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Archives: Sonntag, 14. September 2014

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Wie etwa GRAVITY, ist LOCKE ein Raumfilm, wenn man so will, eine Art „space movie“, obwohl der Raum in Ivan Lockes Welt (Tom Hardy legte sich für den Film einen walisischen Akzent zu, der allein in mehrfacher Hinsicht dieses Drama bereichert) ein sehr begrenzter ist. Er fährt mit seinem Auto von Birmingham nach London, durch die Nacht. Und wie ALL IS LOST, handelt der Film von einem Mann allein, der ums Überleben kämpft, zumindest um das Überleben seiner privaten und sozialen Welt. Und es geht um Würde, ein fürchterlich altbackenes Wort, aber so ist es, es geht um die Erfüllung einer Verpflichtung. „I’ve made a decision“, ist ein Kernsatz. An einer Stelle formuliert Tom Hardy, der diese Rolle mit allen Nuancen ausreizt, ohne je eine Spur zu dick aufzutragen, all seine Vorhaben wie eine Shakespeare’sche Figur in einem Monolog, in grosser, zugeich, an den Rändern der Stimme, zitternden Ruhe, und beendet seine Affirmationen mit dem Satz „… and this is my prayer.“ Gänsehaut pur. Mit Religion hat der Film rein gar nichts am Hut. Anders als Robert Redford in ALL IS LOST, kämpft Ivan Locke nicht mit Naturgewalten, sondern mit den gewaltigen Kräften der menschlichen Natur, und diese können brutal sein, in all ihrem Beharren, Sehnen, und Zerbrechen.

 

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Tom Hardys Darbietung ist ja nicht das einzige Highlight des Meisterwerkes “Locke”. Ich habe den Film jetzt zum zweiten Mal gesehen, ohne dass er an Intensität eingebüsst hat. Bei Filmen achte ich stets auf die Musik, und ich habe meine Zweifel, ob der mittlerweile downloadbare Soundtrack auch autonom funktioniert. Und das ist beileibe keine Kritik an der Instrumentalmusik von Dickon Hinchcliffe. Bei einem anderen exzellenten Thriller der letzten Jahre, “Prisoners”, war die Musik des Isländers Johan Johansson eine subtile Bereicherung der erzählten Geschichte, aber als eigenständige Musik schlicht langweilig. Nun arbeitet Dickon Hinchcliffe in “Locke” weitaus mehr mit rhythmischen Elementen als der Isländer im besagtem Film von Regisseur Dennis Villeneuve (dessen danach fabriziertes Machwerk übrigens vollkommener, postkafkaesker Unsinn war). Hinchcliffes Musik sorgt weitgehend für Atempausen, für akustische Zwischenspiele, in diesem gnadenlosen, Kilometer fressenden, Adrenalinrausch. Hinchcliffe gelingt es, Momente der Entspannung und des – kontrapunktisch – “sanften” Schreckens so feinnervig zu verweben, dass der Zuschauer sich, in all diesen Interludien, in denen kein Handy klingelt, keine Menschen durchdrehen, keine Lebensentwürfe kollabieren, einfach mal in die Musik fallen lassen kann.

Denken Sie an einen Menschen, mit dem Sie sich gut verstehen. Wie viel Zeit könnten Sie mit ihm verbringen, ohne sich in sinnvollen Sätzen zu verständigen? Zwei Tage? Zwei Monate? Ein halbes Jahr? Stellen Sie sich vor, dieser Mensch spräche nur Russisch. (Ich nehme an, Sie können kein Russisch.) Wie verändert sich die Versuchsanordnung jetzt? Und wenn es ein Kind ist? Und wenn Sie es sind, wie Sie im Alter von zehn Jahren waren? Haben wir schon über das innere Kind gesprochen? Da verliert ein hochintelligenter Mensch, der an der Übererfüllung der fachlichen Anforderungen zugrunde geht, seinen Job, seine Freundin und seine Wohnung, er versucht in einem Abbruchhaus zu schlafen und plötzlich taucht dieser Junge auf und wird sein Freund. Ist es nicht gleichgültig, ob etwas existiert oder nicht, solange jemand es so erlebt, dass es existiert? Die Grenze zum Wahnsinn? Zum weißen Rauschen? Zur Produktion von Kunst? Zeitschleifen. Streit mit dem Vater. Der Regen prasselt auf die Plastikplane. Die Plane sinkt auf der Erde zusammen. Geruch des Ausgeliefertseins. Ein weggeworfener und wieder zurückgebrachter Liebesbrief. Der Blick in den Himmel über dem Wald und über der Autobahn Richtung Süden. Wo leben wir?

 
Musik: Ian Hooper (Mighty Oaks)
 
 
 

 

2014 14 Sep.

Samstagnacht in den Klanghorizonten

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Die Musik, sagt sie, war „wie ein Tagebuch„, und jede Seite bringe neue Reflexionen und Resonanzen. Sie arbeitete mit dem Produzenten John Parish zusammen, der verschiedene Instrumente auf dem Album spielte, darunter die Gitarre bei ihrer Hommage an Brian Eno, die schlicht „Eno“ heisse. Graindorge hatte John ihr erstes Album geschickt, und sie schlossen eine Freundschaft, die dazu führte, dass sie den größten Teil von „Eldorado“ in seinem Studio aufnahm. Künstlerisch gesehen eine perfekte Ergänzung. „Ich habe gerne mit ihm gearbeitet“, erklärt Catherine Graindorge. „Er ist nicht nur ein exzellenter Musiker, sondern ich liebe auch seine Beziehung zu Klang und Musik: er ist neugierig, immer auf der Suche nach Klängen, und seine raue und direkte Herangehensweise an die Musik hat mir gefallen.“

 

from TheArtsDesk: „The Eno homage placed at the end is the only composition that hints at some kind of peace and resolution, a welcome and heart-stirring close to an album, that floats heavily in a miasma of blues, greys, and blacks.“

 
 

 
 


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