem ich bald Symbolwert zuwies. Musik war kein Vorrückungsfach, die Oberstudiendirektoren, meine „Chefs“, waren keine „Wunderohrenkinder“, hatten auch keine Bücher über Polyphonie gelesen. Ich war abgesondert, vielleicht galt ich als absonderlich, niemand konnte mich an mir selbst irremachen, niemand hinderte mich, Songs der Beatles mit den Schülern zu singen. In meinem ersten Jahr in Kronach gestattete die Schulleitung gar den Auftritt der Band Ex Ovo (damals mit Klaus Kreuzeder am Sopran-Sax) vormittags zur Unterrichtszeit für die gesamte Mittelstufe. Im Sommer fuhren wir mit dem Bus nach Nürnberg zu Emerson, Lake and Palmer. Nun ja, einmal kam mir zu Ohren, dass ein Kronacher Kulturbischoff sich mokierte, der neue Musiklehrer lasse nur englische Lieder singen und spiele Beatmusik vor – das war aber nur die halbe Wahrheit.

 
 
 

 
 
 

Rechts im Bild sieht man Herrn Walter Kromp. Er ist vor vielen Jahren schon verstorben. Er hat mir einmal weitergeholfen. Es ging um den Auftritt einer Jazzband aus Hamburg, die ich von einem Jazzkurs her kannte, Musiker, die auch nach Auftrittsgelegenheiten suchten. Ich lud sie ein nach Kronach. Doch da das Konzert nur Abends stattfinden konnte, war es nicht möglich, dies als Schulveranstaltung auf die Bühne zu bringen.

Ich wandte mich an den Kulturring Kronach, der eigentlich nur sog. „Klassische Musik“ verwaltete. Den Vorsitzenden, Herrn S., versuchte ich mit besten Argumenten zu bewegen. Selbst der Hinweis, es würde den Kulturring keinen Heller kosten, fruchtete nicht, und mein vermeintlich stärkster Trumpf, der Saal würde mit jungen Leuten prall gefüllt sein, wurde mit diesen Worten niedergestreckt: „Für die sind wir sowieso nicht da!“. Ich habe den Hörer aufgelegt, ohne Gruß, und musste ein neues Telefon besorgen.

Walter Kromp dagegen, der Vorsitzende des Kreisjugendrings, antwortete auf meine Anfrage: „Klar, das machen wir.“ Das war dann erst der Anfang …

 
hm, jetzt fehlt mir aber der cliffhanger

2018 17 Aug.

An invitation to waste your time tonight

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

 
 
 

Imagine a book that celebrates daydreaming, that sees it not as a moral failing, but as an activity to be valued as an end in itself. To be clear, this is not a self-help book; nor is Hampl talking about meditation, yogic breathing or mindfulness – those worthy New Age practices that, well, have to be practiced.

Instead, Hampl is intrigued by the kind of instinctual, floaty, aimless daydreaming that many of us – if we were lucky – indulged in for hours and hours as children. As adults, of course, we feel like we need to have something to show for our time: achievements, chores, to-do list items crossed off.

Hampl wonders about what we miss when we no longer allow ourselves to simply get lost in thought. Her sharp and unconventional book – a swirl of memoir, travelogue and biography of some of history’s champion day-dreamers – is its very own Exhibit A, making the case for the profound value of letting the mind wander.

The same may happen with music, from sending you places to letting your mind wander to stopping you in your tracks. There‘s an hour on the music of Boards of Canada in the center of the five hours, and, as Michael wrote me about the specialists of memory and loss, you just seem to write a few essential lines that make a point, in the next moment you see any deeper meaning dissolve in the pure air of day dreaming. So, what is this kind of show really, called „Klanghorizonte“? It‘s a choice for your to get-lost list.

 

Michael: „Probably with  music from Immersion, Hilde Marie Holsen, Near East Quartet, Barre Phillips, Arve Henriksen (thanks, Rune, for sending a copy!), the one and only Aby Vulliamy, Dollar Brand, a fantastic trumpet solo by the late Thomas Stanko, the ur-music of Jamaica. Everything can change when a forthcoming opus of enigmatic startroopers  may arrive in time. (They didn’t arrive, but you can listen to the excellence of „Body“ by The Necks on Bandcamp, and order high quality downloads. They really go wild on the new one.) I still look for a place for the Beatles‘ „I‘m Only Sleeping“ – maybe inside an hour on our beloved daydreamers of BoC.


Manafonistas | Impressum | Kontakt | Datenschutz