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Archives: Donnerstag, 1. August 2013

Pale horses of Stian Westerhus, the dream riders of Terje Rypdal and Frisell’s Big Sur zephyrs at Molde. Die blässlichen Pferde von Stian Westerhus, die Traumreiter von Terje Rypdal und die Frisellschen Zephyre aus dem Big Sur an zwei Abenden in Molde. Wenn das nichts ist! Weiter mit: Stian Westerhus, Oystein Moen und Erland Dahlen reiten durch die Nacht.

 
 
 

 
 
 
Westerhus hat dieses kräftige breite, zupackende Grinsen, das jedem Wetter trotzt. Voll da, ohne Bodenhaftung zu verlieren. Auch die anderen beiden sehen nicht aus, als ob sie ein bisschen schöne Musik machen. Wenn Westerhus auftritt, steigt die Spannung schon etliche Zeit vorher. Jeder weiss, dass es bei ihm immer zur Sache geht, dass man bei ihm selbst nicht ungeschoren davonkommt. Und: man weiss vorher nicht, was geschehen wird. Und: man ist jedesmal erstaunt über das, was geschehen ist. Und: ganz schön ergriffen jedes Mal. Bisher jedenfalls.

Bei ihm kein motziges oder freundliches Gehabe. Es ist, was es ist und es tut zur Sache. Aber auch dabei lässt er es nicht bewenden. Hinabsteigen oder hinaufsteigen kann man auf leerem Gedröhne nicht. Das wissen er, Moen und Dahlen, die sich u.a. von Puma und von Molvaærs Band kennen, nur allzu genau.

In Molde Premiere. Dienstagnacht, 24:00. Im selben Saal wie zuvor die Big Sur Zephyre. Nur jetzt sind (mit einem Knopfdruck) alle Sitze eingefahren. Stehen. Direkt vor der Bühne. Die ist mit reichlich grossen Reflektorlampen ausstaffiert. Sonnen, Nebensonnen oder blasse Monde? Lichtregie auf hohem Niveau ist auf norwegischen Podien und bei norwegischen Bands fester Bestandteil. Bis hin zur Tiefverdunklung.

 
 
 

 
 
 

Es war natürlich anderer Tobak als tags zuvor bei Rypdal. Diese drei loteten jähe Tiefen aus, durchstoben wilde Schluchten, peitschten auf und vorwärts, steuerten auf Klimax hin. Die Songline im Griff und Auge. Dahlen hielt die tobenden Wetter in Gang und bei Laune, Moen und Westerhus spielten sich die Bälle zu, schossen hoch an die Grenze jenseits derer die Stimme durchbrach und in die Höhe stieg und Fluchten eröffnete. Einerseits der klassischer Gestus, andererseits heftige Wirbel und drängendes Getöse. Getöse, das sich immer wieder am Boden fing, sich einpendelte und zu neuem Anlauf sammelte.

 
 
 

 
 
 
Es ist ein Unterschied, ob man ein Konzert direkt an der Frontlinie erlebt oder in ‘sicherem’ Abstand sitzend. Man wird starker hineingezogen, erlebt wohl intensive und mischt mit. Heisst: die Unterscheidung zwischen dem, was tatsächlich passiert und dem, was man in die Vibrationen hineingibt, verschwimmt.
 
 
 

 
 
 
Trotz gigantischer Bassdrum kein Moment des Überdröhnens oder Zudröhnens, Unterwummerns. Richtig gut laut und für manchen unter zu dunstiger Decke, die die schärfere Konturen nicht durchlieβ. Es kommt in dieser Konstellation eben von drei Seiten und dieses war das erste Konzert. Klar, dass der Bereich der Dynamik sich erst zu öffnen beginnt. Wohl gleich auf hohem, oder wenn man vom Erlebniswert her schaut, auf tiefgehendem Niveau.
 
 
 

 
 
 
Nächster Anlauf bereits morgen und dann im Nidarsdom von Trondheim, der grössten Domkirche von Norwegen. Es ist nicht nur eine Lokalität, die einiges verspricht. Es zeigt auch, was den Norwegern ihre musikalischen Talente und der Ausdruck wert sind.
 
 
 

Pale Horses im Nidarsdom von Trondheim, Freitag, 2.August, 22:00

 
 

 
 
 
SJØBYGDA
 

Frage: wie stellt man so etwas auf die Beine? Nach dem Auftritt der Blasspferde treffe ich Eldbjørk Raknes, eine Vokalistin/Komponistin aus Trondheim. Sie erzählt, dass die drei sich bei ihr “im Wald” vorbereitet haben. Im Wald heisst: in der Wildnis nördlich von Trondheim, wo Raknes eine Künstlerresidenz und ein jährliches Kunst-Festival aufgebaut hat. An einem Wintertag in 2007 stiess sie auf die alte Schule Eggaodden und das Haus Bekkastoggo, die Jahrzehnte ausser Gebrauch waren, und war so begeistert, dass sie sich unversehens daran machte, daraus etwas für die Kunst entstehen zu lassen. 2009 waren das Künstlerhaus Sjøbygda und das erste Festival eine Realität.

Ein Auftragswerk für das Festival also: “Deler av konserten er et bestillingswerk skrevet til Sjøbygda Kunstnarhus”, und nicht das einzige. Auch der zwei Tage später mit einer neuen Formation auftretende Schlagzeuger, Trommelslager, Paal Nilssen-Love hat sich dort vorbereiten können.

