Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

Du durchsuchst gerade das Archiv des Monats Mai 2018.

Archiv: Mai 2018

 

Hi Michael,

Apologies that I’m often a bit slower than average replying to emails – it’s not lack of interest, it’s just that I’m juggling a lot (I know, isn’t everyone – perhaps I’m just not as skilled at keeping everything up in the air)

Really glad that you heard back from Bill. I’d love to have a read of your lectures at Kristiansand – I’ve had very busy times lately, but will definitely set aside some time to sit down and read soon.

I’d be happy to do these conversations.

All the best

Aby

ps I looked at a lot of your links – fascinating and inspiring stuff – makes me want to dedicate a day to listening to all the tracks that have inspired you. In fact I went straight away and listened to some of the Brian Eno stuff (my mum was briefly at art school with him – said he was a lovely man – he probably wouldn’t remember her though).

What if you hate my solo material!?! Could be an even more interesting series of conversations, I suppose!

 

2018 29 Mai

Sonnenschein

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heute kam es zu einem Gewitter
es war harmlos, einige Kilometer entfernt
aber es brachte Regen ohne Hagel
das tat den vertrockneten Feldern gut
die Wolken haben sich noch nicht verzogen
hängen bleigrau am Himmel herum
und trotzdem scheint die Sonne
es gibt ja nicht nur unser Sonnensystem

 
 

Ich erhielt nach dem Gewitter einen Telefonanruf von der Firma Steingraeber & Söhne, einer Klavierfabrik in Bayreuth. Mein Sohn studiert in der Wagner-Stadt und spielt American Football bei den Bayreuth Dragons. Er wohnt in einer WG, in einem schönen alten Gebäude der Altstadt, unmittelbar neben den Verkaufsräumen von Steingraeber & Söhne. Im Januar diesen Jahres fiel mir ein Plakat im Steingraeberschen Schaufenster auf: am 23. Juli 2018 wird Daniil Trifonov im Markgräflichen Opernhaus einen Klavierabend geben. Es schien das einzige Plakat für dieses Ereignis in der Stadt zu sein. Dass es noch Tickets geben könne, hielt ich für ausgeschlossen. Als Keith Jarrett 1981 im Herkulessaal zu München auftrat, blieben die Litfaßsäulen der Stadt frei von Ankündigungen. Nach wenigen Tagen waren die Eintrittskarten vergriffen.

 
 
 

 
 
 

Diesen hinreißenden Auftritt Trifonovs habe ich zwei Tage vor dem Steingraeberschen Telefonanruf auf youtube gesehen. Ich weiß, Klassikallergiker werden sich hüten, den Play Button zu drücken, das müssen sie auch nicht. Aber ich versichere, nur ein einziges Mal (und dann nie wieder) dieses kurze Recital im Yellow Lounge Berlin hören zu sehen, ist ein einmaligeres Ereignis, als zum zehnten Mal die CD mit dem Köln Concert aufzulegen. Was für ein Rahmen! Hört man den Ton nicht, könnte man sich in einem Jazz Club wähnen – Bill Evans, solo am Klavier. Das Durchschnittsalter des locker am Boden sitzenden und herumstehenden Publikums halte ich für jünger als das der Besucher eines Rolling Stones Konzerts. Ja sogar blutjunge Bierflaschen sind als Hörer zugelassen.

 
 

im Januar habe ich bei Steingraeber & Söhne angerufen
das Konzert sei seit Sommer 2017 ausverkauft
anderes habe ich nicht erwartet
es war aber schön, mit der freundlichen Dame zu sprechen
und um einen Platz auf der Warteliste zu bitten
das könne sie machen, ich aber möge der Hoffnung entsagen
und überhaupt, mein erstes Klavier war ein Steingraeber
als ich vor einem Jahr das Haus meiner Mama leerte
fand ich alte Korrespondenz & Rechnungen in ihrem Archiv
auch jene des Klavierkaufs und der Transportfirma
ich konnte das Lächeln der freundlichen Dame am Telefon hören
vorhin hat sie mich angerufen
es sei ein Karte zurück gegeben worden
ob ich sie haben wolle?

