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Archives: Sonntag, 14. Dezember 2014

Vor Jahr und Tag gab es eine öffentliche Diskussion mit unserm Präsidenten Watzke und Trainer Klopp. Dass Jürgen hier nie entlassen würde, und das Ende seiner Dortmunder Zeit selbst bestimmen werde, verkündete der Sauerländer (ein exzellenter Chef) kurz und trocken. Aber wenn sie mal Tabellenletzter seien, entgegnete unser Trainer, das solle er, Aki, sich dann nicht antun. Doch, auch dann, keine Frage. Der Trainer steht tatsächlich nicht zur Diskussion und wird hundertprozentig nicht gefeuert.

Am Ende dieser Woche könnte der BVB zum dritten Mal in dieser Saison den letzten Platz einnehmen, vor der Winterpause. Harte Zeiten. Der Abstiegskampf wird dauern, womöglich bis zum 34. Spieltag. Wie konnte das passieren? Kein Mensch hat mit so einem Absturz gerechnet. Das sprengte tatsächlich die Kaffeesatzleserei der dunkelsten Schwarzseher.

Nach der WM kamen unsere „Weltmeister“ verspätet zurück, mit einer gewissen Leere, mit Trainingsrückstand, und, im Falle von Hummels, verletzungsanfällig. Nach seinem Kreuzbandriss fand auch der ursympathische Subotic nicht zu alter Klasse, Ginter, der 10-Millionen-Mann aus Freiburg, ist nervlich überfordert, wohl auch überschätzt, produziert Fehler fürs Skurrilitätenkabinett. Torgarant und Genius Reus fällt permanent verletzt aus, Gündogan braucht viel Zeit, um seine alte Stärke auf den Platz zu bringen.

Lewandowski wird nicht ansatzweise ersetzt durch die wankelmütigen Formschwankungen von Immobile und Ramos. Auf einmal tauchen in scheinbar automatisierten Abläufen Spieler wie Fremdkörper auf. Aubameyang hat den beiden Neuen bislang den Rang abgelaufen, einer der wenigen Lichtblicke, neben einigen ordentlichen Spielen, neben mitunter soliden Darbietungen auf der Doppel-Sechs. Da sind eigentlich (EIGENTLICH!) mit Bender, Gündogan, Sahin, Kehl und Kirch potentiell allerbeste Leute im Team. Aber auch da fehlt die Konstanz. Und die Rückkehrer Kagawa und Sahin haben nie an die Brillianz ihrer Meisterjahre anknüpfen können. Warum, ist rätselhaft.

So wird jede Menge Durchschnitt produziert, in die Abwärtsspirale mischt sich Versagensangst, bisher haben Klopp und Co. da keine erfolgversprechende Strategie entwickelt (gibt es keine zwei, drei Sport-Psychologen, die man im Winter engagieren könnte, aus meiner Sicht fast ein zwingende Option) – bei dem 0:1 in Berlin spielte die Mannschaft wie ein Team, das völlig zurecht da unten steht, ohne Esprit, ohne Abgebrühtheit, ohne mentale Stärke. Auch ein beeindruckender Leader wie Sebastian Kehl kann nur punktuell das Wir-Gefühl stärken.

Manchmal blitzt vertraute Klasse auf, aber diese „highlights“ wirken wie kurze „Ausreisser nach oben“. Mittwoch kommt Wolfsburg, Samstag geht es zum Kellerduell nach Bremen. Ich glaube nicht mehr an ein „happy end“. Ich glaube an ein Drama, an den rigorosen Einbruch des Irrationalen in einer nur scheinbar programmierbaren Erfolgsgeschichte. Reus wird am Saisonende gehen, das ist für mich ausser Frage, Gündogan wird nur zu halten sein, wenn seine Formkurve nicht steil nach oben geht. Auflösungserscheinungen bahnen sich an. Schon länger übrigens.

Der erste Vereinsangestellte, der sagen wird, dass die Hoffnung zuletzt stirbt, hat, im speziellen Falle von Dortmund, die tiefer gelegte Bedeutung gleich mitgeliefert: es gibt keine Hoffnung mehr. Ich hoffe, so weit wird es nicht kommen, dieser Spruch wäre das Ende. Die Phrase eines Fiaskos. Auf Dauer sind Verluste von Spitzenspielern nicht mehr kompensierbar. Der Weggang von Mario Götze war ein Schlag ins Kontor, da ging einer, der das Fussballspielen in Dortmund lernte. Es könnte nun ähnlich wie vor Jahren in Bremen zugehen. Was man nicht zusammenhalten kann, bricht irgendwann auseinander. Klopp ist wie geschaffen für solche Extreme. Er könnte jetzt seine Grenzen kennenlernen. Aber auch dem Weg dorthin (die Gegend heisst Abgrund, man kennt solche Fallhöhen aus griechischen Tragödien) geht man in Dortmund – da schafft sich Fussballromantik noch einen letzten Raum, auf den Spuren der  Liverpooler  Hymne – nicht allein.

