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Archives: Donnerstag, 25. Mai 2017

Um Missverständnissen gleich am Anfang vorzubeugen: hier soll nicht die Rede von Kim Dotcom Schmitz und seinem Megaimperium sein, der immer noch fleißig gegen seine Auslieferung an die USA kämpft und gerade probiert deren leicht überengagierten Präsidenten für sich zu gewinnen. Nein, hier geht es um eine Compilation von Songs, die schon einmal eher nebenbei etwa im Jahre 2000 veröffentlicht wurden und nun offiziell das Licht der Welt erblicken dürfen. Einäugig versteht sich, denn so sind sie nun mal: The Residents.

Ende der 70er Jahre hörte ich zum ersten mal Third Reich & Roll auf einer alten Kassette (auf der anderen Seite war irgendwas von Throbbing Gristle) und leierte die erst mal reichlich durch mein Tapedeck. War deutlich anders als das, was es sonst so zu hören gab. Fanden meine Freunde auch & mich seltsam.

Später kam Eskimo, was ich immer noch für ihr bestes Werk halte: eine einzigartige Kreation fiktiver Ethnomusik, eine bizarre und fremde Atmosphäre, die sich entlang höchst obskurer Geschichten entlang hangelt. Oder später Wormwood, wo die höchst obskuren Geschichten einfach dem perversesten Bodensatz biblischer Erzählungen entnommen wurden, vielleicht um aufzuzeigen dass das religiös begründete Meucheln des Nächsten auch bei uns kulturell solide verankert ist. QED.

Und nun die ersten Worte auf Dot.Com: Don’t worry, I won’t hurt you! Das Versprechen hält aber nicht lange, because There’s Blood (on the Bunny) and I Murdered Mummy mit sehr plastischem Intro! Gefühlsecht. Zwischendurch, während sich die Konkurrenz im Seniorenstift Gedanken darüber macht, wie sie ihre Rente aufbessern können, weil sie zuwenig in die Künstlersozialkasse eingezahlt haben, werden ein paar alte Stücke kurz und bündig für Gamelanorchester neu gesetzt und mit Eskimo Opera eine Reminiszenz an Eskimo abgefackelt. Und wem das nicht reicht, dem sei die wunderbare Eskalation einiger eingestreuter Live-Stücke, insbesondere aber dem musikalischen Malstrom Walter Westinghouse empfohlen.

Vor der Seniorenresidenz an der Fake-Bushaltestelle sitzen inzwischen die übrig Gebliebenen mancher einst bekannten Band (ich will hier keine Namen nennen, um die Ärmsten nicht noch zu ihrem traurigen Schicksal zusätzlich zu diskriminieren) und planen eine weitere überflüssigste Reunion, die man sich so wenig wünscht, wie dass an der Scheinbushaltestelle doch noch einmal ein Bus vorbeikommt. Währenddessen rücken die Residents den Zylinder auf ihren Augapfelköpfen zurecht, straffen den Frack und ab geht’s über den Anstaltszaun raus in die Welt der Schaurigkeiten. Wo derletzt tragische Geschichten von Zugunglücken auf Ghost of Hope herhalten mussten, gibt es vielleicht demnächst die bitterbösen Stories von mysteriös verschwundenen Greisen mit musikalischer Untermalung, während der hausinterne Seniorenresidenzsender gerade dazu übergeht die akustischen Einschlafhilfen der Alteingesessenen ehemals Kreativen in die Appartements zu spielen, nicht zuletzt um Medikamente zu sparen und einige multipel vorgeschädigte Lebern zu schonen … Chapeau!

 
 
 

 

2017 25 Mai

Gregor öffnet seinen Plattenschrank (138)

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„Meine Musik fühle ich als Widerschein von Empfindungen und Erinnerungen. Ich möchte sie immer wieder neu erwecken und meine Seele mit Tönen erzählen lassen.“ (Konstantia Gourzi)

 

Manchmal beschenkt mich mein Plattenschrank. Ehrlich. Nach eines langen Tages Last wollte ich mir vor ein paar Tagen ein Stündchen feine Musik gönnen. Den Plattenschrank vor Augen, fiel mein Blick auf die Abteilung “Tord Gustavsen“, wohlgeordnet standen die CDs des Pianisten vor mir aufgereiht, aber eine, nämlich Restored, Returned, hatte sich verirrt und war zwischen “Paul Giger“ und “Geoprges Gurdjieff“ zu finden, gleich daneben fiel mir noch eine Platte von “Konstantia Gourzi“ auf, Music for Piano an String Quartet. Ein Leben lang sehne ich mich nach Ordnung, wenigstens im Platten- und Bücherschrank sollte im Ansatz Ordnung herrschen. Ich hasse es, wenn ich eine bestimmte Platte hören möchte, sie aber dann erst noch Stunde um Stunde suchen muss oder ich möchte ein bestimmtes Zitat eines Autors nachlesen und besagtes Buch befindet sich im Nirgendwo.

Anyway, Unordnung im Plattenschrank kann den Hörer auch beschenken. Die Platte von “Konstantina Gourzi“ entdeckte ich ja zufällig, weil sich eine “Tord Gustavsen“-Scheibe verirrt hatte. Diese Gourzi-Platte aus dem Jahre 2014 hatte es in eben diesem Jahr auf meine Jahres-Top-Ten geschafft, aber seitdem habe ich, weiß der Teufel warum, diese Scheibe vergessen, nie wieder auch nur ein Stück daraus gespielt. Also stellte ich das Programm für meine Musikstunde auf diese Komponistin um.

Die Musikwissenschaftlerin Ingrid Allwardt schreibt zu der Platte: „Wie lange dauern Fragmente einer Ewigkeit ? Und wie lang der Nachhall eines Augenblicks? Wie klingt eine kleine Geschichte? Diese kleine Geschichte, sagt die Komponistin, „entstand in einem südfranzösischen Urlaubsschloss.

 
 
 

 
 
 

Ich hatte plötzlich eine intensive Wahrnehmung der Natur, die mir in diesem Augenblick so fein und irgendwie in sich sehr verbunden erschien. Für diese Empfindung gab es für mich nur einen einzigen melodischen Ausdruck. Diese kleine Anfangsmelodie wollte zunächst singulär stehen und dann in ihrer Transparenz weiter existieren, ungestört und atmend. Schritt für Schritt gesellten sich andere Elemente hinzu, welche die kleine Melodie anreicherten, ihren ruhigen Fluss jedoch nicht störten. Diese Art vertonter Atmung ist für mich als Komponistin bei der Entstehung von Musik wichtig…“

Und so beginnt die Schallplatte Mit Eine kleine Geschichte, gefolgt von P-ILION, neun Fragmente einer Ewigkeit (Pilio, weit abgelegener Ort in Griechenland, mitten im Wald), mit den Sätzen einatmen, ausatmen, tettix, jasmin, geheimnis, ode, windig, tanz, und nachtblume. Nach dem griechischem Gott der Winde, Aiolos, nennt die Komponistin ein Stück, das sie den Komponisten und Musikern H.L.; G.K.; P.R.; C.A.; D.B. und D.R. widmet, gemeint sind Helmut Lachenmann, György Kurtàg, Peter Raue, Cluadio Abbado, Daniel Barenboim und Dieter Rexroth.

Eine wunderbare Musik, eine ungewöhnliche Musik!

Es musizieren Lorenda Ramou (piano) und das Ensemble Coriolis, bestehend aus Heather Cottrell (violin), Susanna Pietsch (violin), Klaus-Peter Werani (viola) und Hanno Simons (violoncello).

2017 25 Mai

Diagrams – „Wild Grasses“

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