Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Archiv: September 2018

Der Tamarindenbaum ist einer der ältesten Kult- und Kulturpflanzen Ostafrikas: sie nährt, spendet selbst in der größten Hitze mit ihren Millionen winziger Blätter Schatten und ihr festes Holz läßt sich vielseitig verwenden. Der Legende nach sollen aus Tamarindenholz die ersten Marimbas gefertigt worden sein. Auf Kisuaheli heißt die Tamarinde Mkwaju und nach ihr hat sich ein japanisches Percussionensemble genannt, deren Erstlinge aus dem Jahr 1981 nun endlich und zum ersten mal auch bei uns wiederveröffentlicht wurden. Und um es schon einmal vorwegzunehmen: die beiden haben mehr als das Zeug zum Reissue of the year!

Das erste Album des Mkwaju Ensembles heißt schlicht Mkwaju und die Musik ist noch durchgehend von keinem geringeren als Joe Hisaishi komponiert, der viele Jahre später die Filmmusiken zu den grandiosen Studio Ghibli Zeichentrickfilmen, neben denen sämtliche Disneyfilme einfach nur flach und banal daherkommen, komponieren sollte. Als Hauptprotagonistin spielt die hier schon mehrfach erwähnte Midori Takada neben Yoji Sadanari und Junko Arase Marimba und Percussion. Und natürlich darf der, den Sound japanischer Popmusik in dieser Zeit durch sein subtiles Gefühl für Klangfarben und -räume prägende Hideki Matsutake nicht fehlen. Das ganze beginnt voller Wucht mit der vieteiligen Mkwaju Suite, in der man sich schnell mitten in der afrikanischen Savanne wähnt, wäre da nicht – ja was eigentlich? Irgendetwas stimmt hier nicht, zu minimalistisch? Zu viele asiatische Hörgewohnheiten subtilstens eingeflochten? Das was in Afrika spielerisch zelebriert wird in radikalster japanischer Konsequenz über- und durchgezogen? Aber mit fast artistischer Vitalität. Dann noch zwei Stücke Pulse In The Mind und Flash-Back die den konsequenten perkussiven Weltmusikminimalismus noch weiter auf die Spitze treiben. Die tausende kleinen Rhythmusverschiebungen der tanzenden Tamarindenblättchen würden sicherlich auch bei Steve Reich das Herz höher schlagen lassen. Dazu empfehle ich thailändisches Tamarindenkonfekt mit feinstem Salzakzent zu der säuerlich erdigen Grundnote.

Nur wenige Monate später erscheint dann das eigentlich Debütalbum des Mkwaju Ensembles Ki-Motion mit eigenen Stücken. Hier kommen Annäherungen an eher kantige Formen des Pop mit ins Spiel, irgendwo zwischen Proto-Techno und Post-Punk, ohne das archaisch Treibende zu verlieren. dazwischen mit dem Titelstück Ki-Motion und mit Air zwei überraschende Ambientstücke, die dennoch den Fluss des Albums nicht unterbrechen. Ki-Motion ist sehr viel japanischer als Mkwaju, noch vielschichtiger, spielerischer und schon ein bisschen auf die späteren Werke Midori Takada’s hinweisend, von denen hier noch auf das jüngst erscheinene kleine Stück Le Renaud Bleu, das sie mit ihrer Tochter Lafawndah eingespielt hat, hingewiesen werden soll. Zeitlose japanische Juwelen aus dem Tamarindenreich, deren Halbwertszeit noch lange nicht abgelaufen ist.

 
 
 

 

2018 28 Sep

Flying over Iceland

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over Reykjavik, the “smokey bay”

where W.H. Auden went

to discover the background

of all our songs,

where I myself was received

by the Mayor and the President

(600 miles an hour

30,000 feet

599 miles an hour

my old street number on Belmont Ave)

where I, a second-rater

by any estimation,

was honoured by the noblest

and handsomest people of the West

served with lobster

and strong drink,

and I never cared about eyes

but the eyes of the waitress

were so alarmingly mauve

that I fell into a trance

and ate the forbidden shellfish

 

 
 

 
 

2018 28 Sep

The Merzbarn fake

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Seit ich die email von Russell Mills gelesen habe, fühle ich mich wie in die Fälscherwerkstatt von Beltracchi versetzt. Kein Trost ist, dass ein Kunstkenner wie Werner Spies eingestehen musste, dass er einen gefälschten Max Ernst für einen echten gehalten hatte.