 
 
 

 

Alle Photos
© FoBo – Henning Bolte

ausser Dom Trondheim u. Eldbjørk Raknes

Am Samstagmorgen, den 3. August, gibt es in den Klanghorizonten um 4.05 Uhr genau das, wofür diese Sendung seit über 20 Jahren steht: einen Mix aus Avantgarde, Ambient Music, Experimental-Pop und Folk der ungewöhnlichen Art, elektronische Klänge und Soundwelten, die sich in stilistischen Zwischenzonen aufhalten. Mit lauter dünnen und hauchdünnen roten Fäden, diesmal heissen diese Fäden „heidnische Welten“, „archaisches Getrommel“, „Duos“ und „Naturklänge der unlustigen Art“ … Mit dabei Marsen Jules Trio, Ballake Sissoko, Tamia, Tunng, Geir Jenssen, Don Cherry & Ed Backwell, Christian Fennesz sowie Wardruna. (Playlist unter Kommentar 1)

No longer standing behind a pseudonym, Geir Jenssen, better known as Biosphere, also does away with much of the electronic treatments and digital manipulations that have made him a standout artist on Touch Music. The album’s title, “Stromboli,” is taken from the name of a volcano off the north coast of Sicily and Jenssen documents its simmering movements and random outbursts of activity for the duration of the record. The rustling organic textures could easily be lapping waves or swirling leaves, but the threat of sticking a microphone into a still active volcano does add a certain sense of danger to the proceedings as well as a thick layer of intrigue to the listening experience. [Ryan Potts]

2013 1 Aug.

Brian Eno and his daughter Irial (in conversation)

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Dear Friends,

in times of heatwaves and frolicking in the sun, we unleash our latest and newest issue in all its colourful splendour, with no less than musical polymath Brian Eno, and what’s more, in conversation with his daughter Irial in a uniquely intimate father/daughter setting that makes it all the more charming and fun – which sums up Brian Eno pretty well, already. Or, to put it simply: this issue is simply a treat, visually and intellectually, from beginning to end.

Please scroll down for more information, or if you want our advice, head straight over to the sun-proof vaults of our online store mono.konsum since, needless to say, in its nifty size our new issue will make for splendid reading in the park.

Enjoy the sun and our breezy best,
mono.kultur (www.mono-kultur.com)

Pale horses of Stian Westerhus, the dream riders of Terje Rypdal and Frisell’s Big Sur zephyrs at Molde. Die blässlichen Pferde von Stian Westerhus, die Traumreiter von Terje Rypdal und die Frisellschen Zephyre aus dem Big Sur an zwei Abenden in Molde. Wenn das nichts ist! Anfang: Terje Rypdal mit The Sounds Of Dreams.
 
 
 
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Vorn am äussersten linken Bühnenrand hockt wie Sitting Bull der ältere Rypdal mit seiner Gitarre, skulpturengleich. Er spielt nicht nur, er schaut Musik.
 
 
 

 
 
 
Links neben ihm Tastenmann Ståle Størlokken und im Bühnenhintergrund die zwei Schlagmänner, Jon Christensen und Paolo Vinaccia. Jon und Paolo, was für eine Ergänzungsgänze! Schräg gegenüber auf der anderen Bühnenseite der jüngere Rypdal, Sohn Marius, tastendrückend und schiebend. Und in der Bühnenmitte schliesslich ein Fagottspieler. James Lassen aus Bergen. Bassist Sveinung Hovensjø, noch von der Rypdals Besetzung aus den 70ern, machte im letzten Moment die Gesundheit zu schaffen (inzwischen auf Besserungsweg), weswegen die Bässe u.a. von Rypdal selbst über- nommen werden mussten. Langsam baut sie sich auf, die Musik. Langsam aber stetig und unnachgiebig. Es hat sich nicht so viel an der Musik geändert. Etwas weniger rauh, schneidend, dafür etwas runder, voluminöser – wie eben der Klang heutzutage ist. Die Schlagzeuge klingen wie Eisregen, knackendes Unterholz, fallende Gesteinsbrocken. Hier wird man nicht zugetrommelt, auch wenn Vinaccia Wegmarken setzt.
 
 
 

 
 
 
Wer macht sonst Musik, die sich so aus Gitarrenklängen aufbaut und sich so gut und stark mit Blech und Holz vermischt? Wer erreicht dabei solche kosmologischen Dimensionen? In diesem neuen Werk ist Rypdal (wieder) ganz da. Fagot und Fagotspieler sind eine grossartige Wahl, ergeben eine erstaunliche Legierung! Auch die Tastenmänner grossartig. Kein Musiker zuviel auf der Bühne.
 
 
 

 
 
 
Rypdal, ein Meister der Dynamik, des Raumgefühls und melodischer Inhärenz. Durch all das geistern in diesem Werk traumgleich Melodien aus alten Grammophonen, Radioapparaten, Gassen und Hausfluren, Gassen und Spelunken. Von schrägen Tangos, Märschen bis Arien und Belcanto. Bei letzterem war nun mal Paolo gefragt, der das eine nach dem anderen aus einem richtigen, stilvollen Radioapparat drehte, um Sänger und Orchester in voller Hingabe auf seinem Schlagwerk zu begleiten. Und noch einmal. Und noch einmal. Ein Stück im Stück im Stück. Vinaccia steigt da so hinein, dass es dem Traumgleichen fast zu entsteigen droht. Zu lang? Oh nein, eher eine Freude zu zu schauen, wie er für sich selbst im Schönen Glücksmomente erlebt.
 
 
 

 
 
 
Gegen Ende dann kommt das Ganze noch schwer ins Rocken. Dann aber ein barocker Zug, ein Air als Ausklang. Hier wurde nicht jung getan, sondern wurden alterserfahren (und –beschwert) Klänge grandios über Lebensabschnitte hinweg getragen. Und dankbar in unersetzbarem Live-Erleben empfangen.


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