Das sagte heute Alexander Kluge, der heute seinen Film SIGNATUREN DER VERLAESSLICHKEIT in Duesseldorf vorstellte. (Es ist nun hier mein dritter Besuch einer Welturauffuehrung, dreimal ist Bremer Recht :)) Die zu sehende Version war noch ein Werkstattfilm, der es aber in sich hatte. Alexander Kluge ist ja ein Jaeger :) und Sammler historischer, kuenstlerischer oder wissenschaftlicher Epigonen.

Die Filmidee hatte die Vorstandsfrau fuer Integritaet und Recht von Daimler AG. [Hohmann-Dennhardt] Es ging erstens darum, was eigentlich Integritaet ist. Am Beispiel von der Folteranwendung des Kriminalpolizisten an dem Moerder des kleinen Bankiersohns in Frankfurt wurde scharf differenziert, wann Folter ausnahmsweise angewendet darf: wenn der Folterausfuehrende hinterher zugibt, dass er schuldig ist. Zweitens ging es um das Gewissen, was das eigentlich sei. Das abgewandelte Goethe-Zitat wurde hinterfragt: „Der Mensch sei nicht edel, nicht hilfreich und boese.“ Das ist sehr schoen im Film mit Fragen wie u.a. „Darf man einen Menschen toeten, um andere Menschen zu retten?“ aufgezeigt.

Alexander Kluge ist ein wunderbarer Geschichtenerzaehler, der immer wieder zur Lust am Denken aufruft. Eine ganz adventleise Kritik moechte ich doch loswerden. Er sagte, dass er es toll gefunden haette, dass Juergen Habermas vor dem Bundesverfassungsgericht einen Vortrag ueber Europa gehalten haette. Ja, das ist gut, der Ort, aber was hat denn Juergen Habermas wirklich zu Europa nun gesagt?

„He raised the stake
And broke the soil
And phrased the stroke
That takes the oil
And stoked, erased and foiled the lake
And smoked and boiled the grazing snake
The roil, the choke, the cakes of praise
The spoils that break now cloak the days
That wake the coil of blazing coke
The flaking glaze of Royalty broke
He raises, stakes, admires, stokes
The flowery blaze, the fiery pokes“

 
 

E. E. Cummings would have loved these verses. Time travel activities: four Eno albums (from the 90’s) have now been be re-released as “expanded” editions that really deserve that word. Anyone out there who loves surreal heartfelt experimental rhythmical wild music from the outer fields of so-called electronic multicoloured post-fusion anti-math-rock who has never heard NERVE NET? Among its admirers Heiner Goebbels and Eivind Aarset. Call yourself happy! You are about to discover something!

Get your hands on NERVE NET and MY SQUELCHY LIFE on one double cd. A „double killer“ of sorts,  with Eno often working in expressionist mode. Might kick a hole in the cosmos for you, these expeditions with all their connections to ancient cave painting, atheist space prayers, fractal zooms and profound post-dadaism.

Imagine sitting in the “Jardin du Luxembourg” in Paris on a cold December day  listening to these two albums: strange faces around you, lonesome benches. Early winter euphoria. Snow falling. And for ambient music lovers: NEROLI and THE SHUTOV ASSEMBLY will do the trick and spread their wings around you. Mhm, this sounds too poetic, but it’s not easy to avoid the thing with the “immersive experience” here.

 
 
 

 
 
 

„Eno described parts of Nerve Net as “a new kind of dissonant dance music”, but stated in a 1990 interview with Michael Engelbrecht that some of it (for instance the track Juju Space Jazz) was inspired by and expressed a similar sort of feeling to The Shutov Assembly: The Shutov Assembly reflected “the out-of-town version of it, the outside-the-city-limits version of danger” while the other conveyed the “in-the-city-kind of feeling, but also not sweet and not reassuring” (excerpt of Hans Rollman’s review of the whole re-release package in „popmatters“) P.S. „Nerve Net“  and „The Shutov Assembly“ will be part of the „Radionacht Klanghorizonte“ on Dec. 20th at the Deutschlandfunk (www.dradio.de for live stream desires).

Some more background stories: MY SQUELCHY LIFE should have been released in the late summer/early autumn of 1992 (or 91). I remember Brian phoning me one summer day and playing a track to me regretting I might not get the bass line because of the frequency range of telephones. But it was fun to listen to a new Eno piece on an old phone.

Not much later he wrote me a quite long letter about Warner postponing the release because of a Prince or some other superstar record. Or some other things being part of major company politics. He was so upset about this that he withdrew the album, and part of the anger influenced the “trash jazz” elements of NERVE NET. I remember inviting myself to a Warner Hamburg listening session before Brian said “no” to the release.

I was the only person in the office and had a great time listening to one of my favourite singers. The Wire even published a review of My Squelchy Life, written by Mike Fish. When it became clear the record would not see the light of day I wrote a letter to Mike Fish, and, o wonder, really nice guy, he sent me his original promo copy of the record. At that time I regarded this old C-90 cassette as one of the biggest buried treasures in my archive. Apart from a signed vinyl version of the first edition of Bo Hansson’s “Lord of the Rings” (original Swedish release).


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