Für mich war der Merzbau von Kurt Schwitters in der Nähe von Ambleside der einzig „Übriggebliebene“, den ich unbedingt sehen wollte. Was habe ich da eigentlich gesehen?

 
 

Hi Lajla, 

glad to hear that you had a good visit to Ambleside and to the Armitt Museum, and that you discovered much more about Schwitters. If and when you next visit the Lake District I’d strongly advise you to avoid the Cylinders estate at Elterwater and the two charlatans (Ian Hunter and Celia Larne who work under the name the Littoral Arts Trust) that run the site. The so-called Merzbarn contains no work by or evidence of Schwitters‘ time here, despite Littoral’s claims to the contrary. The building itself, no more than a 1940s lean-to shed, has been altered so much since 2006 that there is nothing of its original structure left. Littoral have received in excess of £1 million in grants-much of it public taxpayers money – and the barn is still a near-derelict, damp shed. They cannot explain where all this money has gone. They have persistently distorted Schwitters´ legacy in the Lake District with outright lies about his time here, designed to get publicity, sympathy and ultimately more bailouts. Because of Littoral’s appalling behaviour and mismanagement of the site, the Arts Council, the Tate, the MoMa NY, the Hatton Gallery in New Castle, the Armitt, and Abbot Hall Gallery in Kendal all refuse to have anything to do with them. If you wish to learn more read various texts and letters on my website

All best wishes 

Russ

 
 

Es war früher Abend, als ich rausfuhr, um mir den Merzbau anzusehen. Der Busfahrer ließ mich vor dem grossen eisernen Tor aussteigen und meinte: „I pick you up in 30 minutes.“ Ich öffnete die schwere Eisentür und ging ein Stück am Wald entlang. Ich sah auf dem Weg Skulpuren, Collagen, die ich Kunststudenten zuordnete. In dem Stall/barn fasste ich die Figuren von Schwitters an und wunderte mich, dass sie nicht aus Stein waren, sondern ich fühlte einen harten Stoff. Plane? Ich wusste, dass Schwitters damals schon sehr krank war und nur noch stundenweise dort arbeiten konnte. Auf dem Rückweg zum grossen Eisentor sprachen mich – out of the blue – zwei elegante ältere Damen an, ob ich denn die Ausstellung gesehen hätte. Ich verneinte und machte klar, dass ich nur wegen Kurt Schwitters hier wäre. Ich war schon am Tor, als die Eine zu schimpfen anfing, wie ich überhaupt hierher gekommen sei. „By bus!“

 
 
 

Kurt Schwitters - "Portrait of Dr. George A. Johnston"

 
 
 

Dieses Gemälde hängt in dem kleinen Museum in Ambleside. Schwitters hatte seinen Arzt gemalt. Der ist echt.

 

2018 28 Sep

Sylvia

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Vor etlichen Tagen bekam ich eine Nachricht hier, bei den Kommentaren: „Vielleicht bist du mein alter Freund Michael Engelbrecht aus Dortmund (Notweg)? Ich lebe nicht in Europa. How could we get in touch? Sylvia.“ Ihre knappen Zeilen fanden sich im Echoraum eines Textes über frühe Kinoerlebnisse, insbesondere ging es um mein erstes und bislang einziges Anschauen des Films „Fata Morgana“ von Werner Herzog – ich antwortete zügig, fügte noch die eine und andere Anmerkung dazu, löschte sie wieder, weil sie zu direkt waren, zu anspielungsreich. Meine Emailadresse hat sie nun, eine Antwort kam nicht. Das alles liess meine Erinnerungen, die stets auch ein Stückweit Fantasien sind, auf Hochtouren laufen, zumal ich mir gar nicht klar war, um welche Sylvia es sich handelt. Es war sicher kein erfundener Name, dazu war die Ortsangabe zu konkret („Notweg“), alles deutete auf die Teenagerjahre, denn später war diese Strasse nicht mehr mit meiner Geschichte verbunden. Wer ist sie? Eine weitere Fata Morgana?

