Manafonistas

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Archives: Mittwoch, 30. April 2014

Es war eine Zeit, in der die Kakteen interessante Schatten warfen in der leergeräumten Wohnung. Sie hatte gerade so viel mitgenommen, dass der Begriff Leere eine neue Bedeutung in meinem Leben bekam. Die erste Frau, die danach über eine Nacht blieb, hiess Julia und erzählte von ihrem Freund, einem Jazzdrummer, der eine hypochondrische Angst hatte, sein Augenlicht zu verlieren, weil seltsame Glaskörper durch seine Pupillen schwammen. Am Morgen nach der einzigen Nacht mit Julia klingelte der Postbote einmal, und ich lief voller Erwartung zur Tür, erwartete ich doch Post aus Unterlüß, und da war es, das neue Album von Brian Eno, “Music For Films”. In den folgenden Jahren, das heisst, bis heute, hörte ich es vielleicht eintausendzweihundertdreiundreissig mal; eine Werbung von Polydor in der “Sounds” hatte die Langspielplatte beworben mit der Überschrift “Der Mann im Hintergrund”. Ich legte die Musik auf, und die Leere in meiner Wohnung im 7. Stock gewann eine weitere, diesmal betörende Qualität hinzu. Julia mochte die Musik auch und verliess meine Wohnung und mein Leben.

In der Zeit fuhr ich mit einem Freund öfter ins “Act” nach Weissenohe (oder so ähnlich), das war ein Wallfahrtsort mitten in der Fränkischen Schweiz, wo mal en passant Ultravox spielten, Kevin Coyne oder Robert Fripp´s The League of Gentlemen. Fripp liess ich mir nicht entgehen. Auf dem Hinweg zu der umgebauten Scheune im Hinterland hörten wir einen Meilenstein, von dem Easy Ed und ich damals schon wussten, dass es ein Meilenstein werden würde, “Colossal Youth” von den Young Marble Giants. Robert Fripp war gut gelaunt, und seine Wave-Kapelle rockte den alten Kuhstall. Als ein Hörer Robert Fripp bat, doch etwas aus sich herauszugehen und den Schemel zu verlassen, auf dem er sass, entgegnete Fripp: – I have to sit. I´m only a limited guitar player. Süße Duftschwaden füllten den Raum, nicht lange danach machte die Polizei diesen dezenten Drogenumschlagplatz dicht.

1982 sah ich Herrn Fripp wieder, diesmal in dem alten Nürnberger Stadion, mit 30.000 Festivalbesuchern an meiner Seite, mit Anna und an einem verdammt heissen Sommertag. Mein kleines Woodstock. Anna, meine Geliebte, hatte Lust, das Wochenende in einen französischen Film zu verwandeln. Wir hörten Fripps revitalisierte Ausgabe von King Crimson, mit Adrian Belew, Tony Levin und Bill Bruford. “Discipline” war kurz zuvor erschienen. Diese heisse Scheibe, liebe Zeitreisende, ist vor zwei Jahren in einer exzellenten Edition neu aufgelegt worden, incl. Videos von damals und einem tollen 5:1-Mix. Obwohl der Fripp-Faktor auf dem Album hoch war, brachte Belew auch etwas vom fiebrigen Geist der Talking Heads ins Spiel. Anna lieferte spät abends, in Nürnberg City, nach Neil Young und seinem Exorzismus namens “Cortez the Killer”, tatsächlich eine großartige Darbietung ab, eine femme fatale wie einem Pariser Kinostreifen von Jean Pierre Eustache entsprungen, in dem dann doch mal mehr gevögelt als geredet wurde. Der Blick von unserm Hotelfenster ging auf den Rathausplatz. Der Blick war weniger Paris und mehr Rüdiger Vogler in dem Wenders-Film, in dem der gelockte Hippie auf die Altstadt von Husum schaute und die Troggs auf seinem Plattenspieler liefen. Als wir am nächsten Mittag aufbrachen, lief im Auto wieder, ich weiss es noch genau, “Colossal Youth” von den “Young Marble Giants”. Weil Benzin unbemerkt aus dem Tank lief, schleuderte mein Auto in einer Kurve im Uhrzeigersinn. Drei Monate später waren wir Geschichte. These were the days.

