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Archives: Dienstag, 2. September 2014

 
 

 
 

Was ist ein fast 5 stündiges Konzert? Eine physische Erfahrung, ein Test in Aufmerksamkeit und Wahrnehmung? Der Ort des Geschehens war die Jahrhunderthalle in Bochum, anlässlich der Ruhrtriennale 2014 (Nachtkonzert vom 16.8.3014, Beginn: 23Uhr). Morton Feldman – For Philip Guston, gespielt von den 3 Mitgliedern des Ensembles Modern: Dietmar Wiesner, Hermann Kretzschmar und Rainer Römer.

 
 
 

 
 
 
Aus dem Programmheft:
 

„For Philip Guston ist eine Hommage an den 1980 verstorbenen Maler-Freund, eine Musik der Abwesenheit und Stille. Melodiemuster in schwebender Rhythmik, von kurzen Pausen getrennt, erzeugen immer wieder neue instrumentale Nuancen, ein musikalisches Gewebe von befreiender Leichtigkeit. Die Verknüpfungen, Proportionen und verborgenen Symmetrien sind inspiriert von Strukturen, Herstellungsweisen und Farben, die Feldman in antiken handgeknüpften Teppichen anatolischer Nomadenvölker fand, die er leidenschaftlich sammelte. Die Musik For Philip Guston ist nicht in Hinblick auf ein Publikum komponiert, sie ist einfach da. Man kann ihr begegnen, sich ihr aussetzen, sich hinein versenken. Man kann sich aber auch entfernen, und wenn man sich wieder nähert, ist die Musik unverändert präsent. Die Zuhörer sind eingeladen, es sich während der Aufführung in einer Landschaft verschiedener Sitz- und Liegemöglichkeiten bequem zu machen, den Saal zu verlassen und wieder zu betreten.“

 

Morton Feldman ist mit John Cage befreundet und die Kargheit seiner Kompositionen erinnert an Christian Wolff. So beginnt dieses Konzert auch mit c – a – g – e, ein Motiv das immer wiederkehrt. Es gab (fast) immer zur vollen Stunde auch ein gewisses musikalisches Zusammentreffen. Alles erklang in Piano Pianissimo, dieses Konzert als eine Übung in Meditation zu sehen, ist bestimmt auch nicht falsch. Allein Heiner Goebbels war fast immer im Saal unterwegs und lauschte aus verschiedenen Perspektiven dem Geschehen. Viele nutzen den Raum, verließen ihn um später zurück zu kehren, oder ganz zu gehen. Wir nutzen auch die Möglichkeiten des Raumes, gingen umher, machten es uns in den Sesseln bequem. Verließen den Raum um wieder zurückzukehren. In dem Moment des wieder Eintauchens in das musikalische Geschehen, hatte man zunächst den Eindruck, dass man nichts verpasst hat. Was so wiederum nicht stimmte. Die eigene persönliche Haltung zur Musik wurde präsent. Zum Schluss hin, wenn man das Umblättern der letzten Seiten herbei sehnte (man hatte ja schon 4stunden durch gestanden), und die letzten Töne in der Luft hingen, waren alle glücklich. Aber über das was ich da eigentlich erlebt habe, bin ich mir immer noch nicht sicher.

„Die Komponistin Galina Ustvolskaja (1919-2006) bestand darauf, dass „keine wie auch immer geartete Beziehung“ zwischen ihrer Musik „und der eines anderen lebenden oder toten Komponisten“ bestehe, und positionierte sich außerhalb aller stilistischen „Schulen“. Ihr Werk, sagte Viktor Suslin, habe die „Fokussiertheit eines Laserstrahls, der Metall schneiden kann.“ Sich in diese Klangwelt zu begeben, erfordert eine besondere Form des Engagements und der Intensität. Patricia Kopatchinskaja und Markus Hinterhäuser spielen auf einer neuen Einspielung die Sonate (1952) und das Duett (1964) für Violine und Klavier, und zusammen mit Reto Bieri, das Trio (1949) für Klarinette, Violine und Klavier.“ So heisst es in einer Ankündigung von ECM  HEADQUARTERS über ein Album, das am 19. September erscheinen wird. Klingt hochgradig spannend. Entweder grosses Staunen – oder „Danke – und tschüss“, ein Dazwischen wird es wohl kaum geben.

2014 2 Sep.

Imaginary Record Series.

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