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Archives: Dienstag, 12. Juni 2018

2018 12 Juni

Klaus Schulze: Silhouettes

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Von Klaus Schulze hat man lange nichts mehr gehört; irgendwann habe ich es allerdings auch aufgegeben, seinen Veröffentlichungen bewusst zu folgen. Seine letzte mir bekannte Soloplatte war Kontinuum von 2007, Shadowlands von 2013 ist mir anscheinend entgangen, seine Experimentierereien mit Lisa Gerrard fand ich eher nicht sehr geglückt. Aus gesundheitlichen Gründen wird es auch keine Konzerte von Schulze mehr geben.

Da freut man sich dann doch über ein Lebenszeichen. Und man erkennt ihn wieder. Silhouettes ist offenkundig ohne jeden Produktionsdruck und mit recht einfacher Ausrüstung entstanden, hat keine Gastmusiker, hängt sich an keine Trends an, kommt nicht mit aufgeblasenen Synthie-Effekten daher, sondern ist Ambient im besten Sinne. Eine über Strecken fast unauffällige Klanglandschaft, auf die man sich einlassen kann, die aber auch nicht stört, wenn sie einfach nur im Hintergrund läuft. Die Basis der vier Stücke sind Reihungen an- und abschwellender Akkorde, in denen gelegentlich die charakteristischen echogeladenen Schulze-Sequenzen aufblitzen, manchmal um simple Percussion ergänzt. Wirkliche Melodien gibt es nicht, aber die waren ohnehin nie Schulzes Stärke. Die Titel — etwa „Der lange Blick zurück“ oder „Châteaux faits de vent“ — lassen einen leichten Grad von Melancholie erahnen, der sich beim Anhören mehr und mehr bestätigt. Wer den Schulze von Mirage mochte, wird sich auf Silhouettes sofort zu Hause fühlen.

Silhouettes gibt es in allen handelsüblichen Formaten, unter anderem auch in einer 2-LP-Version in weißem bzw. graumarmoriertem Vinyl und als als limitierte Superduper-2-LP-Luxus-Version in rotem Vinyl mit beigelegter CD im Digipack und einem Print, um den Schulze wahrscheinlich in einer Vollmondnacht herumgetanzt ist. Ob man das braucht, muss jeder selbst wissen. Mir genügt die einfache CD. Aber die finde ich auch nach wiederholtem Hören erfreulich.

Vor ein paar Monaten schrieb ich an dieser Stelle ein paar Zeilen über die Wenders-Filme Alice in den Städten und Im Laufe der Zeit. Einige Jahre bevor diese Filme entstanden, wollte Wenders, Chefarztsohn, nach abgebrochenem Medizinstudium noch Maler werden. 1966 hatte er das Theaterstück Publikumsbeschimpfung von Peter Handke in der Städtische Bühne in Oberhausen gesehen. Damals traf er zum ersten Mal Peter Handke. Man soll sich über das gerade gesehene Stück ziemlich gestritten haben, hieß es. Während Handkes Zeit in Düsseldorf begegneten sich die beiden zufällig erneut. Hier in Düsseldorf legten Handke und Wenders dann den Grundstein für eine lebenslange Freundschaft. Für Wenders ist Handke der erste und beste Freund. Der Wunsch Maler zu werden, führte Wenders zunächst nach Paris, wo er allerdings weniger die Malerei als vielmehr für sich das Kino entdeckte. Er besuchte nun die Filmschule in München. Schon bald folgte die erste Zusammenarbeit der Freunde: Wenders drehte nach einem Buch von Peter Handke mit seinem Freund zusammen Drei amerikanische LPs, einen Fernsehkurzfilm für den Hessischen Rundfunk.