Ich habe jetzt grosse Ferien! Bis zum Sommeranfang ist es noch ein wenig hin. Bis dahin werden Lyrikpreise in Meran vergeben, norwegische Musiker eine Platte in Lugano aufnehmen, und neue Aufnahmen von Owen Pallett (mit Brian Eno) sowie Wolfgang Muthspiel (mit Brian Blade) erscheinen. Gregor wird seine alte Jukebox (Sammlerwert: 25.000 Dollar) erstmals mit einer Single aus dem alten Äthiopien von Haile Selassie „füttern“. Am 21. Juni werde ich (wie daraufhin alle zwei Monate) live im Studio sein, und nach 0.00 Uhr dem „Mitternachtskrimi“ lauschen. Man wird da u.a. der Stimme von Rosemarie Fendel als Hotelbesitzerin lauschen, in einer unheimlichen Geschichte, die spätromantische Motive der Ambivalenz von Lust und Angst mit einem „Whodunit“ aus deutschen Landen verknüpft. Das Besondere: die Romanvorlage stammt aus dem Jahre 1909. Themen bei mir sind in der ersten Stunde NEULAND (1.05-2.00) u.a. eine neue Langspielplatte des National Jazz Trio of Scotland, sowie ein erperimentelles Drone-Trommel-Opus der Italienerin Costanza Francavilla, die in den letzten Jahren öfter mit Tricky zusammengearbeitet hat. In der Stunde ZEITREISE (2.05-3.00) gibt es eine Ausgrabung von Sun Ra, die uns in ein Appartment in New York im Jahre 1965 führt  – und (neben anderen Pendelschwüngen zwischen dem Annodazumal und der Gegenwart) wird ein Klassiker der Elektronischen Musik von Morton Subotnick dem Hörer jeden Gedanken an Schlaf rauben. In der Stunde „NAHAUFNAHME“ (3.05-4.00) stelle ich ihnen u.a. das Doppelalbum „I Am The Center“ vor, das sich frühen Abenteuern der New Age-Musik widmet, und alle erstaunen wird, die in diesem Genre nur esoterischen Kitsch wittern. Die vierte Stunde der Radionacht wird immer einen vorproduzierte Sendung sein, die thematisch gut zu den „vibes“ der vorangeganegen Stunden passt. Und so kann man die erste lange Radionacht „Klanghorizonte“ kaum besser abschliessen als mit einer „Milestones“-Ausgabe, die sich Miles Davis widmet und den jüngst komplett veröffentlichten vier Nächten im Fillmore East anno 1970. Karl Lippegaus wird einiges zu erzählen haben zu diesem frühen Opus der Jazz-Rock-Ära. Und danach kommt der Bluesmann um 5.05 Uhr und startet den Tag.
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2014 30 Apr.

Dreissig Vier Vierzehn

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Morgen frueh, wenn der halbe Ortsteil („das Dorf“ haette ich beinahe geschrieben) noch schlaeft zieht er dann wieder bei mir zu Hause durch die Strassen: unser Spielmannszug. Immer am ersten Mai! Den Zusammenhang zum Tag der Arbeit, diesem tradionellen Feiertag habe ich nie verstanden; auf alle Faelle war’s in meiner Kindheit immer eine grosse Sache: der Spielmannszug schritt fast alle erreichbaren Strassen ab, weckte mit Musik die Buerger – und brachte ausserdem dem amtierenden Schuetzenkoenig vor seinem Haus ein Staendchen. Heute, vermute einmal weil sich zu viele Anwohner ueber die fruehmorgendliche „Ruhestoerung“ beschwert haben, vernimmt man die Musik nur noch aus der Ferne. – Was schade ist: einmal im Jahr hoere ich dererlei ganz gerne.

2014 30 Apr.

Tara Comes To Town

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Because of the interest of some readers and manafonistas in Tara Jane O Neil’s most recent album, Where Shine New Lights on kranky – I thought you’d appreciate some advance notice that she shall be announcing a European tour next week, which commences in June.

Here’s the full list of shows so far, all will be confirmed by next week and potentially more added:-

June 3rd – NL, Tilburg, DB’s
June 4th – DE, Cologne, KING GEORGE
June 5th – DE, Leipzig, NATO
June 6th – DE, Berlin, TBA
June 7th – FR, Paris, ESPACE EN COURS
June 10 – UK Glasgow GLAD CAFE
June 11 – UK Reading SOUTH STREET ARTS CENTER
June 12 – UK London CAFE OTO with new bums


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