 
 
Sonnenschein aus einem fernen Sonnensystem

 

 

 

Glen Jones / Jakob Bro Trio / Geir Sundstol / Wolfgang Muthspiel / Barre Phillips / The Necks / Arve Henriksen / Tunng (photo) /  Aby Vulliamy / Joey Baron & Robyn Schulkowsky / Tim Hecker / Kammerflimmer Kollektief  –  and one or another gem

 

 

 

Wahrscheinlich ist Gaito Gasdanows Buch „Nächtliche Wege“, für mein Empfinden zumindest, eine dermassen faszinierende Zeitreise ins alte, uralte Paris, dass sich nahezu alle Manafonisten auf ein a capella vorgetragenes „merveilleux“ einigen könnten! Wahrscheinlich werden die drei Alben des Monats keine Verkaufsrekorde erziehlen, steht hinter ihnen ja auch kein gigantisches Werde-Budget wie bei Kamasi Washington und der neuen, mir fremden, Lust am Jazz-Pathos, doch sind bei Sonar mit David Torn, bei Steve Tibbetts und Jon Hassell andere Ekstasen des Augenblicks im Spiel, ganz gleich, wie verinnerlicht, wie überbordend, und alles Hören bleibt Herausforderung – übrigens wird in der Radionacht Klanghorizonte am 16. Juni im Deutschlandfunk, in der fünften Stunde, an Jon Hassells fast vergessenen Klassiker „Vernal Equinox“ erinnert, der jetzt endlich wieder zugänglich wird. Wahrscheinlich könnte man Lust auf einen ihrer grossen Mystery-Romane bekommen (Brian Eno las sie in seiner Jugend gern), lässt man sich mit Ursula K. Le Guin und Todd Barton auf die Musik und Dichtkunst eines mythischen nordkalifornischen Stammes ein! Wahrscheinlich ist ein Zusammenprall von Kulturen (konservatives Hinterland vs. Osho-Jünger) selten so spannend dokumentiert worden, wie in der Netflix-Serie „Wild Wild Country“, aber alles wäre nicht ganz so beeindruckend, würde der Soundtrack, insbesondere die Songs von Bill Callahan, nicht eine weitere Erzählebene hinzufügen! Wahrscheinlich ist der am 18. Juni in deutscher Übersetzung erscheinende Thriller „In deinem Namen“ von Harlan Coben einer seiner allerbesten, handelt er zwar einmal mehr von einer vermissten Person, doch rankt sich da herum eine virtuos gestaltete Story um Liebe, Freundschaft, Trauer, Verrat und Rache – klingt ein bisschen nach einer „wilden Räuberpistole“, ist aber so leicht und raffiniert zugleich in Szene gesetzt, dass der Leser sich zwingen muss, das Lesetempo eine Spur zu veringern (dass Coben auch mal richtig scheitern kann, zeigt die Netflix-Umsetzung eines anderen seiner Erzählwerke, „Safe“, eine hanebüchen konstruierte Geschichte). Tja, und dann hören Sie sich bitte einmal „Moon In June“ an, zu finden auf „Third“ von Soft Machine!

 

2018 28 Mai

JKSCB

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2018 27 Mai

Manafonistisches

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Hintersinnig und hinterhumorig ohnegleichen. Jetzt schon eine meiner Lieblingsplatten 2018. Das vierte Opus imaginärer Standards bietet immerhin ein paar Jazzspuren mehr als die vorangegangenen Werke, aber immer noch steng dosiert. Der Kopf des Unternehmens ist Bill Wells, Pianist und Kreativverwalter eines Sample-Archivs. Er sucht und findet, ein ums andere Mal, die unerschöpflichen  Nebenwirkungen der Reduktion. Die Leadsängerin ist Kate Sugden, eine Vokalistin, die sich keinen Deut um Expressivität schert und schlicht dem Schlichten traut, dem Elementaren, seinen doppelten Böden. Man stelle sie in eine Traditionslinie mit Alison Statton, Karen Mantler und Astrud Gilberto. Und die Spielerin des Cellos, Aby Vulliamy? Wow – nur dieser Ausruf – auch der Rezensent probt Zurückhaltung. Ein perfekt durchgestalteter Songzyklus, kein Ton zuviel. Wir könnten noch über die Dunkelheit reden, die Räume der Kindheit, eine Abrechung mit Frohsinn a la Sinatra, die Überwindung der Nacht im Geiste des Bossa Nova, und die Kunst des Crescendos. Irgendwann später mal. Robert Wyatt würde, da halte ich jede Wette, dieses Album lieben.

 

2018 25 Mai

Erst Zug, dann Spitze

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Hier ein paar Eindrücke von dem 2962er vor drei Wochen.
 
 


 
 

Thela hun ginjeet thela hun ginjeet
Thela hun ginjeet thela hun ginjeet
Thela hun ginjeet thela hun ginjeet

(King Crimson)

 

Pfingstsonntag von Aachen nach Partenkirchen, ein Solo mit dem in die Jahre gekommenen Tojoten. Gute acht, neun Stunden gebrettert. Das GPS führte mich durch eine bedrohliche Regenkulisse in Tirol. Angekommen im Hotel Alpina für eine Nacht. Warum fahre ich am nächsten Morgen nach Grainau zur neuen Seilbahn, die einen in knapp zehn Minuten von 800 Höhenmeter nahe ans Gipfelkreuz transportiert, in knapp 2800 Metern? Eine elende Warterei zuvor, Kaiserwetter und Pfingstmontag.

