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Archives: Klaus Schulze

 
 
… and now for something completely different: Seit 1970 produziert Klaus Schulze Platte um Platte — unmöglich fast, auch nur einen Teil davon zu kennen, wenn man nicht wirklich „die-hard fan“ ist. Zu denen zähle ich nicht, gleichwohl ist die Musik Klaus Schulzes für mich ein Wegbegleiter durch die Jahrzehnte gewesen.

Verblüffend, dass es in all den Jahren keine vernünftige Biografie gegeben hat. Es mag damit zusammenhängen, dass Schulze sein Privatleben privat hält. Auch in dieser vor kurzem erschienenen Biografie von Olaf Lux (den man sicher als „die-hard fan“ bezeichnen darf) findet sich darüber eher wenig. Das schadet aber nichts; das Wenige, das man erfährt, lässt darauf schließen, dass Schulzes Leben im Prinzip relativ unspektakulär verlaufen und er selbst bei allem Erfolg ziemlich bodenständig geblieben ist.

„Violinen wachsen nicht auf Bäumen“ ist ein Ausspruch, den Klaus Schulze Journalisten und anderen Fragern entgegenhält, die den Synthesizer für kalte Technik und auf ihm gespielte Musik für „künstlich“ oder „tot“ halten. Dieses Argument trägt schon deshalb nicht, weil auch Gitarren oder eben Geigen Produkte einer hochstehenden Technologie sind, außerdem spielen Synthesizer nicht von allein, sondern bringen nur das an den Lautsprecher, was ein Musiker aus dem Instrument macht. Das bedeutet: Man muss auch das Spielen auf einem Synthesizer erlernen, und bis man das Instrument beherrscht, stecken hunderte, wenn nicht tausende von Stunden darin.

Elektronikfans haben allerdings leicht mal die Tendenz, die elektronischen Instrumente zum Fetisch zu erheben. Die manchmal ellenlangen Listen des verwendeten Equipments auf LP-Covern (auch Schulzes) sprechen Bände. Olaf Lux weiß die Instrumente einzuordnen, fällt aber dieser Fetischisierung nicht anheim. Platte für Platte wird in chronologischer Reihung vorgestellt, gelegentlich kurz von Exkursen unterbrochen, die auf Weggefährten, Plattenfirmengründungen und -pleiten, Live-Situationen, Schulze als Produzent und andere Dinge eingehen, auch Schulzes jahrelange Alkoholprobleme werden nicht verschwiegen. Das meiste war mir nicht neu, aber trotzdem findet sich zu fast jeder Platte irgendeine Hintergrundinformation, die ich noch nicht gehört hatte. Die Arbeit, das alles zusammenzutragen, muss enorm gewesen sein (zumal Schulze selbst für den Verfasser nicht zu sprechen war).

Wenn ein Fan die Biografie seines Stars schreibt, ist das immer ein Seiltanz. Der ist hier im Großen und Ganzen geglückt. Das eine oder andere kritische Wort zu Schulzes überbordender Veröffentlichungspolitik hätte ich mir schon gewünscht, und für mein Gefühl sind viele Platten Schulzes einfach zu lang. Aber das ist Geschmacksache. Wenn ich sagen sollte, welche Platten von Schulze ich für wirklich wichtig halte, dann fallen mir fünf oder sechs ein — die allerdings sind dann wirkliche Meilensteine.

Wer sich für Klaus Schulze interessiert, kann unbesorgt zugreifen, wer ihn nicht mag, wird mit diesem Buch nicht viel anfangen können. „Violinen wachsen nicht auf Bäumen“ ist gut geschrieben und handwerklich gut gemacht, auch wenn man sieht, dass es kein professionelles Satzbild ist. Das Buch hat — was bei selbstpublizierten Werken aus Kostengründen nicht immer selbstverständlich ist — eine gut lesbare Schrift (mein Tipp: Century Schoolbook oder eine ähnliche) in gut lesbarer Schriftgröße (die meisten Leser werden schließlich nicht mehr die jüngsten sein), ist parallel in deutscher und englischer Sprache erhältlich, hat 540 Seiten, kostet 39,99€ und ist nur hier erhältlich.

2018 12 Jun

Klaus Schulze: Silhouettes

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Von Klaus Schulze hat man lange nichts mehr gehört; irgendwann habe ich es allerdings auch aufgegeben, seinen Veröffentlichungen bewusst zu folgen. Seine letzte mir bekannte Soloplatte war Kontinuum von 2007, Shadowlands von 2013 ist mir anscheinend entgangen, seine Experimentierereien mit Lisa Gerrard fand ich eher nicht sehr geglückt. Aus gesundheitlichen Gründen wird es auch keine Konzerte von Schulze mehr geben.

Da freut man sich dann doch über ein Lebenszeichen. Und man erkennt ihn wieder. Silhouettes ist offenkundig ohne jeden Produktionsdruck und mit recht einfacher Ausrüstung entstanden, hat keine Gastmusiker, hängt sich an keine Trends an, kommt nicht mit aufgeblasenen Synthie-Effekten daher, sondern ist Ambient im besten Sinne. Eine über Strecken fast unauffällige Klanglandschaft, auf die man sich einlassen kann, die aber auch nicht stört, wenn sie einfach nur im Hintergrund läuft. Die Basis der vier Stücke sind Reihungen an- und abschwellender Akkorde, in denen gelegentlich die charakteristischen echogeladenen Schulze-Sequenzen aufblitzen, manchmal um simple Percussion ergänzt. Wirkliche Melodien gibt es nicht, aber die waren ohnehin nie Schulzes Stärke. Die Titel — etwa „Der lange Blick zurück“ oder „Châteaux faits de vent“ — lassen einen leichten Grad von Melancholie erahnen, der sich beim Anhören mehr und mehr bestätigt. Wer den Schulze von Mirage mochte, wird sich auf Silhouettes sofort zu Hause fühlen.

Silhouettes gibt es in allen handelsüblichen Formaten, unter anderem auch in einer 2-LP-Version in weißem bzw. graumarmoriertem Vinyl und als als limitierte Superduper-2-LP-Luxus-Version in rotem Vinyl mit beigelegter CD im Digipack und einem Print, um den Schulze wahrscheinlich in einer Vollmondnacht herumgetanzt ist. Ob man das braucht, muss jeder selbst wissen. Mir genügt die einfache CD. Aber die finde ich auch nach wiederholtem Hören erfreulich.


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