 
 
 

 
 
 

Zwei Jahre später folgte Die Angst des Tormanns vorm Elfmeter. In beiden Filmen spielte die Musik eine zentrale Rolle, Im Wenders/Handkefilm Die Angst des Torwarts vorm Elfmeter muss der Held des Films, Josef Bloch, wegen eines Fouls vom Platz, rote Karte, das wirft ihn vollkommen aus der Bahn. Gezeigt wird Bloch, wie er in Kneipen abhängt, die Musikboxen bedient, zuhause, im Hotel, überall Musik hört. Atmosphäre wird über lange Einstellungen erzeugt – gezeigt werden Tankstellen, Busse, ein Bahnhofskino, Musiktruhen, Kofferradios, Spielautomaten, Warteräume, Flipperautomaten und immer wieder Jukeboxen – und jede Menge Musik gibt es zu hören, von Van Morrison, den Kinks, den Troggs und anderen, gesprochen wird wenig.

 
 
 

 
 
 

Musik spielte in diesem Film eine so überragende Rolle, dass der Streifen Die Angst des Torwarts vorm Elfmeter wegen ungeklärter Musikrechte über 40 Jahre lang nicht gezeigt werden durfte. Man kann ihn jetzt wieder sehen, aber was für eine Enttäuschung, nicht mit der Originalmusik.

Zuerst aber drehten die Freunde Drei amerikanische LPs, einen Fernsehkurzfilm, den ich bisher noch nicht anschauen konnte. Über viele Jahre war ich auf der Suche nach diesem frühen Roadmovie. Nun, jetzt bin ich von Freunden auf diese Adresse aufmerksam gemacht worden und gebe den Tipp hier natürlich gleich weiter. Dreizehn Minuten aus einer anderen Zeit, 1969 war das.

 
 
 

 
 
 

Und jetzt weiß ich auch, um welche drei amerikanischen LP es geht: Van Morrisons Astral Weeks; Green River von Creedence Clearwater Revival und Harvey Mandels Cristo Redentor.

Anderes Thema jetzt: die Firma Hubro Records ist für mich ja schon seit einigen Jahren eine Andresse für Überraschungen. Kürzlich bin ich auf Hilde Marie Holsen und ihr Album Lazuli gestoßen und war total begeistert. Miles spielt da aus dem Himmel. Man glaubt es nicht, was die junge norwegische Trompeterin da für eine Musik hervorzaubert. Das fast 17minütige Titelstück hat mich jedenfalls so umgehauen, dass die Platte mal auf jeden Fall unter die ersten zehn auf meiner Hitliste 2018 erscheinen wird. Übrigens ist es Hilde Marie Holsens zweite Arbeit, die bei Hubro veröffentlicht wird, Ask war ihr Erstlingswerk.

 
 
 

 

2018 12 Juni

Zwölf Sechs Achtzehn

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Tage wie dieser: Samstagnachmittag. Auf dem Weg nach Oberhausen, mit dem Zug. Drei Sitzreihen vor mir ein Junggesellinnenabschied. Das Übliche: ein Mädel mit Bauchladen, es werden Süssigkeiten und andere trinkets verkauft. Die Kostümierungen (rosa!) sprechen für sich. Einige Sitzreihen hinter mir Jungs, die auch ihre lautstarke Feierfunktion aktiviert haben. Ob sie zu der Frauengruppe vor mir gehören, lässt sich nicht feststellen.

In meinem Rucksack krame ich nach meinen Kopfhörern, die ich schnellstens zum Musikhören aufsetzen muss.

Im Bahnhof Oberhausen angekommen, werde ich von ähnlich motivierten Mitmenschen (an ihrer Lautstärke sollt ihr sie erkennen!) förmlich überrannt; in die Bahnhofsbuchhandlung flüchtend, erfahre ich, dass die Grossveranstaltung „Oberhausen Olé“ dieses Publikum in die Stadt gelockt hat. Ich kaufe für einen Freund eine Ansichtskarte von Oberhausen, damit er später seinem zu Hause wartenden Sohn schreiben kann, und gehe andere, meine eigenen Wege in die Fussgängerzone, um ihn zu treffen.

Tage wie dieser: Montagnachmittag. Festgestellt, dass ich bestimmte Songs momentan eher nicht hören sollte; weil sie mir einen Kloss in den Hals zaubern und ich schwer an mich halten muss. Und das Phänomen erleben, dass man diese Lieder dann erst recht hören will. Und auch hört. Zu Hause sieht mich keiner dabei. Tage wie dieser.

 
 
 

 


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