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Archives: Samstag, 15. November 2014

2014 15 Nov.

Loop me in 2

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Julia Stoschek ist eine junge reiche Galeristin, die ein gutes Geschick besitzt, die amerikanische Avantgarde nach Duesseldorf einzuladen. Gestern Abend zeigte William Basinski sein neues Werk „Cascade“ in der Stoschek Foundation.

Es war seine Urauffuehrung. Er kam in eleganter, enganliegender Lederkleidung in den Raum, stellte sich an den mit Technik ueberbordenden Tisch und begann fast wortlos mit seiner Performance. Hinter ihm lief ein Video, gedreht von seinem Lebensgefaehrten James Elaine. Es zeigte fast ausschliesslich Bilder von bewegtem Wasser. Irgendwann schloss ich die Augen, weil ich staendig an flying toasters denken musste. Er stand ueber eine Stunde fast unbeweglich vor seinem Werkzeug: dem Laptop, dessen Apple Logo er ueberklebt hatte [why?] und den beiden links und rechts aufgebauten tape decks.

Die Musik hoerte sich fuer mich zunaechst „rotten“ an. Zuhause haette ich meine kaputte Anlage sofort entsorgt. Aber hier war es wohl part of the game. Links von mir sass eine Frau, die nach 5 Minuten ging, rechts von mir sass ein Mann, der die ganze Zeit die Augen geschlossen hielt. Ich langweilte mich die ersten 15 Minuten, weil alles sehr aehnlich fliessend klang und noch dazu durch ein Echo gedoppelt wurde.

Als die Klaenge vollkommen unerwartet leiser wurden, wurde ich wieder hellhoerig und verfolgte bis zum Schluss das Konzert mit Begeisterung, die Klaviertoene schienen aus dem bereits gehoerten Soundtrack heraus zu wollen. Basinski verabschiedete sich mit den Worten: „Thank you, oops, I forgot my words.“ Und verschwand.
 
 
 

 

Es wird nicht leicht, die kommenden JazzFacts am Donnerstagmorgen zu produzieren. Bis jetzt habe ich  keine Manuskriptzeile geschrieben, das grobe Konzept stand allerdings schon vor der „Schmerzarie“ fest. Ich habe gestern die Struktur festgelegt, die Sendung in drei Teile geteilt.

Nicht nur die beiden „eingekauften“ Themen werden in diesen 55 Minuten „Jazz und Politik“ als ein Thema definieren: Karl L. stellt die neue Robert Wyatt-Biografie vor, und Michael K. einen Fotoband aus den wilden Aufbruchszeiten des Jazz in den USA zwischen 1957 und 1975.

Ich weiss nicht, ob ich das neue Opus von Anouar Brahem (mit angeblich dezenten Jazzelementen) noch rechtzeitig bekomme – der tunesische Oud-Spieler sieht sein Werk von den Unruhen der letzten Jahre in seinem Heimatland Tunesien beeinflusst, und auch Jon Balke schrieb mir in einer Mail, dass das neue Album „Outland“ mit seinen zerklüfteten Soundgebilden von der gewaltigen Schräglage des Jahres mitgeprägt wurde.

So sehen die drei Abschnitte aus:

 

1) Jokleba: Outland

2) Albatrosh: Night Owl 

Beitrag Eins: „Different Every Time“ (Biografie Robert Wyatt)

 

3) Supersilent: Supersilent 12

4) Erik Honore: Heliographs

5) Sidsel Endresen & Stian Westerhus: Bonita

 

Beitrag Zwei: „Black Fire! New Spirits!“

6) Jokleba: Outland 

 

Bei einigen dieser Produktionen ist der Begriff „Jazz“ sehr weit auszudehnen, vertraute Jazzelemente sind bei Supersilent und Erik Honore nur in Spurenelementen ausfindig zu machen. Und das Gitarrenspiel von Stian Westerhus ist schon sehr post-post-post-fusion. Aber an den Rändern, nicht in den Konventionen, warten die grösseren Überraschungen. Auf der Couch ins Blaue zu schreiben, ist relativ leicht. Ich hoffe, ab morgen jeden Tag jeweils drei Moderationen zu schreiben. Dienstag soll der Harnleiteiterschlauch unter Vollnarkose gezogen werden, in einem anderen Institut. Warum habe ich als ultima ratio kein Morphium bekommen? Die Schmerzattacken verhindern das Alltagsritual. Ich könnte im Cafe meines Vertrauens nicht mehr zur Toilette gehen, ohne mich hnterher ca. zehn Minuten stöhnend auf dem Boden zu wälzen. Not funny.

Was verbindet das Gedicht mit dem Film? Zunächst einmal gar nichts. Film schwarz, Poesie weiß, oder umgekehrt, daraus entsteht dann ein Zebra, also ein schönes und interessantes Tier. Poesiefilme wurden seit den Anfängen desFilms gedreht, sogar schon zu Stummfilmzeiten. L´invitation au voyage. Das Zebra Poesiefilmfestival gibt es nun schon seit dem Jahr 2002, alle zwei Jahre in Berlin, veranstaltet von der Literaturwerkstatt Berlin, die kürzlich sogar ein Poesiezentrum gegründet hat. In diesem Jahr gab es mehr als 700 Einsendungen aus der ganzen Welt, alle Filme haben englische Untertitel. Zu den Gewinnerfilmen in diesem Jahr zählt „The Dice Player“ von La’eb Al Nard, nach einem Gedicht von Mahmoud Darwisch.

 
 
 

 
 
 

Nicht weniger existenziell, aber sehr witzig ist die Verfilmung des Ernst Jandl-Gedichtes „essen – stück mit aufblick“ durch Peter Böving:

 
 
 

 
 
 

„Transit“. Ein Film über ein Leben nach einem Gedicht von Julietta Fix, der Frau, die hinter fixpoetry.com steht. Und auf deren Website es jede Menge poetryletter anzusehen gibt, das ist dann die Verbindung von Gedicht und Grafik oder Foto oder Gemälde. Aber das ist ein anderes Thema.

 
 
 

 
 
 
Alle Links zu den Filmen im 1. Kommentar.
 


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