Als erstes kam mir eine Sylvia aus dem alten Kirchhörder Geldadel in den Sinn. Sie hatte einen Bruder, der obsessiv „Lola“ von den Kinks als Single kreisen liess, und wohnte in einem grossen alten Haus im Dortmunder Süden. Wie wir uns kennenlernten, weiss ich nicht mehr genau, wahrscheinlich tauchte sie öfter im Jugendzentrum der Patroklus-Gemeinde auf, in dem wir bei schummrigem Licht Platten auflegten, Bier, Wein und Sprudel tranken. Seltsamerweise weiss ich noch genau, wie ich an einem Abend Don Sugarcane Harris‘ Album „Fiddler On The Rock“ auflegte, mit einer entfesselten Version des Geigers von „Eleanor Rigby“. Ein- oder zweimal war ich auch in dem Haus von Sylvia. In meiner Erinnerung ist sie ein warmherziger, offener, intelligenter Mensch, nicht die Spur arrogant, aber wir kamen uns nie sehr nahe. Weder trafen wir uns abseits der jeweiligen Cliquen, noch hatten wir irgendwas miteinander.

 
 
 

 
 
 

Dann gab es eine zweite Sylvia, vor Gericht beschwören würde ich nicht, dass sie Sylvia hiess und heisst, aber ich glaube schon. Eine sehr flüchtige Zeit. Ich war entweder halb verbandelt mit einer Ulrike U., oder notorisch liebesunglücklich, jedenfalls hatte ich keine besonderen Empfangsantennen für Sylvia 2, die mir sehr zugetan war. Sie hatte blondes Haar, klare, blaue Augen (wie kann ich mich an das Blau erinnern, wo ich doch nie in ihrem Blick versunken bin?), und sie klingelte einmal an der Tür am Notweg 11. (Sylvia 1 war meines Wissens nie bei mir daheim.) Hatte ich da keine Zeit, oder sind wir einen Kaffee trinken gefahren, ich weiss es nicht mehr. Der Vater von Sylvia 2 war, glaube ich, Rechtsanwalt, und sein Chauffeur fuhr sie an jenem Tag bei mir vorbei, sie kam spontan, es war ein feiner Annäherungsversuch, für den sie viel Mut gesammelt haben muss. Habe ich ihr an der Tür gesagt, dass ich leider keine Zeit habe? Ein anderes Mal besuchte sie mich (ich kreise das Datum ein) im April oder Mai 1974 in Münster, schellte dort, an einem sehr sonnigen Tag, wo ich eine Studentenbude hatte, und Damenbesuch am Abend untersagt war. Was wir genau unternommen haben, weiss ich nicht, aber wir haben nie miteinander geschlafen, und auch gross geküsst haben wir uns wohl eher nicht. Vielleicht einmal. Umso wehmütiger im Rückblick, denn sie war unglaublich herzenswarm, und sie sah klasse aus. As days roll by.

Wer war nun die Sylvia, die sich bei mir vor kurzem meldete, und mir, womöglich aus den USA, eine Nachricht zukommen liess? Je mehr ich darüber nachsinne, desto unsicherer werde ich. Die Bezeichnung „mein alter Freund“ ist eine sehr freundliche Umschreibung, aber wird keiner meiner Beziehungen zu Sylvia 1 und 2 annähernd gerecht. Beide Begegnungen waren ohne Dauer und vorübergehend in jeder erdenklichen Weise. Und ein zusätzlicher Beleg dafür ist, dass nun scheinbar nichts mehr nachkommt, ihre Identität wohl ein kleines unaufgelöstes Rätsel bleiben wird. Man kennt das: googelnderweise begibt man sich auf die Suche nach alten Namen, nimmt eine Spur auf, und weil doch alles letztlich so unverbindlich ist und war, lässt man die Spur auch wieder erkalten, freundlich, nichtssagend und nichts sagend. Nennen wir es kalifornische Freundlichkeit. Ich tippe auf den alten Kirchhörder Geldadel, und der Detektiv in mir muss dies wohl nun unter den ungelösten Fällen abhaken. Es kann sogar sein, dass es eine dritte Sylvia gibt, ein kurzes Bündnis einander grundfremder Wesen, einen Abend und drei Langspielplatten lang. Ich habe keine Ahnung.