 

Als ich letzte Stufen hochging, spürte ich die dünne, zittrige Luft. Ich setzte mich, noch groggy vom Vortag und der halben Mütze Schlaf auf eine Bank. Wollte Charlotte nicht schon oben sein, mit schicken weissen Kopfhörern und der neuen Jon Hassell-CD? In meiner Reisetasche das neue Buch von Michael Pollan, Obertitel: „How to  Change Your Mind“ – wahrlich keines dieser grossmäuligen Ratgeber. Ich schweife ab.

 

Es gab Wochen zuvor einen Vorfall im linken Innenohr, und dann eine Woche vor dem Trip, noch einen. Die Akutmassnahmen griffen, aber hartnäckig blieb die Eustachische Röhre verschlossen, egal, welche Tricks zum Einsatz kamen. Bitter für das Musikhören, ganz bitter. Ich kannte das Problem mit der streikenden Röhre schon von früher, und entwickelte einst, mit jeder Menge ärztlicher Skepsis im Vorfeld, meine Idee einer Druckkammertherapie. Tatsächlich lief es dann so ab: nach zwanzig Minuten Flug Richtung Arrecife baut sich ein sehr schmerzhafter Druck im Ohr auf, der bis zu einer halben Stunde andauern kann. Dann, wie ein Tresor, knackt langsam, Zahnrad für Zahnrad, die verriegelte Röhre auf, und das gute Hören kehrt zurück.

 

Bei den acht Flugexperimenten dieser Art (leider nicht auf Krankenschein) stellte sich ein anhaltender Effekt ein. Wie eine Kur. Nun waren in den Pfingstferien meine bevorzugten Orte sehr teuer und ausgebucht. Dann, verriet mir ein aufgeschlossener HNO-Arzt, tut es auch die Zugspitze.

 

 

 

Ich sass auf der Bank. Nach einer Viertelstunde etwa baute sich ein ziemlich schmerzhafter Druck im linken Ohr auf, nicht so schlimm wie bei Flügen, aber nah dran. Ich hiess den Schmerz willkommen. Arbeitete mit Affirmationen, stellte mich aufrecht hin wie ein Musterschüler von Turnvater Jahn, streckte meine Arme zweimal nach vorne, zweimal zur Seite, zweimal nach oben (und als ich dazu ein paar alte Goethe-Verse aus dem West-Östlichen Divan mit Stimmwucht rezitierte, spürte ich den Blick einiger Touris auf mir, die mich für nicht ganz dicht hielten, was bei mir allerdings keine erröteten Wangen, sondern innere Heiterkeit produziert) – „Allen Gewalten zum Trutz sich erhalten / Nimmer sich beugen, kräftig sich zeigen / Rufet die Arme der Götter herbei!“.

 

Ich setzte mich wieder, die Wolken zogen sich zu, das wundervolle Knacken der Röhre setzte ein, es dauerte eine Weile, und die Ohren waren bestens aufgestellt. Ich verweilte zwei Stunden im Höhentraining, und sicherte den Effekt am nächsten Tag mit einer weiteren Seilbahnfahrt ab. Haferlkaffee in der höchsten Berghütte des Landes, mit Bergdohlen. Und dann gingen die Abenteuer weiter. Am Tag nach der Heimkehr legte ich eines meiner Lieblingsalben von King Crimson auf, „Discipline“, den 5:1-Mix von Herrn Wilson. Berauschend.

2018 24 Mai

Greg am Telefon

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Er hätte mir vergessen zu sagen, was seine No. 1 des Jahres bisher sei, und ich fürchtete schon das Schlimmste, weil wir ja, neben unseren erstaunlichen Gemeinsamkeiten, auch klassische Differenzen haben. Aber es war dann doch mal wieder das seelenverwandte Feld im Spiel, und keine Pfadfinderübung in Toleranz, als er Music for Installations von Brian Eno die einsame Spitze zuwies. Obwohl er ja (räusper, räusper) e i n Problem mit der Box habe: die Musik fasziniere ihn dermaßen, dass er beträchtliche Schwierigkeiten hätte, sich Abend für Abend für eine bestimmte der sechs CDs zu entscheiden. Aber sobald er sich dann durchgerungen habe, sei er im Flow der jeweiligen Kompositionen. Bei mir wechseln die jeweiligen Favoriten unter den sechs Granaten auch hin und wieder, doch derzeit, nach dem doppelten Trip auf die Zugspitze, ist erst mal „Making Space“ der Anführer. Nach dem Schlussakkord der letzten Komposition fiel mir der Titel eines typischen (und hier fast feierlichen) „Finaltracks a la Eno“ auf, „Delightful Universe (seen from above)“.

 


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