2018 25 Sep

Jeff Tweedy mal 2

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2018 24 Sep

White Album 50

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Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich mich auf die Ausgabe dieses Werkes zum fünfzigsten Jahrestag seines Erscheinens freue! Bei Alben, die mich ein Leben lang begleiten, mag ich auch die „alternate takes“, die einzelnen Etappen der Entstehung eines Songs, die bislang unter Verschluss gebliebenen Studioaufzeichnungen. Ähnlich wie bei Sgt. Pepper erschliesst auf „white album“ jeder Song einen anderen Raum, anders als bei Sgt. Pepper, ist der Sound direkter, roher, weniger ausgefeilt, was die Frage gestattet: wie geht man hier an den Surround-Mix heran? Schon bei Sgt. Pepper war das Vorgehen sehr behutsam, dem Geist der ursprünglichen Aufnahmen geschuldet, „Within You, Without You“ und „A Day In The Life“ waren radikal ausgeschöpfte 5:1-Versionen mit Gänsehaut-Garantie. Aber egal, ob mono, stereo, oder „all around you“, jede Darbiertung weiss ihren ganz eigenen Zauber zu entfachen, und der Sohn von George Martin wird es diesmal genauso gut machen wie zuletzt. Ein Fest.

 

Auch wenn – einer Freundin zuliebe – das Old Ascot in Suttgart für eine kurze Zeit mein Stammlokal war, wurde ich nie zum Freund des englischen Pferde- Renn-, Reit- und Wettsports. Ich zögerte deshalb lange mit der Anmeldung zum 3. European Ride & Write Contest o.ä., war aber doch so neugierig, mir die Krimi-Bibliographie von Dick Francis anzuschauen.

Als erster Titel fiel mir „Hilflos“ auf; wenn das keine beachtenswerte Synchronizität ist (war ich doch erst kürzlich mit 17 x „hilflos“ aus Zürich beschäftigt)!

Die Werke Francis‘ in deutscher Übersetzung sind allesamt vergriffen. Just das Antiquariat, das „Hilflos“ für 53 Cent anbietet, scheint zu den gemütlichen Trabern zu gehören. Michael wird kurz nach dem Startschuss schon 15 der Bände gelesen, Gregor das Tor zum Pferdestall geöffnet haben. Fehlstart für mich.

Um doch noch im Laufe der Woche zu den Parallellesern aufzuschließen, habe ich aus der weitläufigen Pferdeliteratur dasjenige Buch ausgesucht, das mir am spannendsten erschien. Ich hoffe, dass meine Teilnahme damit gesichert ist.

Ganz fremd ist mir das Milieu nicht. Einige Jahre lang habe ich 4 Pferdefreundinnen zum Reiterhof gefahren und wurde von ihnen auf dem laufenden gehalten. Seither weiß ich, es gibt nirgends so viel Intrigantes, Gemeines, Neidisches, Eifersüchtiges, Durchtriebenes, Zickiges, Gehässiges wie auf einem Ponyhof. Auch nicht in Old Ascot und den Büchern von Dick Francis.

 
 
 

 

Two soundtracks I enjoy listening to frequently are White Bird In A Blizzard by Harold Budd and Robin Guthrie, and Le Grand Bleu by Eric Serra. The deep enjoyment of these soundtracks means that approaching the films isn’t something I’m in any hurry to do, because I’d be too busy listening to the music to concentrate on the film, and in any case, the music has already conjured up a kind of amorphous non-narrative film of its own for each of these soundtracks.

White Bird In A Blizzard is an astounding listen, every single time I hear it. The record’s compositions vary between those written solely by either artist, with only a couple that were co-written by both. The opening track (by Guthrie) sets the scene. If music could sound cold and luminous to the point of being able to see and feel it, then this is an example. But (perhaps counter-intuitively) the effect is warm rather than cold, not unlike watching snow falling outside, through a window: the snow falling faintly through the universe and faintly falling, like the descent of their last end, upon all the living and the dead.

Le Grand Bleu is a longer record, with more thematic variety. Sure, there’s all the watery bits with all the mystery and danger you’d expect, but there are also moments back on dry land – the contrast giving the impression that neither state is ideal, even if one is preferred. Serra’s compositions are brilliantly textured – maybe a bit 1980s sounding, but in a cool way. Two killer tracks here are Homo Delphinus and Much Better Down There, both of which hint at an emotional depth I can only hope the celluloid actually provides.

As for films I have actually seen, well 37°2 le matin by Gabriel Yared is about as good as it gets. Or Blade Runner by Vangelis. Then of course there’s film music for films that don’t even exist – such as Brian Eno’s „From the Same Hill“ and The Durutti Column’s „For A Western“. But that’s a whole ’nother blog.

 

 

 

 

Das waren insbesondere die Studentenjahre in Würzburg. Nach den bruchbudigen Pferdescheunen der Inselkinos auf ostfriesischen Inseln. Jeden Mittwoch ein Filmereignis im Audi Max, eingeleitet von kundigen Worten eines Filmbesessenen. Werde nie die Magie vergessen, das erste (und bislang nie wiederholte, weil Enttäuschung fürchtende) Sehen von Werner Herzogs „Fata Morgana“. Im City-Kino das begeisterte Versinken in Wim Wenders‘ Road-Movie aus dem Niemandsland der Ostzonengrenze. Später dann sogar ein kleines Filmfestival, in dem meine alte Heimat zu ihrem Recht kam, und ich Typen in der Dortmunder Nordstadt rumlaufen sah, die ich aus „alten Zeiten“ kannte, und mit denen ich, achtzehnjährig, über Platten gesprochen hatte von Soft Machine und Caravan. Im kleinen Würzburger Café an der Mensa, morgens, das Ritual, nach dem Sportteil der SZ sofort das Feuilleton aufzuschlagen, nicht zuletzt  auf der Suche nach Filmbesprechungen von Kritikern, die rasch lebendig wurden, in ihrem jeweils unnachahmlichen Stil, meine Neugier zu wecken. Vor allem Hans-Günther Pflaum, auch Peter Buchka. Später dann nahm ein gewisser Michael Althen ihren Platz ein, ein Kinosesselverwandter besonderer Art. Nicht fixiert auf das sofort in hehre Kunst Verwandelte, liess er sich treiben von Neugier, die nie an Genregrenzen festhielt, und mir sogar einmal einen besonderen Horrorfilm bescherte, der mal nicht „Rosemarys Baby“ hiess. Dann, später, musste ich schmunzeln, als er beschrieb, wie er einer meiner Lieblingsschauspielerinnen der Marke „hinreissend schön, und natürlich geheimnisvoll“ begegnete, auf einem Filmfest: Jahre zuvor hatte er sie einmal befragt, in einem dieser Interview-Staccati mit zwanzig Minuten Gesprächszeit. Und da schälte sie sich aus der Menge, und er war total verwundert, wie sie auf ihn zusteuerte, ihn herzlichst begrüsste und in ein Gespräch verwickelte, als wären sie alte Freunde. Zuweilen wird das Leben selbst zum Film. Nun ist Michael Althen schon länger nicht mehr unter uns, und es gibt einen Preis, der nach ihm benannt ist. Ein manafonistischer Text von Martina ist in die enge Wahl gekommen, und er ist so gut, dass er den Preis verdient hätte (wie die anderen Neun natürlich auch). „Gott ist ein Buch aus Sand“ ist der Titel ihres Beitrages, hier platziert zur Weihnachtszeit 2017. Und der Name der Schauspielerin ist Jacqueline Bisset, ich sah sie vor Wochen, daheim in meinem „electric cinema“, als Geliebte von Steve McQueen in dem Klassiker „Bulitt“. Dem mit der berühmten Autoverfolungsjagd. und der Musik von Lalo Schifrin, jüngst bei Speaker‘s Corner in einer exzellenten Vinylfassung neu herausgebracht.

 


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